Großbritannien

London: «Abscheulicher Angriff» auf jüdischen Rettungsdienst

In einem Londoner Vorort brennen nachts Rettungswagen. Mehrere Häuser werden geräumt. Die Polizei geht von einem antisemitischen Hassverbrechen aus.

Ein Brandanschlag auf den Rettungsdienst einer jüdischen Gemeinde versetzt London in einen Schockzustand. Foto: Pa/PA Wire/dpa
Ein Brandanschlag auf den Rettungsdienst einer jüdischen Gemeinde versetzt London in einen Schockzustand.

London (dpa) - Am Morgen nach dem «schrecklichen antisemitischen Angriff» stand die Weltmetropole London unter Schock. «Es ist wirklich wichtig, dass wir in einem Moment wie diesem alle zusammenhalten», sagte Premierminister Keir Starmer. Überwachungsvideos zufolge hatten mindestens drei Unbekannte in der Nacht vier Krankenwagen des Rettungsdienstes der jüdischen Gemeinde in Golders Green in Brand gesetzt.

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Bilder und Videos vom Tatort zeigen die ausgebrannten Reste der Einsatzfahrzeuge auf dem kleinen Parkplatz mitten in einem Wohngebiet. Der Rettungsdienst Hatzola wird von Freiwilligen betrieben und bietet kostenlose Krankentransporte und Notfallhilfe an. Die Polizei teilte mit, der Vorfall werde als antisemitisches Hassverbrechen behandelt. Festnahmen gab es zunächst keine, verletzt wurde niemand.

Als terroristischer Vorfall werde die Tat zum jetzigen Zeitpunkt nicht eingestuft, teilte ein Sprecher am Mittag mit, dennoch werde der Einsatz nun von der Einheit für Terrorismusbekämpfung geleitet. «Mit all der speziellen Expertise, die sie mitbringt, und alle Ermittlungsansätze bleiben offen», sagte der Sprecher. Geprüft werde ein mutmaßliches Geständnis einer Gruppe im Internet. 

Premierminister Starmer rief Zeugen auf, sich bei der Polizei zu melden. Oberrabbiner Ephraim Mirvis bezeichnete die Tat laut Sky News als «besonders abscheulichen Angriff - nicht nur auf die jüdische Gemeinschaft, sondern auf die Werte, die wir als Gesellschaft teilen». Die Aufgabe des Rettungsdienstes sei, Leben zu schützen.

Verletzte wurde zunächst nicht gemeldet. Foto: Jonathan Brady/PA Wire/dpa
Verletzte wurde zunächst nicht gemeldet.

Laute Explosionen durch Gasflaschen

Die Nachrichtenagentur PA berichtete, auf den Videos von Überwachungskameras der Umgebung sei zu sehen, wie drei Personen einen Krankenwagen in Brand setzten. Der Feuerwehr zufolge waren mehrere Gasflaschen in den Fahrzeugen explodiert und dadurch in einem benachbarten Wohnblock Fenster zerbrochen. 

Bei dem nächtlichen Einsatz waren den Angaben zufolge 40 Feuerwehrleute vor Ort. Auch die Polizei erklärte, es werde davon ausgegangen, dass die Explosionen durch die Gasflaschen verursacht worden seien. 

Die BBC zitierte den Vater einer Anwohnerin. «Sie hat die Feuerwehr gerufen, sie hatte große Angst», sagte er. Dass es zu einem solchen Vorfall mit etwas gekommen sei, das dazu da ist, Leben zu retten, sei «bezeichnend und schockierend».

Superintendent Sarah Jackson von der Londoner Polizei teilte mit, im Moment werde das Material von Überwachungskameras ausgewertet. Zudem wüssten die Beamten von Online-Videos. «Wir sind uns bewusst, dass dies in der örtlichen Bevölkerung große Besorgnis auslösen wird», sagte sie. In der Gegend sollen zusätzliche Streifen eingesetzt werden.

Immer wieder antisemitische Verbrechen

Verbrechen mit antisemitischem Hintergrund sorgen in Großbritannien immer wieder für Aufsehen. Im vergangenen Herbst, am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, hatte ein Angreifer bei einem Anschlag vor einer Synagoge in Manchester zwei Menschen getötet. Der 35-jährige britische Mann syrischer Abstammung wurde von der Polizei erschossen. Ein Bericht der NGO Community Security Trust zeigte zuletzt für 2025 landesweit 3.700 Fälle von antijüdischem Hass auf.

Immer wieder kommt es in Großbritannien zu antisemitischen Verbrechen. Foto: Alberto Pezzali/AP/dpa
Immer wieder kommt es in Großbritannien zu antisemitischen Verbrechen.

Antisemitismus habe «keinen Platz in unserer Gesellschaft», sagte Starmer nach dem Brandanschlag, den er als «schrecklichen antisemitischen Angriff» bezeichnete. Seine Gedanken seien bei den Menschen in der Umgebung, bei den Anwohnern, «die verständlicherweise sehr besorgt sind, und bei der jüdischen Gemeinschaft im ganzen Land, die zutiefst beunruhigt ist».

Die neue Erzbischöfin von Canterbury, Sarah Mullally, bezeichnete die Tat als «entsetzlich». Ihre Gebete seien bei der jüdischen Gemeinde. «Solche Akte der Gewalt, des Hasses und der Einschüchterung haben in unserer Gesellschaft keinen Platz», sagte sie.