Wohnen

Ifo: Wohnungsbau schrumpft in kommenden Jahren stark

Hohe Zinsen, steigende Kosten im Wohnungsbau - das Ifo-Institut erwartet einen starken Rückgang der Fertigstellungen. Auch weniger Baugenehmigungen deuten darauf hin, dass der Wohnungsmangel noch wächst.

Wohnhäuser im Rohbau im Zentrum von Potsdam. Foto: Patrick Pleul/dpa
Wohnhäuser im Rohbau im Zentrum von Potsdam.

Wiesbaden/München (dpa) - Die Wohnbaukrise in Deutschland droht sich zu verschärfen. Beim zuletzt stark stockenden Neubau von Wohnungen erwartet das Ifo-Institut in den kommenden Jahren weitere Rückgänge.

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Die Münchner Wirtschaftsforscher rechnen im Jahr 2025 nur noch etwa mit 200.000 neuen Wohnungen, davon 175.000 in neuen Wohngebäuden, wie das Ifo am Freitag mitteilte. Das wäre nur halb so viel, wie von der Bundesregierung jährlich angepeilt. Auch die Baugenehmigungen als Indikator für die Fertigstellungen fallen trübe aus: Im April wurden noch gut 21.000 Wohnungen bewilligt, fast ein Drittel weniger als im Vorjahr, berichtete das Statistische Bundesamt am Freitag.

2022 waren 295.300 Wohnungen fertiggestellt worden. Schon dieses Jahr wird diese Zahl laut Ifo-Prognose auf 275.000 fallen, 2024 dann auf 235.000. «Wohnungsbauprojekte haben sich durch die deutlich gestiegen Baukosten und die stark erhöhten Zinsen enorm verteuert», sagte Ifo-Experte Ludwig Dorffmeister. «Gleichzeitig gab es eine kräftige Reduzierung bei der staatlichen Förderung. Das zusammen mit anderen, schon länger bestehenden Problemen wie hohen Grundstückspreisen, übermäßiger Bürokratie und kommunalen Auflagen hat das Fass zum Überlaufen gebracht, so dass die Wohnungsbautätigkeit in den kommenden Jahren noch weiter schrumpfen wird.»

Seit vielen Monaten stoße die «große Mehrheit der Bauträger» keine neuen Vorhaben mehr an, sagte Dorffmeister. «Die aktuell verbuchten Aufträge gehen auf Projekte zurück, die schon zu weit fortgeschritten sind, um sie abzubrechen.»

Fehlen bald 700.000 Wohnungen?

Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, dass pro Jahr 400.000 neue Wohnungen entstehen sollen. Erst Ende Mai hatte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) noch bekräftigt: «Auch wenn die Zeiten gerade sehr stürmisch sind, was dieses Ziel betrifft, wir lassen davon nicht ab, auch nicht angesichts der gestiegenen Zinsen.» Bauministerin Klara Geywitz macht sich für mehr preiswerten Wohnraum stark. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie erwartet, dass dieses Jahr maximal 250.000 Wohnungen fertig werden. Und der Branchenverband ZIA geht davon aus, dass 2025 rund 700.000 Wohnungen fehlen werden.

Unterdessen hat sich der Rückgang der Baugenehmigungen beschleunigt. Der Fall auf 21.200 bewilligte Wohnungen im April bedeuteten den stärksten Rückgang seit März 2007, teilte das Statistische Bundesamt mit. Von Januar bis April wurden 89.900 Baugenehmigungen für Wohnungen erteilt, gut 27 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Besonders stark ging dabei die Zahl der Baugenehmigungen bei Zweifamilienhäusern zurück (-52,1 Prozent). Bei Einfamilienhäusern gab es ein Minus von 33,5 Prozent und bei Mehrfamilienhäusern einen Rückgang von gut 27 Prozent. Trotz großer Nachfrage nach Wohnraum sinkt die Zahl der Baugenehmigungen bereits seit Mai 2022.

Der Bundesverband Freier Immobilien und Wohnungsunternehmen (BFW) sprach von einem drastischen Rückgang der Baugenehmigungen. «Heute nicht genehmigt, heißt in den kommenden Jahren nicht gebaut. Wo sollen die fehlenden bezahlbaren Wohnungen denn herkommen», fragte BFW-Präsident Dirk Salewski. Um den Wohnungsbau anzukurbeln, brauche es staatliche Bürgschaften, um normalverdienende Familien beim Kauf von Eigentum zu unterstützen, auskömmliche Förderprogramme und ein Aussetzen der Grunderwerbsteuer bei Ersterwerb von Immobilien.