Soziales

Studenten-Mieten bleiben auf Rekordhoch

Die Wohnkosten für Studierende steigen schneller als die Lebenshaltungskosten. Wenn das Geld der Eltern entscheidet, ob ein Studium möglich ist, wird es aus Sicht von Experten problematisch.

In Münster mussten Studenten ohne Wohnung auch schon in Turnhallen schlafen. (Archivbild) Foto: Guido Kirchner/dpa
In Münster mussten Studenten ohne Wohnung auch schon in Turnhallen schlafen. (Archivbild)

Berlin (dpa) - Die Wohnungsnot und immer höhere Mieten machen Studentinnen und Studenten weiter zu schaffen – ihre durchschnittlichen Wohnkosten eilen von Rekord zu Rekord. Zu Beginn des Sommersemesters lagen ihre Mieten durchschnittlich bei 512 Euro monatlich für ein WG-Zimmer, wie aktuelle Zahlen des Moses Mendelssohn Instituts zeigen. Gegenüber dem Vorjahr sei dies ein Plus von knapp vier Prozent.

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Dabei gibt es weiterhin enorme regionale Unterschiede. Während Studierende den Angaben zufolge in Bayern (605 Euro), Hamburg (650) und Berlin (650) am meisten zahlen, liegen die Durchschnittskosten in Sachsen-Anhalt (358) und Sachsen (372) viel tiefer. Spitzenreiter unter den Städten ist nach Angaben des Instituts die bayerische Metropole München (800).

Die Dynamik der Mietsteigerungen hat nach Feststellung des Instituts zwar etwas nachgelassen, «die Preise verharren jedoch auf einem sehr hohen Niveau und steigen stärker als die allgemeine Teuerung». Zugleich verändere sich die Struktur des Marktes: «Während sich die Durchschnittswerte vor allem in den Metropolen stabilisieren, geraten insbesondere günstigere Angebote zunehmend unter Druck.» 

Projektleiter Stefan Brauckmann spricht von einer Stabilisierung nur auf den ersten Blick: «Vor allem im unteren Preissegment wird der Spielraum kleiner. Das betrifft nicht nur Studierende, sondern auch Auszubildende und andere Menschen mit begrenztem Wohnkostenbudget.»

BAföG müsse ausgeweitet werden

Brauckmann forderte, die staatliche Ausbildungsunterstützung BAföG zu erhöhen. «Die BAföG-Wohnkostenpauschale liegt aktuell bei 380€ und wurde bislang nicht angepasst. Bereits heute zeigt sich, dass diese in weiten Teilen des Marktes nicht mehr ausreicht», so das Institut. «Selbst bei einer möglichen Anhebung auf 440€ würde sich die Situation nur teilweise entspannen. Ein erheblicher Teil der Studierenden wäre weiterhin von Wohnkosten oberhalb der Pauschale betroffen. Die Problematik beschränkt sich dabei also nicht nur auf BAföG-Empfänger.»

WG-Suche wird zum Wettlauf

Annegret Mülbaier von WG-Gesucht.de, das als Kooperationspartner die Erhebung unterstützt, berichtete: «Wir sehen auf unserer Plattform, dass sich die Nachfrage auf die noch vergleichsweise günstigen WG-Zimmer extrem bündelt. Viele dieser Angebote sind oft schon am selben Tag vergeben – für Studierende wird die Wohnungssuche damit immer mehr zum Wettlauf, bei dem oft nur diejenigen zum Zug kommen, die schnell reagieren und sich direkt bewerben.»

Das Team um Brauckmann untersucht seit 2011 die Wohnungsmärkte für Studierende und Auszubildende. In die Analyse wurden alle 89 Hochschulstandorte mit mehr als 5.000 Studentinnen und Studenten einbezogen. Demnach sind 83,4 Prozent der Studierenden in Städten eingeschrieben, in denen der Durchschnitt über der BAföG-Wohnkostenpauschale liegt.