Trotz Iran-Deal

EZB-Direktorin stellt weitere Zinserhöhungen in Aussicht

Im Iran-Krieg stehen die Zeichen auf Entspannung, doch für die EZB will die deutsche Direktorin Isabel Schnabel so schnell keine Entwarnung geben. Sie plädiert für weitere Zinserhöhungen.

EZB-Direktorin Isabel Schnabel bleibt trotz Entspannung im Iran-Krieg vorsichtig. (Archivbild) Foto: Michael Kappeler/dpa
EZB-Direktorin Isabel Schnabel bleibt trotz Entspannung im Iran-Krieg vorsichtig. (Archivbild)

Frankfurt/Main (dpa) - EZB-Direktorin Isabel Schnabel stellt weitere Leitzinserhöhungen im Euroraum in Aussicht. «Um die Inflation mittelfristig wieder auf unseren Zielwert von zwei Prozent zurückzubringen, werden wir aus heutiger Sicht die Zinsen weiter anheben müssen», sagte Schnabel der Wochenzeitung «DIE ZEIT». Das Ausmaß und der Zeitpunkt weiterer Schritte hingen jedoch davon ab, wie sich der Konflikt im Nahen Osten, die Wirtschaft und die Inflation entwickelten.

Schnabel machte zugleich deutlich, dass die jüngste Waffenruhe im Nahen Osten aus Sicht der Europäischen Zentralbank keine grundsätzliche Entwarnung bedeute, obwohl die Energiepreise wegen des vorläufigen Friedensabkommens gesunken seien. 

«Erinnerung an Hochinflationsphase noch frisch»

Die jüngste Zinserhöhung der EZB, die im Juni erstmals seit fast drei Jahren die Leitzinsen erhöht hatte, verteidigte Schnabel. Der Schritt sei richtig gewesen, auch bei einer raschen Normalisierung der Ölpreise. Ohne Straffung würde die Inflation mittelfristig oberhalb des EZB-Ziels von zwei Prozent liegen, sagte sie. 

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Bisher gebe es zwar «noch keinen Hinweis darauf, dass sich das Lohnwachstum beschleunigt oder die Menschen eine langfristig höhere Inflation erwarten», sagte die EZB-Direktorin. «Aber die Erinnerung an die Hochinflationsphase ist noch frisch, daher muss man davon ausgehen, dass die Erwartungen heute stärker auf einen Inflationsanstieg reagieren.»

Die EZB rechnet wegen des Iran-Kriegs mit mehr Inflation und weniger Wachstum im Euroraum. Im wahrscheinlichsten Szenario erwartet die Notenbank für dieses Jahr eine Inflationsrate von 3,0 Prozent. Die zwischenzeitlich stark gestiegenen Ölpreise haben die Inflation im Euroraum im Mai auf 3,2 Prozent hochgetrieben.