Ukraine-Krieg

Wagner-Chef droht Kreml mit Abzug aus Bachmut am 10. Mai

Seit Monaten kämpfen russische Söldner in der ostukrainischen Stadt Bachmut. Nun kündigt ihr Chef Jewgeni Prigoschin den Rückzug an - wegen fehlender Munition. Ist der Entschluss wirklich gefallen?

«Wenn ihr uns keine Granaten gebt, bringt ihr nicht uns um den Sieg, ihr bringt das russische Volk um den Sieg»: Jewgeni Prigoschin. Foto: AP/dpa
«Wenn ihr uns keine Granaten gebt, bringt ihr nicht uns um den Sieg, ihr bringt das russische Volk um den Sieg»: Jewgeni Prigoschin.

Moskau (dpa) - Nach Klagen über fehlende Munition hat der Chef der russischen Söldner-Truppe Wagner, Jewgeni Prigoschin, dem Kreml mit dem Abzug seiner Kämpfer aus der schwer umkämpften ukrainischen Stadt Bachmut in der kommenden Woche gedroht.

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«Ohne Munition werden meine Jungs keine unnötig hohen Verluste tragen. Darum ziehen wir uns ab dem 10. Mai 2023 aus der Ortschaft Bachmut zurück», sagte Prigoschin in einem Freitag auf seinem Telegram-Kanal veröffentlichten Video.

In Bachmut, um das die Russen seit Monaten in äußerst verlustreichen Gefechten kämpfen, sei von 45 Quadratkilometern bereits alles bis auf 2,5 Quadratkilometer erobert, behauptete Prigoschin. «Wenn ihr uns keine Granaten gebt, bringt ihr nicht uns um den Sieg, ihr bringt das russische Volk um den Sieg.» Zugleich schrieb er: «Wenn Russland in Gefahr sein wird, werden wir erneut zur Verteidigung kommen.»

Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte in einer ersten Reaktion lediglich: «Wir haben das natürlich in den Medien gesehen. Aber ich kann das nicht kommentieren, weil es den Verlauf der militärischen Spezialoperation betrifft.»

«Schoigu, Gerassimow, wo, verdammte Scheiße, ist die Munition?»

Nur wenige Stunden vor seiner Abzugs-Drohung hatte Prigoschin sich mit wüsten Beleidigungen an Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu und Generalstabschef Waleri Gerassimow gewandt und eine bessere Versorgung seiner Männer gefordert. «Schoigu, Gerassimow, wo, verdammte Scheiße, ist die Munition?», schrie er in einem ebenfalls auf Telegram veröffentlichten Video, das ihn vor Leichen angeblicher Wagner-Kämpfer zeigte.

Der Raum um die Stadt Bachmut, die vor dem Krieg gut 70.000 Einwohner zählt, ist seit Oktober schwer umkämpft. Unter hohen Verlusten haben die Wagner-Kämpfer die Ukrainer zuletzt immer weiter zurückgedrängt, Bachmut aber nicht vollständig erobern können. Ein Rückzug aus der inzwischen völlig zerstörten Stadt im ostukrainischen Gebiet Donezk wäre für Moskau zwar aus militärstrategischer Sicht keine allzu bedeutende Niederlage - aus symbolischer aber wohl umso mehr.

Wie viele Wagner-Söldner derzeit in Bachmut kämpfen, ist nicht bekannt. Russischen Militärbloggern zufolge sollen sie in der Stadt selbst aber fast alleine im Einsatz sein und nur an den Flanken von regulären Soldaten unterstützt werden. Laut ukrainischen Angaben sind auch russische Luftlandetruppen und eine Motorschützenbrigade bei Bachmut stationiert.