Koalition und Reformen

Breite Debatte über Vorschläge der Rentenkommission

Die Rentenkommission macht Vorschläge zur künftigen Altersvorsorge. Die Empfehlungen stoßen auf heftige Kritik - aber auch auf Lob.

Eine von der Bundesregierung eingesetzte Kommission macht Vorschläge zur Zukunft der Rente. (Symbolbild) Foto: Felix Kästle/dpa
Eine von der Bundesregierung eingesetzte Kommission macht Vorschläge zur Zukunft der Rente. (Symbolbild)

Berlin (dpa) - Schon vor der offiziellen Vorstellung sorgen die Vorschläge der von der Bundesregierung eingesetzten Rentenkommission für heftige Diskussionen. Kritik an den am Wochenende bekanntgewordenen Punkten kam vor allem von der Linken und Gewerkschaften. Die Rentenkommission schließt heute ihre Beratungen ab. Ihre Vorschläge wollen die Fachleute am morgigen Dienstag offiziell im Kanzleramt an die Bundesregierung übergeben. 

Die wichtigsten Punkte sind: Das Rentenniveau soll durch eine neue Kapitalrente langfristig gesichert und das Rentenalter in den nächsten Jahrzehnten schrittweise angehoben werden. Auch die Rentenbeiträge werden weiter steigen. Wegfallen soll der frühe Renteneintritt ohne Abschläge nach 45 Beitragsjahren («Rente mit 63»). Eine beitragsfinanzierte Kapitalsäule soll in Zukunft höhere Renten für heute Jüngere möglich machen als nach heutigem Recht. Selbstständige und Politiker sollen in die gesetzliche Rente einzahlen. 

Enttäuschungen und Kritik 

IG-Metall-Chefin Christiane Benner teilte mit, wenn geplant sei, die Rente ohne Abschläge nach 45 Versicherungsjahren abzuschaffen, werde dies in den Betrieben der Metall- und Elektroindustrie auf heftige Ablehnung treffen. «Diese Vorschläge blenden die Arbeits- und Lebenssituation vieler Beschäftigter in unseren Betrieben aus.» Der Sozialverband Deutschland und die Gewerkschaft Verdi hatten ebenfalls enttäuscht auf die Vorschläge der Kommission reagiert. 

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Juso-Chef Philipp Türmer sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: «Die Kopplung des Renteneintrittsalters an die allgemeine Lebenserwartung ist sozial ungerecht und geht zulasten derjenigen, die gerade in ein Leben voll harter Arbeit starten.» In diesem Kernpunkt sei das Paket nicht hinnehmbar. 

Juso-Chef Philipp Türmer sieht die Vorschläge der Kommission kritisch. (Archivbild) Foto: Harald Tittel/dpa
Juso-Chef Philipp Türmer sieht die Vorschläge der Kommission kritisch. (Archivbild)

Der Vorsitzende der Linken im Bundestag, Sören Pellmann, sagte dem «Tagesspiegel»: «Mit der Anhebung des Renteneintrittsalters und der Abschaffung der Rente für langjährig Versicherte liefert die Rentenkommission die von der Merz-Regierung bestellten Ergebnisse: Rentenkürzungen.» Die kapitalgestützte Komponente führt nach Ansicht des Oppositionspolitikers Pellmann dazu, «dass die Höhe unserer Renten davon abhängig sein wird, dass Mieten, Pflegekosten und die Aktienkurse von Rüstungsunternehmen steigen». Nichts davon sei nötig, so Pellmann, «nichts davon ist akzeptabel». 

Lob vom Sachverständigenrat 

Die Vorsitzende des Sachverständigenrates (SVR), Monika Schnitzer, lobte die Empfehlungen. Viele deckten sich mit denen des SVR von 2023, sagte sie dem «Handelsblatt». Das gelte für die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung, die Rücknahme der Rente mit 63 und den Aufbau einer kapitalgedeckten Komponente. Sinnvoll sei, die Altersversorgung von Beamten, Selbstständigen und Abgeordneten einzubeziehen. Der Sachverständigenrat ist Deutschlands wichtigstes Beratungsgremium für Wirtschaftspolitik. 

Monika Schnitzer lobt die Vorschläge der Rentenkommission. (Archivbild) Foto: Britta Pedersen/dpa
Monika Schnitzer lobt die Vorschläge der Rentenkommission. (Archivbild)

Der Vorsitzende der Senioren-Union, Hubert Hüppe (CDU), rief die Bundesregierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU) zu einer raschen Umsetzung der Vorschläge auf. «Die Regierung sollte den Vorschlägen im Grundsatz folgen. Streit wäre jetzt schlecht für alle – für Rentner, junge Leute und erst recht für die Demokratie», sagte Hüppe der «Rheinischen Post» (Montag). Er bezeichnete die Vorschläge als «ausgewogen und maßvoll». 

Kommission tagte 150 Stunden 

Die Rentenkommission unter Vorsitz der Verwaltungswissenschaftlerin Constanze Janda und des Ex-Chefs der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, tagte rund 150 Stunden. Nach Angaben aus dem Gremium herrschte breiter Konsens über die Ergebnisse. Die Vorschläge sollen dazu beitragen, den Lebensstandard im Alter gerade für kleinere und mittlere Einkommen durch gesetzliche, betriebliche und private Vorsorge zu sichern. 

Hans-Jürgen Weise ist Co-Vorsitzender der Rentenkommission. (Archivbild) Foto: Andreas Arnold/dpa
Hans-Jürgen Weise ist Co-Vorsitzender der Rentenkommission. (Archivbild)

Die schwarz-rote Koalition will bis zur Sommerpause ein Reformpaket schnüren, das den Arbeitsmarkt, die Rente, die Einkommensteuer und den Bürokratieabbau betrifft.