Gemeindevertretung

Ärztehaus in Wald-Michelbach ist jetzt endgültig vom Tisch

Rechtliche Vorgaben und politische Bedenken verhindern eine schnelle Entscheidung darüber, wie das Gebäude In der Gass 5a in Wald-Michelbach nun genutzt werden soll.

Wie das Erdgeschoss des Anwesens In der Gass 5a genutzt werden soll, wird in Wald-Michelbach schon seit vielen Jahren angeregt diskutiert. Für das Thema Ärztehaus gab es jetzt zumindest eine klare Absage. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Wie das Erdgeschoss des Anwesens In der Gass 5a genutzt werden soll, wird in Wald-Michelbach schon seit vielen Jahren angeregt diskutiert. Für das Thema Ärztehaus gab es jetzt zumindest eine klare Absage.

Wald-Michelbach. In schöner Regelmäßigkeit ploppt seit einiger Zeit der Bebauungsplan „Am Stickel“ in den gemeindlichen Gremien auf. Die Gemeindevertretung befasste sich schon vor knapp zwei Jahren mit der Nutzungsänderung, im Bau- und Umweltausschuss war sie vergangenen November Thema – und jetzt wieder. Damals wie heute wurde keine Entscheidung gefällt. Zuerst wollen die Mandatsträger noch einmal die offenen Punkte klären.

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Es ging damals wie heute um eine Umnutzung von Räumen In der Gass 5a in Wald-Michelbach für Betreutes Wohnen. Diese waren eigentlich für eine Arztpraxis vorgesehen. Vor acht Jahren lautete die ursprüngliche Idee nämlich anders: ein medizinisches Versorgungszentrum zu etablieren. Doch das gestaltete sich schwierig, auch wenn es im Hintergrund Gespräche zwischen Gemeindevorstand und Ärzteschaft gab. Kürzlich kam die definitive Absage.

Im April 2023 wurde die Thematik vertagt, bis es neue Informationen gibt. Hintergrund war und ist immer noch, wie im Bauausschuss erläutert wurde, dass die geplanten Gewerbeflächen im Erdgeschoss des Anwesens In der Gass 5a nicht vermietet werden können, weil es aktuell keine Nachfrage nach dem Objekt und der Nutzung als Arztpraxis gibt. Deshalb entstanden bereits im Vorgriff weitere sieben Ein-Raum-Apartments für Betreutes Wohnen, da es dafür eine deutliche Nachfrage gab.

Als Mischgebiet ausgewiesen

Der Antrag zur Nutzungsänderung wurde allerdings von der Bauaufsicht des Kreises in Heppenheim negativ beschieden. Das Grundstück wurde im damals aufgestellten Bebauungsplan als Mischgebiet ausgewiesen. Daher wäre mit der Änderung eine entsprechende Durchmischung der geplanten Nutzung nicht mehr gegeben, so die Mitteilung der Behörde – eine Vorgehensweise, die schon in der Gemeindevertretung auf Widerspruch traf.

Bürgermeister Dr. Sascha Weber erläuterte, dass man der Ärzteschaft Planentwürfe vorlegte und sich auch offen dafür zeigte, deren Anregungen mit aufzunehmen. Allerdings habe sich die Bezuschussungspolitik des Landes als ungenügend erwiesen, sodass eine Realisierung vor diesem Hintergrund schwierig gewesen sei. Dem Rathauschef zufolge konnten außerdem in den Wald-Michelbacher Hausarztpraxen Nachfolger gefunden werden. Somit gab es keinen Bedarf für eine Gemeinschaftspraxis. Trotz alledem sollte der bisherige Bebauungsplan mit der Realität in Einklang gebracht werden, betonte er.

Gebäude sollte von Anfang an Kombiprodukt sein

Eigentümer Cetin Bicer habe über mehrere Jahre versucht, die eigentliche Planung zu realisieren. Er zeige sich den Vorstellungen der Gemeinde gegenüber sehr offen und gesprächsbereit. Bicer habe angeboten, so Weber, das nebenan liegende Haus Linnemann abzureißen und neu zu bauen, sollte einmal der Bedarf für ein Ärztehaus entstehen. „Das Thema ist inzwischen acht Jahre alt“, sagte Stefan Doetsch (CDU). Von Anfang an war das Gebäude als Kombiprodukt vorgesehen. Es wurden aber nun Fakten geschaffen, „die jetzt legalisiert werden sollen“. Das schmeckte ihm nicht, weil dadurch ein Präzedenzfall geschaffen werde. Er hielt eine Kombilösung weiterhin für die bessere.

Wenn schon nachträglich gutheißen, wollte Doetsch zumindest alles, inklusive der angebotenen Ersatzmöglichkeit, in einen städtebaulichen Vertrag gießen. Die Gemeinde sollte seiner Meinung nach eine Zugriffs- und Gestaltungsmöglichkeit haben, wünschte er sich. Insgesamt sah er die Thematik deshalb noch nicht als entscheidungsreif an, weil eine entsprechende Vereinbarung erst noch ausgearbeitet werden sollte. Weber entgegnete, dass die Forderung der Gemeinde angemessen sein müsste. Das Faustpfand sollte seiner Meinung nach nicht zu groß sein.

Gespräch „böse in die Hose gegangen“

Für Jörg Maletz (BfW) ist das Gespräch mit der Ärzteschaft „böse in die Hose gegangen“. Die Ärztesituation werde sich noch weiter verschlechtern, befürchtete er, „wenn sich die Gemeinde nicht dahinterklemmt“. Schon in den vergangenen Jahren habe es eine negative Tendenz gegeben.

Betreutes Wohnen ist für Maletz immer eine zu unterstützende Sache. Deshalb sollte man das Ansinnen des Bauherrn genehmigen, da die Ansiedlung eines Ärztehauses gescheitert sei. „Ich kann kein Ärztehaus bauen, wenn kein Arzt dort hinwill“, entgegnete Weber. Unterstützung erhielt er von Doetsch. „Das ist keine Planwirtschaft“, meinte dieser. Die Ärzte hätten sich anders entschieden. Taner Eker (FDP) störte sich daran, dass die Umwidmung ohne das Einverständnis der Gemeinde geschah. Dass es kein Ärztehaus gibt, fand er schade. Man sollte sich den angebotenen Ausgleich schriftlich bestätigen lassen, wünschte er sich, damit bei Bedarf ein anderes Objekt zur Verfügung steht. Alfred Wolf (SPD) hielt es für schwer, beides miteinander zu verbinden, da die Punkte eigentlich nichts miteinander zu tun hätten. Man sollte sich Gedanken machen, um Vorsorge zu treffen. Der Bürgermeister ergänzte, dass es die Zusicherung von Bicer gebe, das Objekt Linnemann fachärztlich auszubauen, wenn nötig. Der Ausschuss war sich einig, alles noch einmal im Ältestenrat zu besprechen. (tom)