Integration von Ukrainern in den Arbeitsmarkt kommt voran
Vor knapp vier Jahren begann Russlands Angriff auf die Ukraine. Der Krieg löste eine Fluchtbewegung aus, auch nach Deutschland. Allmählich steigt die Zahl der erwerbstätigen Geflüchteten.
Berlin (dpa) - Von den in den ersten sechs Kriegsmonaten nach Deutschland geflüchteten Ukrainern im erwerbsfähigen Alter hat dreieinhalb Jahre später die Hälfte einen Job gefunden. Das geht aus einer aktuellen Analyse des Forschungsinstituts der Bundesagentur für Arbeit und des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) hervor.
Damit ist die Beschäftigungsquote der Ukrainerinnen und Ukrainer zwar immer noch deutlich niedriger als die der Gesamtbevölkerung im erwerbsfähigen Alter – die lag im Juni vergangenen Jahres bei rund 68 Prozent. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass aufgrund der Ausreisebeschränkungen für wehrpflichtige Männer unter den Geflüchteten viele Frauen sind, die sich alleine um ihre minderjährigen Kinder kümmern müssen.
Suche nach einem Kita-Platz
Im September 2025 waren den Angaben zufolge lediglich 21 Prozent der Ukrainerinnen mit Kleinkindern unter drei Jahren und ohne Partner abhängig beschäftigt.
Ein weiterer Faktor, der Geflüchteten aus der Ukraine die Arbeitsaufnahme erschwert, sind traumatische Kriegserlebnisse. «Viele geflüchtete Menschen kämpfen mit psychischen Problemen», berichtet Yuliya Erner, Leiterin des Förderprogramms «Fast-Track für ein Leben in Deutschland» der Deutschlandstiftung Integration. Dies wirke sich stark darauf aus, wann ukrainische Frauen im Arbeitsleben ankommen, sagt Erner, die mit ihrem Team junge Ukrainerinnen und Ukrainer begleitet.
Keine aktuellen Zahlen erhält die Analyse zur Zahl der Selbstständigen unter den Geflüchteten aus der Ukraine. Sie lag den Angaben zufolge im Jahr 2023 bei etwa 5,3 Prozent.
Viele sind «Aufstocker»
Da vor allem Frauen aus der Ukraine häufig in Teilzeit beschäftigt sind, ist der Anteil der Ukraine-Flüchtlinge, die staatliche Leistungen beziehen, weiterhin hoch. Wie aus den Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorgeht, lebten 41 Prozent der ukrainischen Geflüchteten mit Job zwei Jahre und neun Monate nach ihrer Ankunft in Deutschland in einem Haushalt, der zusätzlich Leistungen erhielt. Besonders hoch sei der ergänzende Leistungsbezug in Familien mit Kindern, heißt es in der Analyse, für die Daten einer Befragung mit Sozialversicherungsdaten verknüpft wurden.
Schneller im Job als andere Flüchtlinge
Den Angaben zufolge ist das Tempo, mit dem Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in Arbeit gekommen sind, höher als bei früheren Fluchtbewegungen, wo eine Beschäftigungsquote von 50 Prozent erst rund zweieinhalb Jahre später erreicht worden sei. Das mag mit dem relativ hohen Bildungsniveau der Ukraine-Flüchtlinge zusammenhängen, sowie damit, dass sie kein Asylverfahren durchlaufen müssen und sofort arbeiten dürfen.
Vorübergehender Schutz für Ukraine-Flüchtlinge
Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine finden in der Europäischen Union nach der sogenannten Massenzustromrichtlinie Aufnahme. Wie das Bundesinnenministerium auf Nachfrage mitteilt, hielten sich zum Stichtag 7. Februar laut Ausländerzentralregister knapp 1,16 Millionen Menschen in Deutschland auf, die im Kontext des Krieges in der Ukraine seit dem 24. Februar 2022 nach Deutschland eingereist waren und denen auf Basis dieser EU-Richtlinie vorübergehender Schutz gewährt wurde. Zuletzt ist sie im vergangenen Juli verlängert worden - bis zum 4. März 2027.
Plan: Zurück zu Asylbewerberleistungen
In den ersten Wochen des Krieges hatten nach Deutschland geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer die gleichen Leistungen erhalten wie Asylbewerber. Im Mai 2022 entschied der Bundestag, ihnen Zugang zum Bürgergeld zu gewähren, wenn sie ihren Lebensunterhalt durch Einkommen und Vermögen nicht selbst decken können. Als Grund für diese Entscheidung wurde damals der damit verbundene schnellere Zugang zu Maßnahmen zur Integration in den Arbeitsmarkt genannt.
Union und SPD haben sich in ihrem Koalitionsvertrag darauf geeinigt, dass ukrainische Flüchtlinge, die nach dem 31. März 2025 nach Deutschland kommen, wieder die geringeren Asylbewerberleistungen erhalten sollen. Eine Sachverständigenanhörung zu einem entsprechenden Gesetzentwurf steht nächsten Montag im Bundestag an.
Streit um Integrationskurse
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat entschieden, die Finanzierung von Integrationskursen künftig auf Menschen mit langfristiger Bleibeperspektive zu konzentrieren. Integrationsexperten befürchten, dass sich dies negativ auf die Arbeitsmarktintegration von Ukrainerinnen und Ukrainern auswirken wird. Betroffen von den Kürzungen sind laut einem Bamf-Schreiben vor allem Asylbewerber, Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine, EU-Bürger und Menschen, die mit einer Duldung in Deutschland leben. Anders als bisher sollen Ausländer ohne gesetzlichen Anspruch nicht mehr zur kostenfreien Teilnahme an einem Kurs zugelassen werden, wenn freie Plätze vorhanden sind.