Was man zu den ÖPNV-Warnstreiks wissen muss
Am Freitag und Samstag droht im Nahverkehr Stillstand: Wer ist betroffen, was fährt noch – und was fordern die Beschäftigten? Die wichtigsten Antworten zu den geplanten ÖPNV-Warnstreiks.
Berlin (dpa) - Die Gewerkschaft Verdi hat für Ende der Woche zu Warnstreiks aufgerufen. In den meisten Regionen will sie am Freitag und auch Samstag den Bus- und Bahnverkehr zum Erliegen bringen. Vor allem am Freitag dürfte das viele Menschen im morgendlichen Berufsverkehr treffen, auch mancher Wochenendausflug muss umgeplant werden.
Was fährt, was nicht? Was mache ich, wenn mein Bus zur Arbeit nicht kommt? Und worum geht es bei den Tarifverhandlungen im ÖPNV überhaupt? Die Antworten auf die drängendsten Fragen:
Von wann bis wann wird gestreikt?
Die Warnstreiks beginnen in der Regel am Freitag in den frühen Morgenstunden und enden in der Nacht auf Sonntag. Die genauen Uhrzeiten variieren je nach Betriebsbeginn und Betriebsende der jeweiligen Verkehrsunternehmen.
In manchen Regionen wird bereits am Donnerstag die Arbeit niedergelegt, auch am Sonntag könnten noch einige Nahverkehrsunternehmen von Arbeitsniederlegungen betroffen sein. So wird zum Beispiel in Bremen bis in die Nacht auf Montag gestreikt, in Mecklenburg-Vorpommern dagegen nur am Freitag, in einem Landkreis in Sachsen-Anhalt wiederum von Donnerstag bis einschließlich Sonntag, also vier Tage lang.
In jedem Fall lohnt sich vor der Fahrt ein Blick auf die Webseiten und Auskunftsmedien der Nahverkehrsunternehmen.
Wer wird bestreikt - und wer nicht?
Zum Warnstreik aufgerufen sind die Beschäftigten von Nahverkehrsunternehmen - das sind in der Regel die Betreiber von Bussen, Tram- und U-Bahnen.
Von den Warnstreiks nicht betroffen ist die Deutsche Bahn. Regionalzüge, der Fernverkehr und vor allem auch die S-Bahnen sollten am Freitag und Samstag also wie gewohnt fahren.
Noch offen ist laut Verdi, ob in Baden-Württemberg und den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein gestreikt wird. Dazu sollen noch kurzfristig Entscheidungen getroffen werden. Sicher nicht bestreikt wird der Nahverkehr in Niedersachsen, dort gilt noch bis Ende März eine sogenannte Friedenspflicht, da der laufende Tarifvertrag nicht rechtzeitig gekündigt wurde. Arbeitskampfmaßnahmen sind dort deshalb bis zum 31. März ausgeschlossen.
Insgesamt betrifft die Tarifrunde laut Verdi bundesweit etwa 100.000 Beschäftigte.
Mit welchen Auswirkungen ist zu rechnen?
In großen Teilen Deutschlands dürfte der öffentliche Nahverkehr nahezu komplett zum Erliegen kommen - so passierte es jedenfalls am 2. Februar beim ersten bundesweiten ÖPNV-Warnstreik der laufenden Tarifrunde. An einigen Orten wird es voraussichtlich wieder Notfahrpläne geben mit dann entsprechend vollen Fahrzeugen. Kurzum: Fahrten mit Bus und Bahn sind am Freitag und Samstag, sofern sie angeboten werden, eher nicht zu empfehlen.
Der Warnstreik Anfang Februar (an einem Montag) hatte entsprechend auch Auswirkungen auf den restlichen Verkehr, da viele Menschen zum Beispiel aufs Auto umstiegen. Nach Einschätzung des ADAC war bundesweit ein leichter Anstieg bei Länge und Dauer der Staus zu erkennen. Der Fahrdienstvermittler Freenow beobachtete zudem in den Morgenstunden eine größere Nachfrage nach Taxis.
Neben dem bundesweiten Warnstreik am 2. Februar gab es zuletzt auch viele regionale Arbeitsniederlegungen, etwa Ende vergangener Woche in Hessen und Bayern.
Worum geht es bei den Tarifverhandlungen?
In den Tarifverhandlungen, die in allen 16 Bundesländern meist mit den Kommunalen Arbeitgeberverbänden geführt werden, fordert Verdi insbesondere deutlich bessere Arbeitsbedingungen - etwa durch kürzere Wochenarbeitszeit und Schichtzeiten, längere Ruhezeiten, aber auch durch höhere Zuschläge für Arbeit in der Nacht und am Wochenende. In Bayern, Brandenburg, dem Saarland, Thüringen und bei der Hamburger Hochbahn wird zusätzlich über höhere Löhne und Gehälter verhandelt.
Nach Ansicht von Verdi kamen die Gespräche zuletzt kaum voran. Auch die Arbeitgeber beklagten zuletzt fehlenden Fortschritt bei den Verhandlungen. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), das größte ÖPNV-Unternehmen in Deutschland, kritisierte beispielsweise, dass Verdi bisher nicht klargemacht habe, welche Forderungen die Gewerkschaft am wichtigsten findet.
Wann ist mit einem Ende der Tarifrunde und damit der Warnstreiks zu rechnen?
Das ist im Moment völlig offen. Die Verhandlungen sind regional sehr unterschiedlich - sowohl mit Blick auf die Forderungen, als auch mit Blick auf den Verlauf. Auf der Zielgeraden schienen die Gespräche zuletzt aber nirgends zu sein.