Menschenrechte

Taliban verbieten Frauen Zusammenarbeit mit UN

Die Taliban verbieten afghanischen Frauen die Arbeit in NGOs - jetzt auch bei den Vereinten Nationen. Doch dort will man die Mitarbeiterinnen nicht einfach durch Männer ersetzen.

Ein Taliban-Kämpfer und eine Passantin in Afghanistans Haupstadt Kabul. Foto: Ebrahim Noroozi/AP/dpa
Ein Taliban-Kämpfer und eine Passantin in Afghanistans Haupstadt Kabul.

New York (dpa) - UN-Generalsekretär António Guterres hat eine Entscheidung der Taliban verurteilt, wonach afghanische Frauen in dem Land ab sofort nicht mehr mit den Vereinten Nationen zusammenarbeiten dürfen. «Das verletzt die unveräußerlichen Menschenrechte von Frauen», erklärte sein Sprecher Stéphane Dujarric.

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Die Regelung der Taliban verstoße gegen die UN-Charta mit ihrem Prinzip der Nicht-Diskriminierung. Der UN-Generalsekretär rief die Taliban dazu auf, das Verbot aufzuheben und alle Maßnahmen zurückzunehmen, die die Rechte von Frauen und Mädchen auf Arbeit, Bildung und Bewegungsfreiheit einschränkten.

Es geht um fundamentale Menschenrechte

Ein Arbeitsverbot der Taliban für Frauen in Nichtregierungsorganisationen gilt bereits seit Dezember. Weibliche Angestellte der UN waren aber zunächst noch von der Regelung ausgenommen. Das Verbot hatte sowohl im Land und international heftige Reaktionen hervorgerufen.

Die Direktorin der UN-Frauenorganisation UN Women, Sima Bahous, forderte die Taliban-Regierung zu einer Rücknahme aller diskriminierenden Maßnahmen gegen Frauen und Mädchen in Afghanistan auf. «Wir betonen ihre unveräußerlichen, fundamentalen Menschenrechte, die in der UN-Charta festgelegt sind», teilte Bahous am Mittwoch mit. Man werde afghanische Frauen und Mädchen weiterhin unterstützen. Die UN beabsichtigten nicht, ihre Mitarbeiterinnen durch Männer zu ersetzen.

Das neue afghanische Schuljahr hat begonnen - so wie hier in Kabul. Aber die weiterführenden Schulen bleiben auch im zweiten Jahr nach der Rückkehr der Taliban an die Macht im Jahr 2021 für Mädchen geschlossen. Foto: Ebrahim Noroozi/AP/dpa
Das neue afghanische Schuljahr hat begonnen - so wie hier in Kabul. Aber die weiterführenden Schulen bleiben auch im zweiten Jahr nach der Rückkehr der Taliban an die Macht im Jahr 2021 für Mädchen geschlossen.

Auch die Exekutivdirektorin des UN-Kinderhilfswerks Unicef verurteilte das faktische Verbot einer Zusammenarbeit von Frauen mit den UN. «Weibliche Mitarbeiter sind für den Erfolg unserer Arbeit lebenswichtig. Ohne sie wird die humanitäre Katastrophe, die sich innerhalb Afghanistans entwickelt, immer schlimmer werden, und mehr Kinder werden sterben», sagte Catherine Russell in einer Stellungnahme am Mittwoch. Frauen hätten Zugang zu den verletzlichsten Bevölkerungsgruppen, die Männer nicht erreichen könnten, darunter Kinder, Kranke, Alte sowie Menschen mit Behinderungen.

Geltendes internationales Recht gebrochen

Die UN-Kräfte vor Ort kritisierten die ab sofort geltende Entscheidung der Taliban ebenfalls. Das Verbot verstoße gegen geltendes internationales Recht und könne von den Vereinten Nationen nicht akzeptiert werden. In der Geschichte der UN habe noch kein anderes Regime jemals Frauen allein wegen ihres Geschlechts von der Mitarbeit ausgeschlossen, hieß es in einer Erklärung der UN-Mission in Afghanistan (UNAMA).

Seit ihrer erneuten Machtübernahme in Afghanistan im August 2021 haben die militanten Islamisten Frauenrechte massiv eingeschränkt. So haben die Taliban Frauen von allen Universitäten verbannt. Die Schulbildung für Mädchen schränkten die Islamisten bereits wenige Monate nach ihrer Machtübernahme ein.

Die humanitäre Lage in Afghanistan gilt als prekär. Seit dem Abzug der internationalen Truppen ist die Wirtschaft kollabiert. Nach Angaben der Vereinten Nationen unterstützen die UN und ihre Partner, einschließlich nationaler und internationaler NGOs, derzeit mehr als 28 Millionen Afghanen, die für ihr Überleben von humanitärer Hilfe abhingen. In dem Land leben schätzungsweise 37 Millionen Menschen.