Messerattacke auf Mannheimer Marktplatz: mehrere Menschen verletzt
Ein Polizist schwebt in Lebensgefahr, ein bekannter Islamkritiker wurde schwer verletzt. Was wir bisher über die Bluttat von Mannheim wissen.
Eine brutale Messerattacke ereignete sich am Freitagvormittag auf dem Marktplatz in Mannheim. Ein Polizist schwebt in Lebensgefahr, der bekannte Islamkritiker Michael Johannes Stürzenberger (59) wurde schwer verletzt. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Was ist am Freitag auf dem Marktplatz in Mannheim passiert?
Gegen 11.35 Uhr geht ein Mann mit einem Messer auf mehrere Personen los, die sich auf dem Mannheimer Marktplatz aufhalten. Dort sollte offenbar kurze Zeit später eine Kundgebung der Bürgerbewegung Pax Europa (BPE) stattfinden, bei der auch der deutschlandweit bekannte Islamkritiker Michael Johannes Stürzenberger sprechen sollte. Der Angreifer attackiert mit dem Messer zunächst Stürzenberger, später sticht er auch zweimal auf den Hals eines Polizisten ein. Dieser schwebt laut Sicherheitskreisen in Lebensgefahr, muss notoperiert werden. Polizei und Staatsanwaltschaft gingen in einer Pressemitteilung am Freitagabend nicht näher auf die Verletzungen ein. "Über das Ausmaß und die Schwere der Verletzungen bei den Betroffenen kann bislang keine Aussage getroffen werden", heißt es wörtlich. Insgesamt wurden sieben Menschen verletzt, fünf Angehörige der Bürgerbewegung, der Polizist und der Angreifer selbst.
Hat die Polizei auf den Angreifer geschossen?
Wie die Polizei Mannheim in einer Pressemitteilung schreibt, wurde auch von einer Schusswaffe Gebrauch gemacht, um den Messerangreifer zu stoppen. In einem Video, das auf X (früher Twitter) und in anderen sozialen Netzwerken kursiert, sieht man, wie mehrere Polizisten ihre Dienstwaffen auf den Angreifer richten. Immer wieder hört man eine Polizistin in Richtung des Täters schreien: "Waffe weg!" - dann ist ein Knall zu hören, der Angreifer geht zu Boden und wird schließlich von Beamten überwältigt.
Was weiß man über den Angreifer?
In der Pressemitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitagabend heißt es lediglich: "Die Identität des Angreifers ist derzeit noch ungeklärt."
Wer ist Michael Johannes Stürzenberger?
Stürzenberger ist Journalist, Blogger und politischer Aktivist. Er war unter anderem Pressesprecher der Münchner CSU und früherer Bundesvorsitzender der inzwischen aufgelösten Partei "Die Freiheit". Stürzenberger ist als Islamkritiker bekannt und wurde diesbezüglich auch zehn Jahre lang vom bayerischen Verfassungsschutz beobachtet, dieser bezeichnet ihn als "die zentrale Figur der verfassungsschutzrelevanten islamfeindlichen Szene in Bayern“.
Was ist die Bürgerbewegung Pax Europa?
Die Bürgerbewegung Pax Europa e.V. ist ein rechtspopulistischer Verein mit Sitz in Krefeld. Die BPE hat es sich nach eigenen Angaben zum Ziel gesetzt, über die "schleichende Islamisierung Europas" aufzuklären. Ihr offizieller Solgan: "Für den Schutz under Erhalt europäischer Werte und Freiheiten. Gegen den politischen Islam!". Am Freitag war auf der Homepage auch eine "Eilmeldung" mit dem Titel "Messer-Attentat bei BPE-Kundgebung" zu lesen. Dort heißt es, Stürzenberger habe nach Augenzeugenberichten schwere Verletzungen im Gesicht erlitten und werde in der Unfallklinik Ludwigshafen behandelt.
Wie gehen die Ermittlungen jetzt weiter?
Das Landeskriminalamt hat in Kooperation mit dem Polizeipräsidium Mannheim unter der Federführung der Staatsschutzabteilung der Staatsanwaltschaft Karlsruhe die Ermittlungen übernommen.
Zeugenhinweise nimmt das Landeskriminalamt unter der Telefonnummer 0711/5401-3360 entgegen. Videos können über das Hinweisportal der Polizei Baden-Württemberg unter https://bw.hinweisportal.de übermittelt werden.
Wie reagieren Politiker auf die Bluttat?
Der Mannheimer Oberbürgermeister Christian Specht kam noch um die Mittagszeit zum Mannheimer Marktplatz. Er sagte: "Dieser brutale Angriff erschüttert und schockiert uns, er macht uns sprachlos", so der CDU-Politiker. Er sei in Gedanken bei dem verletzten Polizisten und auch bei den anderen Opfern. Zugleich rief er die Menschen dazu auf, nicht über die Hintergründe der Tat zu spekulieren, sondern stattdessen die Ergebnisse der Ermittlungen abzuwarten.
Nur wenige Stunden nach der Tat meldete sich als eine der ersten Parteien und Wählervereinigungen die AfD (Alternative für Deutschland) mit einer Pressemitteilung zu Wort. Stephan Brandner, stellvertretender Bundessprecher der Alternative für Deutschland, zeige sich entsetzt über den Angriff. "Die Brutalität des Vorgehens ist schockierend, ich wünsche Michael Stürzenberger, dem verletzten Polizisten und den weiteren Betroffenen eine schnelle Genesung", wird Brandner zitiert. Der Vorfall zeige das bisherige Versagen von Politik und Gesellschaft auf breiter Front.
Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) postete unter anderem auf X ein Statement. Er zeigte sich erschüttert über die Gewalttat. "Die Bilder aus Mannheim sind furchtbar", schrieb der SPD-Politiker am Freitag. "Mehrere Personen sind von einem Attentäter schwer verletzt worden. Meine Gedanken sind bei den Opfern. Gewalt ist absolut inakzeptabel in unserer Demokratie. Der Täter muss streng bestraft werden." Bundesinnenministerin Nancy Faeser sprach von einem schrecklichen Verbrechen. Die Bilder seien "erschütternd". Auch führende CDU-Politiker zeigten sich entsetzt.
Was sagt die islamische Gemeinde von Mannheim?
Für die Islamische Religionsgemeinschaft DITIB Baden-Württemberg ist der "schockierende Vorfall" ein Angriff auf die Grundwerte unserer offenen Gesellschaft. Wie DITIB mitteilt, würden Hass und Gewalt eine große Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und das friedliche Zusammenleben dar. "Als Muslime und Bürger dieses Landes stehen wir klar für Meinungsfreiheit und lehnen jegliche Form von Hass und Gewalt strikt ab."
Der Vorsitzende der islamischen Religionsgemeinschaft DITIB Baden-Württemberg Erdinç Altuntaş und Vorsitzender der DITIB Mannheimer Gemeinde Hızır Oymak betonen, dass die Meinungsfreiheit ein hohes Gut ist, das es zu schützen gilt. Unterschiedliche Ansichten und Kritik sind in einer pluralistischen Gesellschaft unvermeidlich und notwendig. Gewalt kann und darf niemals eine Antwort auf Meinungsäußerungen sein.