Umwelt

Schwierige Öl-Bergung vor Jemen: Katastrophe abgewendet

Seit Jahren verrottete auf dem Roten Meer ein Öltanker mit explosiver Ladung. Es drohte eine verheerenden Umweltkatastrophe, sollte das Öl auslaufen. Jetzt kann aufgeatmet werden.

Blick auf den maroden Öltanker «FSO Safer» im Roten Meer vor der Küste Jemens. Foto: Stringer/dpa
Blick auf den maroden Öltanker «FSO Safer» im Roten Meer vor der Küste Jemens.

Sanaa/Genf (dpa) - Im Roten Meer ist unter Leitung der Vereinten Nationen eine beispiellose Umweltkatastrophe abgewendet worden. Mit einem hochgefährlichen Einsatz ist es gelungen, von dem schrottreifen Tanker «FSO Safer» die gesamte Ladung von mehr als einer Million Barrel Öl abzupumpen, wie das UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) am Freitag mitteilte.

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Das 47 Jahre alte Schiff liegt vor der Küste des Bürgerkriegslandes Jemen. Es wurde seit Jahren nicht mehr gewartet. Es drohte auseinanderzubrechen oder zu explodieren. «Wir haben eine tickende Zeitbombe entschärft», sagte UNDP-Chef Achim Steiner der Deutschen Presse-Agentur.

Baerbock: «Rettungsaktion hat gezeigt was möglich ist»

US-Außenminister Antony Blinken und der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake, Sullivan, begrüßten die geglückte Aktion. Damit sei eine Ölpest verhindert worden, «die große ökologische, wirtschaftliche und humanitäre Schäden verursacht hätte», so Sullivan.

Auch ein Sprecher der Vereinten Nationen in New York erklärte im Namen von UN-Generalsekretär António Guterres: «Damit wurde eine möglicherweise monumentale Katastrophe für Umwelt und Menschen abgewendet.» Außenministerin Annalena Baerbock erklärte: «Die Rettungsaktion vor Jemens Küste unter Leitung der Vereinten Nationen hat gezeigt was möglich ist, wenn die internationale Gemeinschaft gemeinsam anpackt.»

Trotz des Etappensiegs braucht das UNDP dringend Geld für eine saubere Verschrottung des Tankers. Steiner kritisiert die bislang wenig spendable Öl- und Gasindustrie scharf. «Dass Öl- und und Gasgesellschaften, die ein Rekordjahr mit Gewinnen in Milliardenhöhe hinter sich haben, sich nicht in der Lage sehen, sich zu beteiligen, ist peinlich und schwer nachzuvollziehen», sagte Steiner der dpa. Er habe die Chefs von mehreren Firmen nun angeschrieben und um Unterstützung gebeten. Das UNDP habe schon Vorschüsse leisten müssen und dafür Geld aus Töpfen nehmen müssen, das nun nicht mehr für humanitäre Projekte zur Verfügung stehe.

Deutschland einer der größten Spender

Die gesamte Aktion inklusive Verschrottung der 350 Meter langen «Safer» kostet etwa 143 Millionen Dollar (rund 130 Millionen Euro). Dem UNDP fehlen rund 20 Millionen Dollar. Deutschland gehört mit gut zwölf Millionen Dollar zu den größten Spendern für die Aktion.

«Mit dem Abschluss des Umpumpens ist eine der größten drohenden ökologischen Katastrophen vermieden worden», sagte Steiner. Ein Unglück auf der «Safer» hätte jahrzehntelange Folgen gehabt. Das Schiff wäre zu einem Symbol für verheerende Umweltschäden geworden wie einst die «Exxon Valdez». Der Tanker war 1989 vor Alaska auf Grund gelaufen. Die daraus resultierende Ölpest gilt bis heute als größte Umweltkatastrophe der internationalen Schifffahrt. «Durch das, was wir in den letzten Wochen geschafft haben, wird sich in einigen Monaten Gott sei Dank niemand mehr an den Namen «Safer» erinnern.»

Das Öl befindet sich nun auf dem Tanker «Yemen» (nach der englischen Schreibweise des Bürgerkriegslandes). Das UNDP hatte ihn eigens für die Aktion gekauft. Auf der «Safer» müssen jetzt mit Meerwasser die Tanks gesäubert werden. Das Wasser wird auch auf der «Yemen» gelagert. Verträge darüber, wo die «Safer» anschließend verschrottet wird, stehen nach Angaben Steiners kurz vor dem Abschluss.

Öl-Erlös soll für humanitäre Hilfe verwendet werden

Die «Yemen» bleibt in jemenitischen Gewässern. Beide Seiten des Konflikts hätten im Prinzip zugestimmt, dass das Öl verkauft wird und der Erlös den Menschen zugute kommt, so das UNDP. Die Situation im Land gilt als eine der größten humanitären Katastrophen der Welt. Der Bürgerkrieg begann 2014, als Huthi-Rebellen große Teile des Landes überrannten. Er ist bis heute ungelöst. Mehr als drei Viertel der gut 30 Millionen Einwohner sind auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Vorstellbar wäre aus UN-Sicht, dass der Erlös aus dem Verkauf des Öls in einen Sonderfonds unter UN-Aufsicht fließt. Der Fonds könnte das Geld nach vorher von allen Seiten vereinbarten Prinzipien verteilen. Verhandlungen über die Modalitäten des Ölverkaufs stehen noch aus. Das UNDP behält bis Ende des Jahres die Aufsicht über die «Safer» und wird Spezialisten der staatlichen jemenitischen Ölgesellschaft für die Wartung des Tankers «Yemen» ausbilden.