Tennis

«Mag dich nicht mehr» - Zverev verliert Finale gegen Sinner

Alexander Zverev steht als erster deutscher Mann seit 1995 im Wimbledon-Finale. Doch der Traum vom zweiten Grand-Slam-Triumph in seiner Karriere erfüllt sich nicht.

Das Wimbledon-Finale endete nicht so, wie es sich Zverev gewünscht hatte. Foto: Frank Molter/dpa
Das Wimbledon-Finale endete nicht so, wie es sich Zverev gewünscht hatte.

London (dpa) - Mit dem silbernen Teller des unterlegenen Finalisten in der Hand konnte Deutschlands bester Tennisspieler Alexander Zverev nach seiner Endspiel-Niederlage in Wimbledon schon wieder lächeln. Die Krönung seines starken Turniers hat der 29-Jährige aber verpasst. Der French-Open-Sieger verlor das Finale des prestigeträchtigen Rasenturniers im Südwesten Londons trotz eines eindrucksvollen Beginns gegen den italienischen Weltranglisten-Ersten Jannik Sinner nach 3:46 Stunden mit 7:6 (9:7), 6:7 (2:7), 3:6, 4:6.

«Jannik, ich mag dich nicht mehr wirklich», witzelte Zverev angesichts dessen, dass er dem Topstar nun zehnmal in Serie unterlegen war. An sein Team gerichtet sagte Zverev: «Wir hatten ziemlich gute zwei Monate - auch wenn wir dieses Finale verloren haben. Mit 29 Jahren habe ich zum ersten Mal gedacht, ich kann diese Trophäe gewinnen».

Die Hoffnungen auf den zweiten Grand-Slam-Titel nur fünf Wochen nach dem Premieren-Triumph in Paris und auf den ersten deutschen Wimbledon-Gewinner seit Michael Stich vor 35 Jahren erfüllten sich nicht.

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Sinner warnt vor Zverev als Konkurrent

«Du warst heute so nah dran. Wenn du so weiterspielst, bin ich sehr sicher, dass du diesen auch zu Hause haben wirst», würdigte Sinner mit Blick auf den goldenen Pokal in seinen Händen. «Ich weiß, eins deiner Ziele ist, Nummer eins der Welt zu werden. Du bist sehr nah dran. Wir müssen sehr vorsichtig sein.» Am Montag wird Zverev wieder auf Weltranglistenplatz zwei klettern. Er war in diesem Jahr erstmals in Wimbledon über das Achtelfinale hinausgekommen.

Sinner, der in den früheren Runden des Turniers verwundbar schien, triumphierte zum zweiten Mal nacheinander in London und holte seinen fünften Grand-Slam-Titel. «Er hat einmal mehr gezeigt, warum er der beste Spieler der Welt ist. Es war großartig, den Centre Court mit dir zu teilen am Finaltag. Unglücklicherweise ging es nicht für mich aus», sagte Zverev.

Zverev wäre dritter deutscher männlicher Sieger gewesen

Anerkennend hatte Zverev seinem Kontrahenten nach 3:46 Stunden Spielzeit auf die Brust geklopft. Dann saß die deutsche Nummer eins mit verschränkten Armen auf seinem Stuhl. In seinem fünften Grand-Slam-Finale musste sich Zverev zum vierten Mal geschlagen geben. Seine beste Wimbledon-Auflage reichte dem US-Open-Finalisten von 2020 somit nicht, um sich als erst dritter deutscher männlicher Tennisspieler in den Siegerlisten zu verewigen. Nur Boris Becker (1985, 1986, 1989) und Michael Stich (1991) stehen auf der Ehrentafel. 

«Er spielt gegen den besten Spieler der Welt, der einmal mehr zeigt, warum er da steht», sagte Ex-Wimbledonsieger Michael Stich als Experte bei Prime Video. «Wenn man alle vier Sätze nimmt: Ich glaube, dann ist es schon so, dass Jannik vielleicht für zwei, drei, vier Prozent der etwas bessere und konstantere Spieler war.»

Nach zahlreichen Rückschlägen in Wimbledon in den vergangenen Jahren hatte der Hamburger den Schwung von Paris mit nach London genommen. Mit herausragenden Aufschlägen, Entschlossenheit und aggressivem Spiel setzte Zverev als erster deutscher männlicher Finalist seit Becker 1995 den Topfavoriten Sinner zunächst unter Druck. Der Italiener steigerte sich aber, Zverev gelang im gesamten Match kein Break.

Königlich besetzte Tribüne

Prinzessin Kate und Prinz William sowie ihre Kinder George und Charlotte sowie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sahen, wie Zverev am wichtigsten Tag seines Wimbledon-Wegs einen erfolgreichen Start hinlegte. Mit seinen Aufschlägen brachte er das Publikum mehrmals zum Raunen. 

Bundeskanzler Friedrich Merz und seine Frau schauten sich das Finale aus der ersten Reihe in der Roxal Box an. Foto: Mike Egerton/PA Wire/dpa
Bundeskanzler Friedrich Merz und seine Frau schauten sich das Finale aus der ersten Reihe in der Roxal Box an.

Emotionaler Jubel über ersten Satzgewinn

Im Tiebreak setzte der Spitzenspieler mit einer unerreichbaren Vorhand zum Satzgewinn das erste Ausrufezeichen - jubelnd ging er in die Knie. Es war sein erster Satzgewinn gegen den Südtiroler seit Oktober 2025. In sechs Duellen in Serie war es ihm nicht gelungen, nur einen Durchgang zu holen.

Alexander Zverev jubelt über den ersten Satzgewinn. Foto: Frank Molter/dpa
Alexander Zverev jubelt über den ersten Satzgewinn.

Sobald sich Sinner zum Seitenwechsel setzte, wickelte er ein kühlendes Eis-Handtuch um seinen Nacken. Bei den French Open hatte Zverev davon profitiert, dass der Südtiroler in der Hitze körperlich eingebrochen und sensationell in der zweiten Runde ausgeschieden war.

Bei unter 30 Grad Celsius war das Wetter am Wimbledon-Finaltag nicht der entscheidende Faktor. Zverev spielte weiter aggressiv, ging ins Risiko. Gegen die Aufschläge des 1,98 Meter großen Hamburgers fand Sinner lange kein Mittel - bis zum zweiten Tiebreak, in dem Zverev sein Niveau nicht halten konnte und deutlich den Kürzeren zog.

Zu Beginn des dritten Satzes nahm Zverev gleich mehrere Energiegels beim Seitenwechsel zu sich. Sinner wirkte frischer, kam zunehmend besser in die Partie und besser mit den Aufschlägen des Hamburgers zurecht.

Schrecksekunde und Schlägerwurf

Doch plötzlich wackelte Sinner. Bei seiner ersten Breakchance im gesamten Match sorgte Zverev allerdings für einen Schreckmoment, rutschte aus, blieb mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen, fasste sich ans Knie. Sinner eilte herüber, und half dem Kontrahenten auf - und Zverev konnte weiterspielen. Nachdem er zweieinhalb Sätze kein Break kassiert hatte, gab die deutsche Nummer eins kurz darauf erstmals den Aufschlag zum 3:5 ab. Enttäuscht schleuderte der 29-Jährige seinen Schläger zur Seite.

Nach dem nächsten Satzverlust verschwand Zverev vom Centre Court. Der Weg zum Triumph war nun noch weiter geworden. Mit dem Aufschlagverlust im vierten Satz war das Endspiel entschieden.