Rechnungshof

EU könnte Klimaziele wegen Batterieindustrie verfehlen

Die Batterieproduktion in der EU gewinnt an Bedeutung. Doch es gibt auch Herausforderungen. Diese könnten einem Bericht des EU-Rechnungshofs zufolge dafür sorgen, dass die Klimaziele nicht erreicht werden.

Sollte die Batterieproduktion in der EU nicht wachsen, könnte sich das geplante Verbrenner-Verbot nach hinten verschieben. Foto: Christian Charisius/dpa
Sollte die Batterieproduktion in der EU nicht wachsen, könnte sich das geplante Verbrenner-Verbot nach hinten verschieben.

Luxemburg (dpa) - Die EU läuft einem Bericht zufolge Gefahr, in der Batterieindustrie ins Hintertreffen zu geraten und somit auch die Klimaziele nicht zu erreichen. Sollte die Produktion nicht wie angestrebt wachsen, könnte sich die EU gezwungen sehen, das geplante Verbot für den Verkauf neuer Benzin- und Dieselautos für 2035 nach hinten zu verschieben und somit ihre Klimaziele verfehlen, wie der Europäische Rechnungshof mitteilte.

Zwar haben laut Rechnungshof die EU und ihre Mitgliedstaaten die Industriepolitik für Batterien in den vergangenen Jahren wirksam gefördert. Der schwierige Zugang zu Rohstoffen führe jedoch nach wie vor oft zu Versorgungsengpässen. Hinzu kämen steigende Kosten und ein harter weltweiter Wettbewerb. Die Bemühungen der EU, die Batterieproduktion zu erhöhen, könnten daher möglicherweise nicht ausreichen, um die steigende Nachfrage zu decken.

Die Prüfer warnen konkret vor zwei Szenarien für den Fall, dass die Produktionskapazität für Batterien in der EU nicht wie geplant wächst. Neben einer Verschiebung des Vorhabens, ab 2035 nur noch emissionsfreie Neuwagen zuzulassen, könnte auch auf Batterien und Elektrofahrzeuge aus Drittländern gesetzt werden. Dies sei aber zum Nachteil der europäischen Automobilindustrie und ihrer Beschäftigten, so die Rechnungsprüfer.

Produktionskapazität entwickelt sich rasant

Die Produktionskapazität in der EU entwickelt sich laut Rechnungshof rasant und habe das Potenzial, von 44 Gigawattstunden im Jahr 2020 auf etwa 1200 Gigawattstunden im Jahr 2030 zu steigen. Die Entwicklung könne durch geopolitische und wirtschaftliche Faktoren jedoch gefährdet werden. Nach Angaben des Rechnungshofs könnten Batteriehersteller aus der EU in andere Regionen abwandern - insbesondere in die USA. Im Gegensatz zur EU subventionierten die USA die Gewinnung von Mineralien und die Herstellung von Batterien direkt.

Dies gelte auch für den Kauf von Elektrofahrzeugen, die im Inland mit amerikanischen Komponenten hergestellt würden. Darüber hinaus sei die EU sehr abhängig von Rohstoffeinfuhren. Zwar verfüge Europa bei einigen Rohstoffen auch über einige Vorkommen, doch würden für ihre Erschließung mindestens 12 bis 16 Jahre benötigt, so dass die steigende Nachfrage nicht schnell gedeckt werden könne. Außerdem könne die Wettbewerbsfähigkeit der Batterieproduktion in der EU durch steigende Rohstoff- und Energiepreise gefährdet werden.

Fast jeder fünfte im Jahr 2021 in der EU zugelassene Neuwagen hatte laut dem Europäischen Automobilherstellerverband Elektroantrieb. Zudem soll der Verkauf neuer Benzin- und Dieselautos bis 2035 verboten werden. Daher seien Batterien von großer strategischer Bedeutung für die EU - und wichtig, um die Klimaziele zu erreichen. Laut Rechnungshof liegt die europäische Batterieindustrie noch weit hinter China zurück. Das Land kommt auf 76 Prozent der weltweiten Produktionskapazität, die EU und die USA liegen mit jeweils 7 Prozent deutlich dahinter.