Lebensmittel

Aldi Süd befürwortet Zuckersteuer auf Softdrinks

Die Koalition will einen umstrittenen Preisaufschlag auf gezuckerte Getränke einführen, der auch zu einer gesünderen Ernährung beitragen soll. Aus der Branche kommt erste Unterstützung.

Die Koalition plant eine Zuckersteuer auf Limonaden und Colas. (Archivbild) Foto: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa
Die Koalition plant eine Zuckersteuer auf Limonaden und Colas. (Archivbild)

Mülheim/Ruhr (dpa) - Der Discounter Aldi Süd befürwortet die in der Ernährungsbranche breit abgelehnte Einführung einer Zuckersteuer auf Getränke wie Colas und Limonaden. Man halte dies mit weiteren wirksamen Maßnahmen wie der Ernährungsbildung für einen wichtigen Baustein der Prävention, heißt es in einem Positionspapier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. «Ziel soll es sein, den Zuckerkonsum und das Süßempfinden in der Bevölkerung schrittweise zu senken – für ein besseres Leben ohne Verzicht auf Genuss». Zunächst hatte die «Lebensmittel Zeitung» darüber berichtet.

Die schwarz-rote Bundesregierung hat in Zusammenhang mit dem Sparpaket für stabile Krankenkassenbeiträge vereinbart, eine Steuer auf gezuckerte Getränke einzuführen. Das Finanzministerium bereitet einen Entwurf vor. Ressortchef Lars Klingbeil (SPD) sagte bei der Vorlage des Haushaltsentwurfs für 2027, dies diene auch dem Gesundheitsschutz. «Was krank macht, wird also teurer.» Angaben zur Ausgestaltung und dem Startdatum machte er vorerst nicht. Zwischenzeitlich war auch von einer Zuckerabgabe die Rede gewesen. 

Übergangszeit nötig 

In dem nach Unternehmensangaben weiterhin aktuellen Positionspapier von Juni erklärt Aldi Süd, eine Abgabe sollte direkt bei den Herstellern erhoben werden, um einen Anreiz zur Reduktion von Zucker bei den Rezepturen von Marken und Eigenmarken zu schaffen. Es brauche eine Übergangszeit von 18 Monaten, damit Rezeptänderungen bei möglichst vielen Produkten umgesetzt würden. Die Maßnahme sollte sich auf Softdrinks beschränken. Fruchtsäfte, Milchdrinks und pflanzliche Milchalternativen sollten ausgenommen werden. 

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«Den größtmöglichen Erfolg hat eine Abgabe dann, wenn gar keine zusätzlichen Mittel eingenommen und stattdessen alle Softdrinks reformuliert werden», heißt es in dem Papier von Aldi Süd. Eingenommene Mittel sollten sonst zweckgebunden in Präventionsangebote wie Sport und Ernährungsbildung fließen. Aldi Nord äußerte sich auf Anfrage nicht zum Thema.

Konkrete Ausgestaltung noch offen 

Die Rewe-Gruppe erklärte auf Anfrage, man unterstütze Maßnahmen, die nachweislich zu einer Verbesserung der Ernährung beitragen. «Ob eine Zuckersteuer hierfür das geeignete Instrument ist, hängt maßgeblich von ihrer konkreten Ausgestaltung, den gesundheitspolitischen Zielen sowie den wirtschaftlichen Auswirkungen ab», sagte ein Sprecher. Da bislang keine verbindlichen Regelungen vorliegen, sei eine abschließende Bewertung im Sinne der Kundinnen und Kunden derzeit nicht möglich. Entscheidend seien Planungssicherheit, praktikable Lösungen und ausreichende Übergangsfristen.

Edeka bekräftigte auf Anfrage, zusätzliche Abgaben würden das ohnehin angespannte Konsumklima weiter verschlechtern. «Unsere Kundinnen und Kunden sollen selbst entscheiden, was sie kaufen und essen», hatte der Vorstandsvorsitzende der Edeka-Zentrale, Markus Mosa, bereits im April gesagt. «Wir bieten dafür eine große Sortimentsauswahl, eine transparente Kennzeichnung und reduzieren bei unseren Eigenmarken seit Jahren kontinuierlich Zucker und Salz - ohne Abstriche beim Geschmack.»

Branchenverbände gegen Zuckersteuer

Die Ernährungsbranche wandte sich Anfang Juli erneut prinzipiell gegen eine Zuckersteuer und warnte zudem vor einer Einführung bereits 2027. Belege für ihre gesundheitliche Wirksamkeit seien umstritten, während Verbraucher und Unternehmen zusätzlich belastet würden, erklärten der Lebensmittelverband Deutschland und die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie. Auch die Zuckerwirtschaft, der Getränkefachgroßhandel und Verbände der Getränkewirtschaft lehnten eine Zuckersteuer vehement ab.