Katapultfalle aus Spinnenseide

Ausgefuchste Taktik: Spinne katapultiert Ameisen in ihr Netz

Mit einer raffinierten Falle katapultiert eine australische Spinne gezielt Ameisen in ihr Netz – und übertrifft damit sogar andere Spinnenarten in Sachen Fangtechnik.

Eine Weberameise nähert sich der aufgebauten Falle einer australischen Ballista-Spinne. Foto: Greg Anderson/Ajay Narendra/dpa
Eine Weberameise nähert sich der aufgebauten Falle einer australischen Ballista-Spinne.

Greifswald (dpa) - Eine australische Spinnenart hat eine raffinierte Art des Beutefangs entwickelt: Sie spannt mehrere Fäden aus, an denen sich Ameisen festbeißen. Daraufhin werden sie in das zentrale Spinnennetz katapultiert. Ein Forschungsteam aus Greifswald und Australien stellt das Verfahren im Journal «Current Biology» vor. 

Etwa 30 Minuten nach Sonnenuntergang beginnt die Ballista-Spinne (Propostira sp.) mit dem Bau der Falle: Sie spannt von ihrem Hauptnetz aus mehrere lange Fäden, die sie nahe beieinander etwa an Ästen oder Blättern befestigt. Kurz über den Befestigungspunkten bündelt sie die Fäden zu einem Kegel. Dieser zieht vermutlich mit Hilfe von Duftstoffen Weberameisen der Art Oecophylla smaragdina an, die als besonders aggressiv und wehrhaft gelten.

Raffiniertes Fangsystem mit Kegel

Die Ameisen beißen laut Studie fest in den Kegel und heben ihren Hinterleib - ähnlich, wie sie es bei Auseinandersetzungen mit anderen Ameisenkolonien tun. Durch den Biss wird der Seidenkegel von der Oberfläche gelöst und schwingt rasch samt der darin verbissenen Ameise ins zentrale Netz der Spinne. Dabei erreichen die Ameisen eine Geschwindigkeit von bis zu 4,4 Metern pro Sekunde. Die Spinne wartet, bis die Ameise vollständig verstrickt ist, bevor sie sich nähert, um die Ameise in Seide einzuwickeln.

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«Es ist eines der leistungsstärksten bekannten Fangsysteme im Tierreich», sagt einer der Seniorautoren, Jonas Wolff von der Universität Greifswald. Die Falle speichere elastische Energie in den gespannten Seidenfäden und setze sie schlagartig frei – ähnlich wie eine vorgespannte Feder. «Die dabei erreichten Leistungswerte liegen um mehrere Größenordnungen über dem, was Muskeln allein erzeugen könnten. Selbst andere Spinnen mit katapultartigen Fangnetzen werden übertroffen.»

Eine australische Ballista-Spinne beim Bau einer Falle für Ameisen. Foto: Pranav Joshi/Ajay Narendra/dpa
Eine australische Ballista-Spinne beim Bau einer Falle für Ameisen.

Spezifische Beute im Visier

In allen 35 Beobachtungen wurden nach Studienangaben Ameisen der Art Oecophylla smaragdina gefangen, was auf eine ausgeprägte Beutespezialisierung hinweise. Ameisen drei anderer Arten, die neben die Spinnfädenkegel gesetzt worden seien, hätten nicht darauf reagiert. Dies deute darauf hin, dass die Spinne möglicherweise Pheromone auf den Kegel aufbringe, um gezielt Arbeiterinnen von Oecophylla smaragdina anzulocken und deren aggressives Angriffsverhalten auszulösen, schreibt das Team.

«Die Entdeckung zeigt, wie weit Spezialisierung in der Natur gehen kann. Aus dem ständigen Wettstreit zwischen Räuber und Beute ist eine Falle entstanden, die zu den leistungsfähigsten biomechanischen Systemen gehört, die bislang bekannt sind», ergänzt Wolff.

Die Ballista-Spinne habe mit dem Einsatz einer Falle, die von der Beute selbst ausgelöst werde, offenbar einen bemerkenswerten Weg entwickelt, eine gefährliche und äußerst aggressive Beutegruppe zu überwältigen, schließen die Forschenden. «Diese kraftverstärkte Fangvorrichtung zeigt eindrucksvoll, wie extreme ökologische Spezialisierung die Evolution außergewöhnlicher biomechanischer Leistungen vorantreiben kann.»