Übernahme-Ringen

Unicredit: Fast 40 Prozent an Commerzbank sicher

Die Unicredit hält den Druck auf die Commerzbank hoch. Das Angebot zur Übernahme sämtlicher Aktien läuft noch bis 3. Juli. Nach eigenen Angaben kommen die Italiener jetzt schon auf fast 40 Prozent.

Wird die Commerzbank von der Unicredit geschluckt? (Archivbild) Foto: Andreas Arnold/dpa
Wird die Commerzbank von der Unicredit geschluckt? (Archivbild)

Frankfurt/Main (dpa) - Die Unicredit treibt die Übernahme der Commerzbank entgegen erbitterter Widerstände in Deutschland voran und hat nach eigenen Angaben fast 40 Prozent der Anteile des Dax-Konzerns sicher. Noch bis einschließlich 3. Juli hält die italienische Großbank ihr Angebot zum Kauf sämtlicher Commerzbank-Aktien aufrecht. Das finale Ergebnis solle voraussichtlich am 8. Juli veröffentlicht werden, teilte die Unicredit mit.

Die Commerzbank rät ihren Anteilseignern weiterhin davon ab, das Umtauschangebot anzunehmen: Es sei «unverändert keine angemessene Prämie» enthalten, sagte ein Sprecher. Die Unicredit bietet für jede Commerzbank-Aktie 0,485 eigene Aktien. Umgerechnet war das lange Zeit weniger, als die Commerzbank-Papiere an der Börse wert waren.

«Nichtsdestotrotz bleibt die Commerzbank offen für Gespräche, sofern es eine echte Bereitschaft seitens der Unicredit gibt, die von uns aufgezeigten Punkte ernsthaft zu diskutieren», teilte das Frankfurter Geldhaus mit. «Die Voraussetzungen sind unverändert: Eine attraktive Prämie für unsere Aktionärinnen und Aktionäre und ein Plan, der die Erfolgsfaktoren unseres Geschäftsmodells angemessen berücksichtigt.»

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Unicredit baut Einfluss sukzessive aus

Bis Ablauf der bisherigen Frist vom 5. Mai bis zum 16. Juni wurde das Tauschangebot nach Angaben der Unicredit für 12,51 Prozent der Commerzbank-Papiere angenommen. Zusammen mit den 26,77 Prozent, die die Italiener vor der Offerte hielten, würde der Anteil der Unicredit an Deutschlands zweitgrößter börsennotierter Bank damit rechnerisch auf 39,28 Prozent steigen.

Zudem hat das Mailänder Institut über Kaufoptionen Zugriff auf weitere mehr als drei Prozent der Commerzbank-Aktien und hält weitere Finanzinstrumente und käme so nach eigenen Angaben auf 42,50 Prozent. «Dieser Prozentsatz steigt auf 43,33 Prozent, sobald die Commerzbank ihre eigenen Aktien zurückkauft, wozu sie sich verpflichtet hat», rechnete die Unicredit vor.

Nahezu den gesamten Bestand ihrer Commerzbank-Aktien und der Finanzinstrumente hat die Unicredit nach eigenen Angaben preislich abgesichert für den Fall, dass sie diese wieder verkaufen würde.

Irreführung und Marktmanipulation?

Die Commerzbank wehrt sich seit fast zwei Jahren gegen das aus ihrer Sicht «feindliche» Vorgehen von Unicredit-Chef Andrea Orcel und verdächtigt die italienische Großbank, ihre Aktienposition «künstlich aufzublähen». Zwecks Klärung hat der Dax-Konzern die Finanzaufsicht Bafin eingeschaltet. Zudem stellte der Commerzbank-Gesamtbetriebsrat Strafanzeige wegen des Verdachts der Marktmanipulation.

Die Unicredit wies die Vorwürfe wiederholt zurück und drohte jüngst indirekt mit dem Austausch der Commerzbank-Führungsspitze: «Sollte Unicredit auf der Hauptversammlung ausreichende Unterstützung durch Aktionäre erlangen, wäre sie in der Lage, sämtliche Anteilseignervertreter im Aufsichtsrat zu wählen, der seinerseits für die Bestellung des Vorstands zuständig wäre.» 

Die Kritik der Commerzbank lenke vom wirtschaftlichen Sinn der Übernahme ab, argumentiert die Unicredit. In Deutschland ist das Institut bereits mit der Hypovereinsbank (HVB) aktiv und sieht Potenzial für Milliardeneinsparungen inklusive des Abbaus Tausender Stellen.

Bund lehnt Commerzbank-Übernahme ab

Der deutsche Staat, dessen Aktienverkauf im September 2024 zum Einfallstor für die Unicredit wurde, hat jüngst erneut klargemacht, dass er seine restlichen gut zwölf Prozent nicht verkaufen wird. Das Übernahmeangebot enthalte «keine angemessene Prämie auf den aktuellen Kurs der Commerzbank-Aktie». Das «aggressive Vorgehen» der Unicredit werde abgelehnt.

Die Commerzbank spiele eine wichtige Rolle bei der Finanzierung der deutschen Wirtschaft und des deutschen Mittelstands und sei als bedeutender Arbeitgeber zudem zentral für den Finanzstandort Frankfurt, bekräftigte der Bund. «Beides gilt es auch in Zukunft sicherzustellen.»