Ukraine-Krieg

Russland will angeblich Beschuss eiskalten Kiews pausieren

In der Ukraine leiden Millionen unter den Strom- und Wärmenetzausfällen wegen russischer Angriffe. Nun soll zumindest die Hauptstadt Kiew erst einmal verschont werden - sagt US-Präsident Trump.

In diesen Zelten sollen sich Kiewer aufwärmen, deren Häuser ohne Heizung sind. Foto: Dan Bashakov/AP/dpa
In diesen Zelten sollen sich Kiewer aufwärmen, deren Häuser ohne Heizung sind.

Washington/Kiew (dpa) - Für die im vierten Kriegswinter schwer in Mitleidenschaft gezogene Ukraine gibt es nach Angaben von US-Präsident Donald Trump Hoffnung auf eine begrenzte Waffenruhe. Kremlchef Wladimir Putin habe bei einem Telefonat seiner Bitte nach einer einwöchigen Pause der russischen Angriffe auf Kiew und andere ukrainische Städte zugestimmt, sagte Trump. Der Republikaner führte als Grund für seine Initiative bei Putin die extreme Kälte in der Ukraine an. Er habe deshalb persönlich nach der Angriffspause gefragt. 

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Offiziell gab es dafür aus Moskau zunächst keine Bestätigung. Aus Trumps Ausführungen während einer Kabinettsitzung in Washington ging nicht hervor, wann genau die angebliche Angriffspause beginnen soll. 

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bedankte sich bei Trump und schrieb auf der Plattform X, dies sei von Trump eine wichtige Erklärung über «die Möglichkeit, während dieser extremen Winterperiode für die Sicherheit in Kiew und anderen ukrainischen Städten zu sorgen». Die Stromversorgung sei eine Lebensgrundlage. Selenskyj schrieb weiter, dies sei bei den jüngsten Verhandlungen mit russischen und US-Vertretern in den Vereinigten Arabischen Emiraten besprochen worden. «Wir gehen davon aus, dass die Vereinbarungen umgesetzt werden.» Auch er nannte keinen Startzeitpunkt für eine mögliche Waffenruhe. 

Spekulationen um Waffenruhe mehren sich 

Trumps Aussagen kommen vor dem Hintergrund zunehmender Spekulationen über eine solche Waffenruhe. Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte Stunden vor Trumps Äußerungen Meldungen über eine bevorstehende Einigung zu einem Verzicht auf Schläge gegen Energieobjekte nicht kommentieren wollen.

Der bislang letzte Luftalarm in Kiew wurde in der Nacht zum Mittwoch ausgelöst. In der Nacht zum Donnerstag flogen die Drohnen bereits an der ukrainischen Hauptstadt vorbei, schlugen aber andernorts im Land ein.

Russische Militärblogger empört

Russische Militärblogger gaben sich bereits empört. Es gebe Informationen, dass den russischen Streitkräften bereits seit diesem Donnerstagmorgen (07.00 Uhr (Ortszeit)/05.00 Uhr MEZ) Schläge gegen Kiew und das Umland sowie gegen sämtliche Infrastrukturobjekte verboten worden seien, schrieb der Militärblogger Romanov Light. Er veröffentlichte mehrere Beiträge russischer Soldaten, die in dem Zusammenhang von «Verrat» sprachen.

Der vielgelesene und dem russischen Verteidigungsministerium nahestehende Blog Rybar spekulierte, dass eine mögliche Pause mit der bevorstehenden Verhandlungsrunde in Abu Dhabi zusammenhängen könnte, wo Russen und Ukrainer unter Vermittlung der USA über ein Ende des seit vier Jahren dauernden Kriegs sprechen. Zugleich hieß es bei Rybar, eine Waffenruhe aus humanitären Erwägungen, um die ukrainische Bevölkerung während des Frostes zu schützen, «sinnlos» sei. Schläge gegen das ohnehin geschwächte Energienetz des Nachbarlands seien «ein sehr guter Hebel» gegen Kiew, argumentierte der Blog.

Ukraine stark in Mitleidenschaft gezogen

Russland hat die Ukraine in diesem relativ strengen Winter mit schweren Angriffen aus der Luft überzogen. Das ohnehin stark geschwächte Strom- und Wärmenetz wurde weiter systematisch attackiert. So trafen zwei schwere Angriffe Kiew bereits in der ersten Januarhälfte. 

Nach erneutem Beschuss der Heizkraftwerke am Samstag waren etwa 6.000 Wohnblöcke und damit gut die Hälfte der Millionenstadt bei teils zweistelligen Minusgraden ohne Fernheizung. Inzwischen sind es «nur noch» etwa 450 Wohnblöcke.

Der Stromversorger musste zu Notabschaltungen greifen. Erst am Donnerstagmorgen wurden wieder planmäßige Stromsperren eingeführt, wodurch viele Kiewer zumindest wieder fünf bis acht Stunden Elektrizität täglich haben. 

Nach zwei Tagen mit leicht über null Grad werden für das Wochenende wieder starke Fröste mit zum Teil unter minus 20 Grad in der Nacht erwartet. Klitschko hatte die Einwohner bereits aufgefordert, wenn möglich, Kiew zumindest für kurze Zeit zu verlassen.

Der von Trump angekündigten Teilwaffenruhe trauen längst nicht alle in der Ukraine. Der Bürgermeister der Stadt Lwiw, Andrij Sadowyj, rief dazu auf, sich auf den Katastrophenfall vorzubereiten. Der Feind könne versuchen, gerade den starken Frost auszunutzen, um noch einmal gegen das Energienetz loszuschlagen, warnte er bei Telegram.