Studie

Fast 70 Prozent der Babyboomer wollen früher in Rente gehen

Arbeiten bis zum allerletzten Tag vor Erreichen der Altersgrenze? Mitnichten. «Unter den Babyboomern herrscht eine ausgeprägte Kultur des Frühausstiegs», hat eine neue Studie festgestellt.

In Deutschland gehen die Menschen laut Angaben der Deutschen Rentenversicherung im Schnitt im Alter von 64,4 Jahren in Rente. Foto: Stephan Scheuer/dpa
In Deutschland gehen die Menschen laut Angaben der Deutschen Rentenversicherung im Schnitt im Alter von 64,4 Jahren in Rente.

Berlin/Wuppertal (dpa) - Knapp 70 Prozent der Babyboomer wollen einer Studie zufolge vorzeitig in Rente gehen. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Erhebung der Bergischen Universität Wuppertal unter knapp 9000 Menschen der geburtenstarken Jahrgänge in Deutschland, die dem ARD-Magazin «Panorama» vorab vorliegt. Demnach wollen 68 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer spätestens mit 64 Jahren in den Ruhestand gehen.

Newsletter

Holen Sie sich den WNOZ-Newsletter und verpassen Sie keine Nachrichten aus Ihrer Region und aller Welt.

Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

Befragt wurden Menschen, die zu den Zeiten steigender Geburtenraten nach dem Zweiten Weltkrieg in den Jahren 1959, 1965 und 1971 auf die Welt kamen. Unter den jüngeren sogenannten Babyboomern aus dem Jahrgang 1965 wollen nur rund 33 Prozent bis 64 arbeiten, wie «Panorama» meldete. Unter den 1959 Geborenen seien es 69 Prozent. Auch zwischen einzelnen Berufsgruppen gibt es demnach Unterschiede.

Wunsch nach mehr Freizeit

Als Grund führte eine große Mehrheit der Teilnehmer in allen Jahrgängen an, mehr freie Zeit haben zu wollen, wie es in einer Broschüre zur Studie heißt. Knapp zwei Drittel gaben als Grund für einen früheren Arbeitsausstieg an, irgendwann müsse Schluss sein. Für die Hälfte war es ausschlaggebend, dass zu diesem Zeitpunkt eine «ausreichende finanzielle Absicherung erreicht» ist.

Die Altersgrenze für Menschen, die ohne Abschläge in Rente gehen wollen, steigt bis 2031 schrittweise von 65 auf 67 Jahre. Ab 2024 wird die Grenze beginnend mit dem Jahrgang 1959 in 2-Monats-Schritten angehoben. Versicherte ab Jahrgang 1964 müssen dann regulär bis 67 Jahre arbeiten.

Studie: Früher Erwerbsausstieg die Norm

«Unser Hauptbefund ist, dass unter den Babyboomern eine ausgeprägte Kultur des Frühausstiegs herrscht», sagte Studienleiter Hans-Martin Hasselhorn von der Universität Wuppertal dem ARD-Magazin. Der frühe Erwerbsausstieg sei die Norm. «Viele Personen, die 63, 64 oder 65 Jahre alt sind und noch in Arbeit stehen, kennen es, dass man sie ganz erstaunt fragt: 'Was, du arbeitest noch?», sagte Hasselhorn. Die gesamte Studie soll im Herbst 2023 veröffentlicht werden.

In Deutschland gehen die Menschen laut Angaben der DRV im Schnitt im Alter von 64,4 Jahren in Rente. Das durchschnittliche Alter stieg 2022 auf diesen Wert. 2021 waren es noch 64,1 Jahre. Grund für den Anstieg sei vor allem eine Anhebung der Altersgrenze bei der ursprünglichen «Rente mit 63». Diese Regelung war von der damaligen schwarz-roten Bundesregierung eingeführt worden und zielt auf «besonders langjährig Versicherte», die mindestens 45 Jahre Beiträge eingezahlt haben. Vor 1953 Geborene konnten ohne Abschläge mit 63 in Rente gehen.