Polizei

Gewalt gegen Ordnungshüter in Hessen auf Höchststand

Elektroschocker für jedes Polizeiauto. Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) verurteilte in Heppenheim Angriffe auf Polizeibeamte scharf und kündigte Maßnahmen an.

Das Archivbild zeigt die Suchaktion der Heppenheimer Polizei nach vermissten Jugendlichen in Birkenau. Foto: Philipp Reimer
Das Archivbild zeigt die Suchaktion der Heppenheimer Polizei nach vermissten Jugendlichen in Birkenau.

Dass Angriffe auf Ordnungshüter „unverständlich“ und „absolut inakzeptabel“ sind, betonte der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU) bei seinem Besuch bei der Heppenheimer Polizeidirektion Bergstraße. Dort erkundigte sich der Minister sich nach den Sorgen und Nöten der Beamten vor Ort und warf einen Blick auf die Entwicklung von Straftaten in dem Zuständigkeitsbereich mit seiner Fläche von 719 Quadratkilometern und seinen 275 000 Einwohnern.

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Ein Deliktfeld, in dem Polizisten immer häufiger ermitteln müssen, sind Angriffe auf die eigenen Kollegen. Besonders erschütternd hallt hier die Tötung des Mannheimer Polizisten Rouven Laur nach. Die Messerattacke bezeichnete Innenminister Poseck als brutal und verwerflich. Laur sei aus dem Leben gerissen worden, weil er sich für andere Menschen und den Rechtsstaat eingesetzt habe. Über die Ländergrenzen hinweg sorge diese schreckliche Tat immer noch für Trauer und Entsetzen.

Im vergangenen Jahr wurden 5251 Frauen und Männer von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten Opfer einer Straftat, was ein trauriger Höchstwert ist. Polizeibeamte waren in Südhessen 513 Mal betroffen, im Kreis Bergstraße 58 Mal. Im Rhein-Neckar-Kreis stieg dieses Deliktfeld überproportional an. Dort verzeichnete das Polizeipräsidium Mannheim 2023 mit 156 Vorfällen einen Anstieg von 14,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Diese Steigerung war fast doppelt so hoch wie in den Städten Mannheim und Heidelberg. Im gesamten Präsidiumsbereich (also einschließlich Heidelberg und Mannheim) gab es 522 Akte von Gewalt gegen Polizisten, mehr als jeder zweite war ein tätlicher Angriff.

Zurück über die Landesgrenze und in die Polizeidirektion in Heppenheim: Dort war der Innenminister stolz, dass Südhessen 2023 bereits das sechste Jahr in Folge die sicherste Region im Bundesland war. Dennoch wurden sowohl in Südhessen (47 407 Straftaten) als auch im Kreis Bergstraße (9408) mehr Delikte verzeichnet. Namentlich bedeutete das eine Steigerung von 4,8 Prozent. Damit liegt der Landkreis Bergstraße trotzdem deutlich unter dem hessenweiten Trend von 7,8 Prozent Fallzahlensteigerung. Fast zwei von drei Straftaten konnten aufgeklärt werden. Und im benachbarten Rhein-Neckar-Kreis? In dem Gebiet mit fast doppelt so vielen Einwohnern wie im Kreis Bergstraße gab es auch zweieinhalbmal so viele Straftaten – insgesamt 23 915. Die Aufklärungsquote lag mit 59,1 Prozent nur knapp unter der der Bergsträßer Polizei (59,3 Prozent).

Innenminister Roman Poseck (Mitte, CDU) verurteilte Angriffe auf Polizeibeamte scharf und kündigte Maßnahmen an. Foto: PP Südhessen
Innenminister Roman Poseck (Mitte, CDU) verurteilte Angriffe auf Polizeibeamte scharf und kündigte Maßnahmen an.

Was beide Kreise und ganz Deutschland gemeinsam haben: Die bereits erwähnte Gewalt gegen Polizisten. Dieser sagte Roman Poseck in Heppenheim den Kampf an: „Mehr denn je verdient unsere Polizei Schutz, Respekt und Rückendeckung von Politik und Gesellschaft. Wir haben ein Respektpaket geschnürt, das wir in den nächsten Wochen umsetzen werden, um dem gesellschaftlichen Trend der Verrohung und Respektlosigkeit entgegenzuwirken und die Sicherheit unserer Einsatzkräfte zu erhöhen“, versprach der CDU-Politiker.

„Taser für jeden Streifenwagen“

Im hessischen Landtag sprach Poseck erst vor kurzem von einer massiven Investition in die Ausstattung von Polizisten. Zum Thema „Ein ‚Taser‘ für jeden Streifenwagen – Polizeikräfte endlich besser schützen“ erklärte er, das Innenministerium befinde sich in einer einmaligen Ausstattungsoffensive der hessischen Polizei mit sogenannten Distanzelektroimpulsgeräten. Sie könnten als Alternative zur Schutzwaffe eingesetzt werden und dabei zugleich auf das Gegenüber abschreckend wirken