Organisierte Kriminalität

Masche «Love Scamming»: Urteile gegen nigerianische Mafia

Eine Beziehung vortäuschen, um an Geld zu kommen: Vor allem mit dieser Masche kassiert die sogenannte «Black Axe»-Bruderschaft ab. In München sind nun zwölf Mitglieder verurteilt worden.

Einer der Angeklagten wird in den Gerichtssaal geführt - insgesamt sind zwölf Männer verurteilt worden. (Archivbild) Foto: Peter Kneffel/dpa
Einer der Angeklagten wird in den Gerichtssaal geführt - insgesamt sind zwölf Männer verurteilt worden. (Archivbild)

München (dpa) - Das Landgericht München I hat im deutschlandweit ersten großen Prozess gegen die nigerianische Mafia nach 15 Monaten ein Urteil gesprochen. Es verhängte Haftstrafen zwischen drei Jahren und vier Monaten und achteinhalb Jahren gegen die zwölf Angeklagten - insgesamt 54 Jahre und sechs Monate.

Die Kammer sah den Vorwurf der Bildung einer kriminellen Vereinigung bei allen Männern im Alter zwischen 34 und 55 Jahren als erwiesen an. Dazu kamen für vier Angeklagte die Verurteilung wegen 37 Fällen der Geldwäsche in besonders schwerem Fall. 

Love Scamming mit vorgetäuschten Liebesbeziehungen

Vor allem mit der Betrugsmasche des sogenannten Love Scammings, bei denen Opfern eine Liebesbeziehung vorgegaukelt und sie um Geld gebeten werden, soll die sogenannte «Black Axe»-Bruderschaft viel Geld verdient haben: Nach dem Ergebnis der Hauptverhandlung gehe das Gericht davon aus, dass die
inkriminierten Gelder aus Betrugsstraftaten aus dem Phänomenbereich des
sogenannten «Love Scamming/Romance Fraud» stammen.

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In dem Münchner Prozess ging es um Dutzende Fälle. Rund 235.000 Euro soll allein eine Frau gezahlt haben, die mit einer angeblichen Liebesbeziehung getäuscht wurde. Betrüger geben sich in solchen Fällen als jemand aus, den es gar nicht gibt - beispielsweise als «ein in Syrien stationierter Soldat namens "Thomas Meyer"», wie es in der Anklage hieß.

Die schwarze Axt ist das Symbol der «Black Axe»-Organisation. (Archivbild) Foto: Britta Schultejans/dpa
Die schwarze Axt ist das Symbol der «Black Axe»-Organisation. (Archivbild)

Dass die nigerianische Mafia, deren Mitglieder weltweit auf rund 30.000 geschätzt werden, auch von Deutschland aus verstärkt tätig ist, war bis zu einer großen Razzia im Jahr 2024 weitgehend unbekannt. Hierzulande gebe es schätzungsweise eine dreistellige Anzahl an Mitgliedern, teilte das bayerische LKA damals mit. Der Freistaat sei ein Schwerpunkt. 

Der Prozess hatte nach sich nach Gerichtsangaben über 91 Verhandlungstage hingezogen. In dem 15 Monate dauernden Mammutprozess mit zwölf Angeklagten und 24 Verteidigern wurden demzufolge mehr als 150 Zeugen gehört.