Nahost

Gedämpfte Hoffnungen auf Waffenruhe im Gaza-Krieg

Nach monatelangem Hin und Her gibt es Hoffnung auf eine Einigung über eine Waffenruhe im Gaza-Krieg. Doch noch lässt ein Durchbruch auf sich warten. Die News im Überblick.

Ein Palästinenser mit seinen Habseligkeiten bei der Rückkehr nach Chan Junis. Foto: Mohammed Talatene/dpa
Ein Palästinenser mit seinen Habseligkeiten bei der Rückkehr nach Chan Junis.

Tel Aviv/Gaza/Kairo (dpa) - Neue Verhandlungen über eine Waffenruhe im Gaza-Krieg haben noch nicht den erhofften Durchbruch gebracht. Indirekte Gespräche der Kriegsparteien in Kairo sollen nach Darstellung der islamistischen Hamas ohne Fortschritte unterbrochen worden sein. Vertreter der Terrororganisation hätten Kairo für Beratungen mit ihrer Spitze verlassen.

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Kurz zuvor hatte es noch aus ägyptischen Sicherheitskreisen geheißen, dass bei den am Sonntag neu angelaufenen Verhandlungen «leichte Fortschritte» erzielt worden seien. Ob eine Einigung bis zum Ende des Ramadans gelingt, ist unklar. Der Fastenmonat endet voraussichtlich am Mittwoch. Offizielle Angaben zum Verhandlungsstand gibt es bisher nicht.

Derweil steht laut dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu der Termin für die Offensive in Rafah im Gazastreifen fest.

Widersprüchliche Berichte über Verhandlungen

Der israelische Oppositionsführer Jair Lapid sagte dem israelischen Rundfunk, eine Abmachung liege auf dem Tisch und müsse vereinbart werden. «Wir müssen Druck auf diese (israelische) Regierung ausüben, den Deal abzuschließen», so Lapid. Es wird ein Deal sein, den wir nicht mögen, aber wir müssen ihn machen, weil wir sie nach Hause bringen müssen», sagte er mit Blick auf die in der Gewalt der Hamas verbleibenden Geiseln. Lapid hält sich gegenwärtig zu Gesprächen in den USA auf.

Der staatsnahe ägyptische Fernsehsender Al-Kahira News hatte zuvor unter Berufung auf eine ranghohe ägyptische Quelle berichtet, dass es eine Einigung über die grundlegenden Punkte zwischen allen beteiligten Parteien gebe. Eine weitere Verhandlungsrunde wird demnach stattfinden, nachdem sich die einzelnen Parteien mit ihren Anführern zu den bisherigen Ergebnissen besprochen haben. Da Israel und die Hamas nicht direkt miteinander reden, treten die USA, Katar und Ägypten als Vermittler auf.

Nach Angaben aus den USA hängt der Deal nun an der Hamas. Am Ende des Wochenendes sei der Hamas ein Vorschlag unterbreitet worden, und nun sei es an der Hamas, diesen anzunehmen, sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates der US-Regierung, John Kirby.

Rechtsextreme Partner erhöhen Druck auf Netanjahu

Unterdessen wächst der Druck auf Israel Regierungschef Benjamin Netanjahu auch im eigenen Land weiter. Nach dem Rückzug israelischer Truppen aus dem Süden des Gazastreifens schrieb Netanjahus rechtsextremer Koalitionspartner Itamar Ben-Gvir auf der Plattform X: «Wenn der Ministerpräsident entscheiden sollte, den Krieg zu beenden, ohne einen breiten Angriff auf Rafah, um die Hamas entscheidend zu schlagen, wird er kein Mandat haben, weiter als Regierungschef zu amtieren.»

Am Sonntag war die Armee überraschend aus der umkämpften Stadt Chan Junis im Süden des Küstengebiets abgezogen. Unklar ist jedoch, ob der Abzug möglicherweise in Verbindung mit den Verhandlungen in Kairo über eine Waffenruhe stehen könnte oder etwa mit einer möglichen Militäroffensive in Rafah im südlichen Gazastreifen. Laut Netanjahu soll es bereits einen Termin für den Beginn einer Offensive in Rafah geben. «Das wird geschehen, es gibt ein Datum», teilte er am Montagabend mit.

Die USA und Deutschland haben Israel wiederholt vor einer großangelegten Bodenoffensive in Rafah gewarnt. US-Präsident Joe Biden hatte Netanjahu klargemacht, dass ein Einmarsch dort ohne vorherige Evakuierung der Zivilisten eine «rote Linie» für ihn wäre. Vertreter beider Länder wollen nach Angaben Kirbys voraussichtlich in der kommenden Woche bei einem persönlichen Treffen über die geplante Bodenoffensive beraten.

Welternährungsprogramm drängt auf weitere Grenzöffnung

Das Welternährungsprogramm (WFP) forderte von Israel eine rasche Abfertigung von Hilfsgütern an den Grenzübergängen von Israel zum Gazastreifen. Die dort wartende Hilfe umfasst WFP-Angaben zufolge Lieferungen, die für mehr als eine Million Menschen drei Monate lang reichen sollen. Die Hilfe müsse bloß noch in den Gazastreifen gebracht werden, um den Hunger gerade unter jüngeren Kindern mit geeigneten Lebensmitteln lindern zu können, sagte Cindy McCain, die Direktorin des WFP, dem US-Sender CNN.

Am Freitag hatte Israel angekündigt, neben Erez auch den Hafen Aschdod für Hilfstransporte öffnen zu wollen, um die Versorgungslage im Norden des Gazastreifens zu verbessern. Bislang wurde die Ankündigung nicht umgesetzt. Eine Sprecherin der zuständigen israelischen Cogat-Behörde sagte: «Was den Erez-Übergang betrifft, werden die Details in der Zukunft mitgeteilt.» Der Übergang, der bis zum Gaza-Krieg dem Personenverkehr diente, war bei dem Terrorangriff der Hamas schwer beschädigt worden und ist seither geschlossen.

Am Sonntag gab Cogat an, dass die höchste Zahl an Lastwagen seit Kriegsbeginn abgefertigt worden sein soll. Demnach sollen 322 Lastwagen mit Hilfsgütern in das Küstengebiet gebracht worden sein. Ein Sprecher des US-Außenministeriums in Washington sprach am Montag von 304 Lastwagen, die am Vortag in den Gazastreifen gelangt seien. In New York erklärte hingegen UN-Sprecher Stéphane Dujarric unter Berufung auf das Palästinenserhilfswerk UNRWA, am Sonntag seien nur 103 Lastwagen mit Hilfsgütern in den Gazastreifen gelangt. Das sei in etwa die gleiche Zahl wie zuletzt, es gebe also seit Israels Ankündigung von Freitag «noch keinen Anstieg». Unabhängig sind die Angaben bisher nicht zu überprüfen.

Seit dem Angriff der Hamas auf Israels Grenzgebiete vom 7. Oktober mit mehr als 1200 Toten geht das israelische Militär nach eigenen Angaben gegen militärische Ziele der Hamas vor. Wegen der hohen Opferzahlen unter der palästinensischen Zivilbevölkerung sowie einer nicht ausreichenden Versorgung mit Nahrungsmitteln steht Israel international stark in der Kritik.