Gräfenhausen

Streikende Fahrer hoffen auf Geld und Dominoeffekt

Seit Wochen harren osteuropäische Lkw-Fahrer auf einer Raststätte in Hessen aus, weil sie nicht bezahlt werden. Jetzt ist Geld geflossen, aber nicht von der Speditionsfirma.

Ein Lkw-Fahrer mit einem Bündel Geldscheinen in der Hand. Foto: Boris Roessler/dpa
Ein Lkw-Fahrer mit einem Bündel Geldscheinen in der Hand.

Gräfenhausen (dpa) – Die seit mehr als sechs Wochen auf der südhessischen Autobahnraststätte Gräfenhausen streikenden Lastwagenfahrer haben am Donnerstag erstmals Geld erhalten. Allerdings hatte nicht der polnische Speditionsunternehmer eingelenkt, für den die Fahrer Waren durch Europa transportieren.

Ein österreichischer Spediteur, der ebenfalls Teil der Lieferkette war, habe sich entschieden, die für den entsprechenden Transport anfallende Summe in Höhe von 20.000 Euro dem Fahrer direkt zu übergeben, sagte der niederländische Gewerkschafter Edwin Atema, der von den Fahrern mit der Verhandlungsführung beauftragt wurde.

Er hoffe, damit einen Stein ins Rollen zu bringen, sagte der mittelständische österreichische Unternehmer, der anonym bleiben wollte. Für seinen Kunden sei es höchste Eile, an die durch den Streik blockierten Waren zu kommen. «Da geht es leicht auch um Arbeitsplätze und die Zukunft eines Unternehmens.»

Etwa 90 Fahrer streiken

Die Waren wurden auf einen Lastwagen beladen, um nun an den Kunden geliefert werden zu können. Verständnis hatte der österreichische Spediteur aber auch für den Kampf der Trucker. «Man sollte von seiner Arbeit nicht nur überleben können, sondern seinen Familien auch ein gutes, normales Leben ermöglichen können», sagte er.

Die mittlerweile etwa 90 Fahrer aus Georgien, Usbekistan und anderen Ländern streiken, um ausstehende Löhne durchzusetzen. Einige von ihnen wurden seit Monaten nicht bezahlt, ein usbekischer Fahrer gab an, seit mehr als einem Jahr keinen vollständigen Lohn mehr bekommen zu haben. «Wir hoffen, dass das einen Dominoeffekt auslöst», sagte Atema bei einer Streikversammlung in Gräfenhausen.

Angesichts von mehr als 500 000 Euro, die die Fahrer fordern, sei die Summe von 20 000 Euro vielleicht ein kleiner Schritt, «aber strategisch ein wichtiger Schritt», sagte Atema. Er hoffe, dass andere Kunden des Speditionsunternehmens dem Beispiel folgen.

Bereits im Frühjahr hatten mehr als 60 georgische und usbekische Lastwagenfahrer desselben Unternehmens in Gräfenhausen für ausstehende Löhne gestreikt und hatten am Ende eine Zahlung erreicht. Der damalige Streik hatte auch die Arbeitsbedingungen im internationalen Gütertransport in den Fokus gerückt. Wie damals werden die Fahrer auch diesmal von Gewerkschaften, Kirchen und dem Beratungsnetzwerk «Faire Mobilität» unterstützt.