Ermittlungen gegen OB

Nach Hotel-Randale noch viele Fragen offen - OB schweigt

Nach einem Polizeieinsatz in Leipzig ist Freibergs Oberbürgermeister abgetaucht. Auch eine Sondersitzung des Stadtrates bringt nicht mehr Klarheit. Das Rathaus ist im Krisenmodus.

Nach Vorwürfen gegen Freibergs Oberbürgermeister Philipp Preißler (Freie Wähler) hat die Kommunalaufsicht ein Disziplinarverfahren eingeleitet. (Archivbild) Foto: Sebastian Willnow/dpa
Nach Vorwürfen gegen Freibergs Oberbürgermeister Philipp Preißler (Freie Wähler) hat die Kommunalaufsicht ein Disziplinarverfahren eingeleitet. (Archivbild)

Freiberg (dpa) - Nach einem Polizeieinsatz wegen ihres Oberbürgermeisters ringt die sächsische Stadt Freiberg um einen Umgang mit der Krise. Eine Sondersitzung des Stadtrates hat keine neuen Erkenntnisse zu dem Vorfall gebracht. Es könnten keine Details zu den Vorgängen in Leipzig und dem Ermittlungsverfahren genannt werden, sagte der Leiter der Kommunalaufsicht im Landratsamt, Conrad Wolowski. Bisher habe man keinen Kontakt zu Philipp Preißler. Und er sei trotz des Dienstverbots weiter Oberbürgermeister von Freiberg.

Rückblende: Am 6. August wurde die Polizei in Leipzig zu einem Hotel in der belebten Innenstadt gerufen. Am helllichten Tag randalierte dort ein Mann und warf Teile des Interieurs aus dem Fenster. Als die Polizei eingriff, verletzte er zwei Beamte. Daraufhin wurde der Mann zur medizinischen Behandlung ins Krankenhaus gebracht. Ermittelt wird nun wegen Sachbeschädigung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. 

Später wird bekannt: Bei dem Randalierer soll es sich um Freibergs Oberbürgermeister Philipp Preißler von den Freien Wählern handeln. Der ist seither abgetaucht.

Newsletter

Holen Sie sich den WNOZ-Newsletter und verpassen Sie keine Nachrichten aus Ihrer Region und aller Welt.

Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

Polizei schweigt zum Stand der Ermittlungen

Zum aktuellen Stand der Ermittlungen sagt die Polizei auf Anfrage nichts - auch nicht, ob die angeordnete Blutprobe ergeben hat, ob der Randalierer bei dem Vorfall unter Einfluss von Alkohol oder Drogen stand. Preißler selbst hat sich bislang nicht zu dem Vorfall geäußert. 

Der 41-Jährige war zuvor Büroleiter von Oberbürgermeister Sven Krüger (parteilos). Als der an die Spitze des Landratsamtes wechselte, ergriff Preißler selbst die Chance auf den Chefsessel im Rathaus. Vergangenen Herbst entschied er als Kandidat der Freien Wähler die Wahl in der zweiten Runde mit knapp 46 Prozent der Stimmen für sich. Doch bis zum Amtsantritt musste er sich wegen einer Anfechtung der Wahl noch etliche Monate gedulden. 

Das Stadtwappen von Freiberg. Die Stadt mit mehr als 40.000 Einwohnern hat eine lange Bergbautradition. (Symbolbild) Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Das Stadtwappen von Freiberg. Die Stadt mit mehr als 40.000 Einwohnern hat eine lange Bergbautradition. (Symbolbild)

Auf den Amtsantritt folgt der Absturz

Dazu kam es erst Ende Juni. Im Rathaus selbst war er dann aber nur wenige Tage. Seinen bisher letzten Arbeitstag hatte er nach Angaben der Stadt am 10. Juli. Er habe die Stadtverwaltung dann informiert, dass er aus persönlichen Gründen seinen Jahresurlaub vorziehen müsse, hieß es.

Nach dem Vorfall in Leipzig ermittelt nicht nur die Polizei. Die Kommunalaufsicht hat ein Disziplinarverfahren eröffnet. «Es ist ein neutrales Verfahren, in dem be- und entlastende Tatsachen ermittelt werden», hatte das Landratsamt des Kreises Mittelsachsen zu Wochenbeginn betont. Zuvor hatte Landrat Krüger Preißler bereits verboten, seinen Dienst auszuüben. Erst einmal führt nun Bürgermeister Martin Seltmann (parteilos) die Amtsgeschäfte. 

Führt vorübergehend die Amtsgeschäfte des Oberbürgermeisters: Bürgermeister Martin Seltmann (parteilos). Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Führt vorübergehend die Amtsgeschäfte des Oberbürgermeisters: Bürgermeister Martin Seltmann (parteilos).

Preißler ist nicht der erste Stadtchef in Sachsen, der durch eigenes Fehlverhalten kurz nach Amtsantritt ins Visier von Ermittlern gerät. So hatte Glauchaus Oberbürgermeister Marcus Steinhart (CDU) Ende August 2022 einen Mitschüler seines Sohnes geschlagen. Er hatte den Vorwurf eingeräumt und bedauert. Auch gegen ihn hatte das Landratsamt Zwickau ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Ein Gericht verurteilte Steinhart später rechtskräftig wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Bedrohung zu einer Geldstrafe. Mit dem Urteil von 70 Tagessätzen zu jeweils 150 Euro gilt er aber weiter nicht als vorbestraft. Sein Amt als Chef im Glauchauer Rathaus hat er behalten.