Affolterbach: Zwei Brüder aus Aschbach entwickeln Roboter für den Pferdebetrieb
Die Brüder Sven und Nils Arnold starten mit einem Geräteträger durch, der vor allem Pferdehalter unterstützen soll – positive Rückmeldung kommt schnell.
Wald-Michelbach. Junge, technikverrückte Menschen mit innovativen Ideen gibt es nicht nur im Silicon Valley, sondern auch direkt im Überwald. Die Aschbacher Brüder Sven und Nils Arnold sind zwei von ihnen. Seit 2020 tüfteln sie an einem vollautomatischen Geräteträger. Was für Gärtner der Rasenmähroboter ist, ist für Pferdebetriebe der „ODW Robotics“. Entstanden aus einer „Schnapsidee“, ist der kleine, 200 Kilogramm schwere Roboter laut den beiden Brüdern deutlich erfolgreicher, als sie anfangs gedacht hätten. Um ihren Roboter zu vermarkten, gründen sie die Firma „ODW Engineering“ in Affolterbach.
Kein Schneeschieben mehr
Werden die Brüder auf die Ideenfindung ihres neuesten Projekts angesprochen, müssen beide lachen. 2020 kaufen sie das Gebäude, in dem vorher die Volksbank in Affolterbach war, und wandeln es zum Hauptsitz ihrer Firma „Adtance“ um. Über diese verkaufen sie „After Sales Service Technologien“ – also digitale Lösungen, die Unternehmen dabei unterstützen sollen, ihre Kunden auch nach dem Kauf eines Produkts zu betreuen.
Der Bankautomat der Volksbank bleibt weiterhin für Kunden verfügbar. Als neue Gebäudebesitzer sind die Arnolds von nun an für das Schneeschieben verantwortlich, damit sich niemand auf dem Weg zum Geldabheben verletzt. Für sie ist klar: Es braucht eine effiziente Lösung. Spontan entsteht der Gedanke, einen Roboter zu entwickeln, der das Schneeschippen für sie übernimmt. „Sven hat sich direkt am nächsten Tag hingesetzt und den ersten Entwurf für die Umsetzung entwickelt“, erzählt Nils Arnold.
„Wir haben immer etwas auseinandergenommen. Die Neugier begleitet uns bis heute“ - Nils Arnold
Es braucht mehrere Jahre – vom Rohentwurf über den Prototyp bis zum jetzigen Robotermodell. Vom Räumungsdienst für das private Grundstück entwickelt sich der Roboter schließlich zur Hilfe für Pferdebetriebe weiter. Nils Arnold ist selbst Pferdebesitzer und bekommt schnell mit, dass zwar jeder gerne in einer sauberen Halle reitet, aber niemand die Arbeit übernehmen möchte oder es an Arbeitskräften fehlt. Kurzerhand entwickeln die Brüder einen Pferdemistsammler und einen Reitplatzplaner, ein Gerät zur Glättung und Ebnung des Bodens, als Anbaugeräte.
Leidenschaft fürs Tüfteln
Große Rückschläge in der Entwicklung seien den Gründern erspart geblieben, wie sie berichten. Probleme gibt es in der Anfangszeit laut den Brüdern vor allem mit Zulieferteilen anderer Firmen. Oft mangelt es an Qualität oder das Material ist ungeeignet. „Es brauchte eine gewisse Lernphase, bis wir genau wussten, wie wir den Roboter zusammenbauen“, erinnert sich Sven Arnold an die Anfänge. Jeder Roboter wird von den Aschbachern in Affolterbach von Hand gebaut. Nur Teile, die zugeschnitten werden müssen, beziehen sie von anderen Firmen – dafür fehle noch das richtige Equipment.
Ein Kaufmann und ein Techniker
Seit ihrer Kindheit teilen die Arnold-Brüder eine große Leidenschaft für Technik und Maschinen. „Wir haben immer etwas auseinandergenommen. Die Neugier begleitet uns bis heute“, erzählt der 32-jährige Nils. Während es ihn beruflich in die kaufmännische Richtung zieht, geht sein Bruder in der Technik auf – eine Mischung, die sie als mitverantwortlich für den Erfolg ihrer heutigen Firmen sehen.
Nils Arnold kümmert sich ums Geschäftliche und ist für Kundengespräche zuständig, sein älterer Bruder „setzt die Wünsche der Kunden um“ und verantwortet die Technik. „Große Entscheidungen fällen wir immer zusammen, ansonsten ist jeder Herr über sein Hoheitsgebiet. Wir nutzen die Stärken des Anderen“, erzählt der 37-Jährige. Anfang März stellen die Brüder ihren Roboter auf der „Equitana“ vor. Von der größten Pferdesportmesse der Welt erwarten die Arnolds im Vorfeld nicht viel. Vielmehr sei es ihnen darum gegangen, Kontakte zu knüpfen und das Produkt erstmals vor großem Publikum zu präsentieren. Mit dem Andrang rechnet keiner von beiden: Knapp 30 bis 40 Bestellungen nehmen sie auf der Messe entgegen. „Wir waren überwältigt. Es ist ein tolles Gefühl, wenn die eigene Idee so gut ankommt“, erinnert sich Nils Arnold an die „Equitana“. Die Aschbacher sind überzeugt: Mit ihrem Roboter und den passenden Anbaugeräten haben sie einen Nerv in der Pferdebranche getroffen.
Neuer Standort benötigt
Die zwei sind nicht nur Unternehmer, sondern wollen auch lokalen Feuerwehren ihren eigenen Geräteträgerroboter bei Bedarf zur Verfügung stellen. Auf den Roboter soll dann ein 200-Liter-Wasserfass gebaut werden. Mit seiner Wendigkeit könne der Roboter vor allem bei der Nachbrandbekämpfung im Gelände eine Hilfe sein, um auch kleinere Glutnester zu löschen, erklärt Sven Arnold den möglichen Nutzen. Momentan existiert die Idee allerdings nur als Prototyp.
Für die Zukunft ihrer Firma haben die Brüder bereits konkrete Pläne. Sie wollen einen weiteren Standort eröffnen. „Im Augenblick bauen wir unsere Roboter quasi in unserem Büro – das sollte sich schon bald ändern“, erzählt Sven Arnold. Im Mai stehe zudem eine Deutschlandtour an, bei der sie verschiedene Höfe anfahren und vor Ort Roboter und Firma vorstellen wollen. 38 Höfe haben sich mittlerweile dafür angemeldet.
Nils Arnold hat ein Ziel für das restliche Jahr: 30 fertige Roboter sollen Affolterbach im Laufe des Jahres verlassen. Der 32-Jährige zeigt sich optimistisch: „Ich bin mir sicher, wir schaffen auch mehr.“ So ist der Stall also erst der Anfang? Die Brüder müssen schmunzeln. Sie freuen sich erst einmal auf die kommende Zeit und planen, ihren Geräteträgerroboter für immer mehr Branchen verfügbar zu machen.