Diplomatie

Baerbock und Heil werben im Amazonas für Stopp der Abholzung

Die Klimakrise steht für die Außenministerin und den Arbeitsminister in Nordbrasilien im Mittelpunkt. Schon 20 Prozent der ursprünglichen Fläche des Amazonas-Gebiets sind laut WWF zerstört.

Außenministerin Annalena Baerbock und Arbeitsminister Hubertus Heil mit Kakaofrüchten, während sie sich im Regenwald auf der Insel Combu (Ilha do Combu) bei Belem in Brasilien mit weiblichen Vertretern von örtlichen Kakao-Kooperativen und Frauenorganisationen treffen. Foto: Annette Riedl/dpa
Außenministerin Annalena Baerbock und Arbeitsminister Hubertus Heil mit Kakaofrüchten, während sie sich im Regenwald auf der Insel Combu (Ilha do Combu) bei Belem in Brasilien mit weiblichen Vertretern von örtlichen Kakao-Kooperativen und Frauenorganisationen treffen.

Belém/Combu (dpa) - Außenministerin Annalena Baerbock und Arbeitsminister Hubertus Heil haben im Amazonasgebiet um internationale Unterstützung im Kampf gegen Abholzung und für eine nachhaltige Entwicklung der Region geworben. «Wir haben bereits für den Amazonienfonds in der Vergangenheit Millionen eingezahlt. Diese Reise dient auch dazu, weitere Millionen dafür zur Verfügung zu stellen», sagte die Grünen-Politikerin am Mittwoch. Zuvor hatte sie sich gemeinsam mit ihrem SPD-Kollegen auf der Insel Combu bei der nordbrasilianischen Stadt Belém (portugiesisch für: Bethlehem) mit weiblichen Vertretern von örtlichen Kakao-Kooperativen und Frauenorganisationen getroffen.

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Baerbock und Heil hatten auf der Insel mit Vertreterinnen und Vertretern von lokalen Initiativen eine Kakao-Kooperative besucht. Die Betreiberin einer Kakaomanufaktur, Dona Nena, sagte, auf der Insel würden bei einer guten Ernte etwa zwölf Tonnen Kakao im Jahr produziert, die von den Kakao-Bauern und Kooperativen teils auf dem Markt in Belém verkauft würden. Zudem wird auf Combu Bienenzucht betrieben, man versucht, auch nachhaltigen Tourismus zu etablieren.

Am Abend (Ortszeit) wollte die Außenministerin nach Kolumbien weiterreisen. Heil will sich an diesem Donnerstag von Belém aus auf den Weg zurück nach Deutschland machen.

Grüne Lunge der Welt

Der Amazonas gilt als Lunge der Welt und hat eine wichtige Funktion im internationalen Kampf gegen den Klimawandel. Er ist verteilt auf neun Staaten Südamerikas, Brasilien hat den größten Anteil daran. Der größte Regenwald der Welt mit einer Fläche von etwa sieben Millionen Quadratkilometern bindet laut Naturschutzorganisation WWF zwölf Prozent des Süßwassers der Erde und ist Heimat für zehn Prozent aller Arten auf der Welt. Der WWF rechnet vor, dass schon rund 20 Prozent der ursprünglichen Fläche zerstört seien. Bei 25 Prozent könnte - so die Einschätzung von Wissenschaftlern - ein Kipppunkt erreicht werden, von dem an sich das Ökosystem nicht mehr regenerieren kann.

Baerbock und Heil werben um internationale Unterstützung

«Diese Reise dient auch dazu, weitere Millionen dafür zur Verfügung zu stellen», sagte Baerbock. «Und wir appellieren damit an andere große Staaten an dieser Welt, es uns gleich zu tun.» Deutschland hat bereits 55 Millionen Euro in den Amazonas-Fonds eingezahlt. Weitere 35 Millionen Euro sind zugesagt.

In Deutschland komme gerade bei Haushaltsverhandlungen die Frage, warum man als viertgrößte Volkswirtschaft der Welt zweitgrößter internationaler Geber sei, sagte Baerbock. Ihre Antwort: «Weil es auch eine Frage der Sicherheit für uns ist. Wenn Lieferketten wie hier zum Beispiel mit Südamerika nicht funktionieren, dann füllen andere die Lücke, wie zum Beispiel die Chinesen, die sich nicht um soziale oder Klimastandards kümmern.»

Baerbock: Nicht Ausbeutung, sondern Wertschöpfung vor Ort

Gebraucht würden mehr Rohstoffe, sagte Baerbock. Man wolle angesichts der Abhängigkeit von China diversifizieren. Dafür brauche man Vertrauen bei den Partnern vor Ort. «Sie müssen sich darauf verlassen können, dass wir es eben anders machen. Nicht Ausbeutung, sondern Wertschöpfung vor Ort sicherstellen», sagte die Grünen-Politikerin. «Deswegen ist eben diese Zusammenarbeit hier eine starke auch wirtschafts- und sicherheitspolitische Frage.»

Heil sagte, Deutschland habe Interesse an freiem Handel. «Aber wir müssen dafür sorgen, dass es ein fairer Handel ist.» Das gelte auch für ökologische Standards, «weil es nur ein Weltklima gibt» und weil das Amazonasgebiet «eine Lunge der Welt ist, die wir brauchen zum Atmen für uns und unsere Kinder». Die Menschen müssten zu fairen Arbeits- und Lohnbedingungen arbeiten können.

Legales Tropenholz aus nachhaltiger Bewirtschaftung

In der Stadt Belém schauten sich Baerbock und Heil die Arbeit in einem holzverarbeitenden Betrieb an. Das Unternehmen verarbeitet und exportiert legal rückverfolgbares Tropenholz aus der Amazonasregion, das unter anderem aus den von der Bundesregierung geförderten brasilianischen Nationalwäldern stammt.

Umweltkontrollbehörde überwacht Entwaldung und Aufforstung

Später informierten sich beide in Belém über die Arbeit der Umweltkontrollbehörde. Dort wird unter anderem die Entwaldung des Amazonasgebietes überwacht und eine Ersatzaufforstung geplant. Der tropische Regenwald wird dabei mit Hilfe von Satelliten und Radarbildern beobachtet.

Belém liegt südlich der in der Amazonas-Mündung gelegenen größten Flussinsel der Welt und an der Mündung des Rio Guamá. Die Stadt ist mit etwa 1,5 Millionen Einwohnern und etwa 2,5 Millionen in der Metropolregion nach Manaus die größte und wichtigste Stadt des brasilianischen Amazonasgebietes. Brasiliens Regierung wirbt für Belém als Austragungsort der Weltklimakonferenz COP30 im Jahr 2025.

Amazonasgebiet wichtiger CO2-Speicher

Das brasilianische Amazonasgebiet gilt als wichtiger CO2-Speicher. Während der Amtszeit des rechten Präsidenten Jair Bolsonaro (2019 - 2022) nahmen Abholzungen und Brandrodungen stark zu. Der neue Präsident Luiz Inácio Lula da Silva galt in seinen früheren beiden Amtszeiten (Anfang 2003 - Ende 2010) zwar auch nicht gerade als Grüner. Nun hat er aber versprochen, den Umwelt- und Klimaschutz zu stärken. So ging die Polizei zuletzt mit einem Großeinsatz gegen illegale Goldsucher vor.