NDR-Journalist

Peter Urban hört als Kommentator beim ESC auf

Die Stimme von Peter Urban geht ins Ohr. Seine Fernsehkommentare beim ESC haben den Hamburger Radiomann bekannt gemacht. Nun hört er damit auf. Und findet den Zeitpunkt perfekt.

Peter Urban will als deutscher ESC-Kommentator aufhören - aber erst im kommenden Jahr. Foto: Georg Wendt/dpa
Peter Urban will als deutscher ESC-Kommentator aufhören - aber erst im kommenden Jahr.

Hamburg (dpa) - Seine tiefe Stimme gehört zum ESC wie die Eurovisions-Hymne: Das NDR-Urgestein Peter Urban moderiert den Eurovision Song Contest in diesem Jahr zum letzten Mal. Das teilte der Norddeutsche Rundfunk am Mittwoch mit. Der Hamburger führt seit 1997 durch den europäischen Gesangswettbewerb - mit einer Mischung aus Ruhe, Witz, Expertise und feiner Ironie. Nun will der 74-Jährige aufhören. Das Finale in Liverpool am 13. Mai wird für den Hamburger Journalisten der Abschied von der internationalen Musikshow sein.

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«Ich werde 75, es ist der 25. ESC und das ist ein perfekter Zeitpunkt, um aufzuhören. Und es ist auch noch in Liverpool, was ja auch so eine Art persönlicher Kreislauf für mich ist. Insofern ist das ein guter Moment. Und irgendwann hätte es ja sowieso sein müssen», sagte Urban der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. Schon als junger Mann ist Urban seiner Musikleidenschaft in vielen Clubs und Hallen Englands nachgegangen. Er verehrte vor allem die Beatles.

ESC-Debüt in Dublin 1997

Seit seinem Debüt beim ESC in Dublin 1997 hat Urban das musikalische Spektakel für das deutsche Fernsehen fast jedes Jahr kommentiert. Nur ein Mal musste er in der Zeit wegen Krankheit aussetzen.

Ansonsten reiste der Musikexperte mit dem ESC-Zirkus durch Europa und kommentierte die Wettbewerbsbeiträge. Dafür blieben ihm in der Regel stets nur die kurzen Pausen zwischen den Einspielern zum jeweiligen Land und den Auftritten der ESC-Teilnehmer.

Nicht selten sprach der gebürtige Niedersachse dabei den Zuschauern aus der Seele oder nahm deren Gedanken geschickt auf. Ob zu kurze Kleider oder quietschbunte Outfits, furchterregenden oder wunderbaren Gesang, von Windmaschinen verwirbelte Haare oder beeindruckende Akrobatik - Urban hatte stets einen flotten Spruch dazu parat.

So kommentierte er beispielsweise den Auftritt der finnischen Hardrocker Lordi, die 2006 auch den ESC-Sieg holten, mit folgenden Worten: «Heute ist Samstag, Fernsehtag, liebe Eltern, kleinere Kinder und zart besaitete Seelen sollten in den nächsten drei Minuten vielleicht besser die Augen zumachen oder den Raum verlassen, denn hier kommen Lordi, die Horror-Schocker aus Lappland.» Und nach dem Auftritt sagte Urban schließlich: «Liebe Kinder, bitte nicht nachmachen, eure Eltern könnten sich erschrecken.»

Eigene Entscheidung aufzuhören

Er selbst bezeichnet seine Kommentare so: «Informativ, sachlich, aber auch manchmal emotional und auf jeden Fall eine Menge laute oder leise Ironie.» Mit Diskussionen oder gar Begründungen, warum Deutschland einen schlechten Platz beim ESC belegt hat, hielt er sich dabei stets zurück. «Ich bin nicht derjenige, der hier irgendwelche Dinge beurteilen soll, sondern ich soll das kommentieren. Und ich kann nicht für alles Erklärungen finden», sagte er dpa.

Die Entscheidung für einen Schlussstrich sei von ihm selbst gekommen. «Das sollen jetzt mal andere machen.» Wer ihm nachfolgt, will der Norddeutsche Rundfunk noch «zu gegebener Zeit bekanntgeben».

Laut NDR-Programmdirektor Frank Beckmann kennt Urban den ESC wie kaum ein anderer. «Seine Kommentare über die Beiträge sind aufschlussreich, kenntnisreich, trocken, auf den Punkt – und Kult.» Ihm gelinge, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, aber auch wohlwollend und respektvoll zu kommentieren. «Seine Begleitung über eine ganze Generation hinweg hat den ESC geprägt. Wir werden ihn vermissen!»

Am 13. Mai in Liverpool

In diesem Jahr aber will Urban noch einmal den ESC genießen. «Ich will noch mal live dabei sein. Die letzten beiden Jahre habe ich ja hier in Hamburg gemacht und das ist kein Ersatz gewesen», sagte Urban der dpa weiter. Er habe vor allem die Harmonie und die tolle Atmosphäre des verbindenden Events zu schätzen gelernt. Der ESC sei einfach ein Gesamtereignis. «Das gibt es in der Welt nicht zweimal. Man muss ja nicht die Musik mögen, jeden Song mögen. Da gibt es witzige oder dramatische, bombastische Inszenierungen. Es gibt jedenfalls was zu sehen und das wollte ich den Leuten nahebringen.»

Der ESC gilt als größtes Fernsehmusikereignis der Welt, jedes Jahr schalten in mehr als 40 Ländern rund 200 Millionen Menschen ein. Die 67. Ausgabe wird am 13. Mai in Liverpool ausgetragen. Das Erste der ARD wird live übertragen. Für Deutschland tritt die Hamburger Rock-Band Lord Of The Lost an mit dem Lied «Blood & Glitter».

Der ESC könne «auch in politisch schwierigen Zeiten immer noch ein wunderbares Beispiel für internationale Verständigung sein, bei Künstlern, Funktionären, Fans und exemplarisch auch unter meinen Kollegen, den Kommentatoren», ließ sich Urban am Mittwoch vom NDR zitieren. «Das harmonische Miteinander ist kein Klischee, der ESC steht für Offenheit, Toleranz, Verständnis und gegenseitigen Respekt.»

Er sei übrigens nicht der dienstälteste ESC-Kommentator, betonte Urban. «Diese Krone gebührt dem Schweizer Jean-Marc Richard, der seit 1991 für das französischsprachige Radio und TV kommentiert.»