Erneut Zehntausende Stellen in der Autoindustrie abgebaut
In der Autoindustrie schrumpft die Zahl der Beschäftigten weiter. VDA-Chefin Hildegard Müller sieht die europäischen Standortprobleme vor allem in Brüssel.
Berlin (dpa) - In der deutschen Automobilindustrie sind im vergangenen Jahr Branchenschätzungen zufolge erneut Zehntausende Stellen abgebaut worden. Demnach waren im vergangenen Jahr 726.000 Menschen im Automobilsektor tätig, wie aus vorläufigen Daten des Verbands der Automobilindustrie (VDA) hervorgeht. Das waren demnach knapp 47.000 Beschäftigte weniger als im Vorjahr und fast 107.000 weniger als im Vorkrisenjahr 2019.
Bei einer Branchenumfrage gaben demnach fast zwei Drittel der befragten Unternehmen an, im vergangenen Jahr Stellen am Standort in Deutschland abgebaut zu haben. Fast jedes zweite Unternehmen reduziere auch aktuell Arbeitsplätze. Rund jeder vierte Betrieb baue lediglich in Deutschland Stellen ab, im Ausland aber welche auf.
«Deutschland hat eine massive Standortkrise», kritisierte VDA-Chefin Hildegard Müller. «Die Bedingungen am Standort Deutschland und Europa verschlechtern sich zusehends, das bringt die Unternehmen und ganz besonders den automobilen Mittelstand unter Druck.»
Müller kritisierte insbesondere die Politik auf europäischer Ebene. «Noch zu oft begegnet der Wirtschaft in Brüssel eine Kombination aus Realitätsverweigerung und Relevanzillusion», betonte sie.
Für die Umfrage befragte der VDA eigenen Angaben zufolge zwischen dem 11. und dem 25. Januar 124 Zulieferer.