Begeisternde Aufführung der Aschbacher Theatergruppe
Mit der Bahnhofskomödie in drei Akten „Es fährt kein Zug nach Irgendwo“ bietet die Aschbacher Theatergruppe allerbeste Unterhaltung
Der ICE 6948 von Grasellenbach nach Mannheim endet aufgrund einer dauerhaften Betriebsstörung am Hauptbahnhof in Aschbach. Die Gestrandeten versuchen verzweifelt ihre Reise fortzusetzen, aber der Servicepoint der Deutschen Bahn ist geschlossen und es gibt auch kein Taxi. Zu alledem erfahren sie dann noch, dass ein Psychiatriepatient mit ihnen im Zug war. Dieses Szenario wurde von der Theatergruppe Aschbach in brillanter Art und Weise am Freitag- und Samstagabend auf die Bühne und in die Mehrzweckhalle gebracht.
Start mitten im Publikum
Nach der Begrüßung durch die Moderatorin Eva Wetter haben sich wohl alle Besucher gefragt, warum im Gang zwischen ihnen einzelne Stühle standen: Diese Frage wurde schnell beantwortet, denn die Fahrgäste des ICE 6948 von Grasellenbach nach Mannheim nahmen dort Platz.
Die Fahrgäste waren: die beiden Kegelschwestern Thea, eine leidenschaftliche Esserin und Fan des Thermomix, und Larissa, eine unterhaltsame Lebefrau, die ihre Kegelschwestern gern zum Trinken anheizt; Victoria , eine gehetzte Karrierefrau, die jeden Tag versucht, ihre kostbare Zeit absolut effizient zu nutzen; Sieglinde Sieg, die abgedrehte Motivationstrainerin, und Hubert, ein eigenwilliger Verschwörungstheoretiker. Alle haben wichtige persönliche Termine: Kegelausflug, einen entscheidenden Geschäftstermin, Workshop und einen Vortrag.
ICE stoppt wegen Betriebsstörung
Kaum haben die Reisenden Platz genommen und sich mit Getränken und Essen versorgt, stoppt der Zug und die Ansage lautet: „Der ICE stoppt hier in Aschbach wegen einer dauerhaften Betriebsstörung.“ Was nun? Im Bahnhofsgebäude gibt es keinen Servicepoint und keinen Handyempfang – nur die Landstreicherin Uschi, die dort schläft und sich vor dem Wind schützt. Zwei Welten treffen aufeinander: die von Uschi, die glücklich mit ihrem freien und bescheidenen Leben ist, und die der von Terminen gehetzten Fahrgäste. Jeder versucht auf seine Art sich Hilfe zu holen: Victoria mit dem Handy, aber die Mitarbeiterin der Bahn stellt ihr ein Heißgetränk als Entschädigung in Aussicht. Hubert geht los, um einen Schaffner zu suchen, und verbreitet und dokumentiert seine Feindbilder gegenüber der Deutschen Bahn. Sieglinde macht Entspannungsübungen und die Kegelschwestern gehen ihren Vorlieben Essen und Trinken nach. Nur Uschi behält die Ruhe und macht Musik mit ihrer Mundharmonika.
Nachdem auch noch der ICE abgeschleppt wurde, kommt endlich Hoffnung auf, denn eine Regionalbahn nach Mannheim wird angekündigt, aber auch deren Ankunft verschiebt sich aufgrund von Sturmschäden auf unbestimmte Zeit. Ein Taxiunternehmen hat schon vor zehn Jahren Pleite gemacht – so Uschi.
Hubert definiert die Ziffern des ICE 6948 in die Buchstabenfolge FIDH (Fahrt in die Hölle) um. Uschi bietet Victoria Ravioli an und verkleckert deren Bluse – dies ähnelt einem Blutfleck.
Wendung durch Polizistin
Plötzlich taucht die Polizistin Conny auf und alle erhoffen sich von ihr Hilfe. Aber mitnichten: Sie versetzt die Fahrgäste in Angst und Schrecken, denn sie eröffnet ihnen, dass ein Psychiatriepatient mit im Zug war, der zur Behandlung nach Mannheim fahren sollte – er trägt ein gelbes Kleidungsstück und ist jetzt verschwunden. Jetzt suchen die Gestrandeten die Person im Publikum und halten Ausschau nach dem gelben Outfit. Thea und Larissa trinken sich Mut an – mehr als für sie gut ist, und Victoria gerät aufgrund ihres Flecks in Verdacht. Aber letztendlich erkennen sie, dass Sieglinde ein gelbes T-Shirt trägt und sie wird gefesselt und geknebelt – und die Polizei wird verständigt. Nur Uschi behält die Ruhe und musiziert auf ihrer Mundharmonika.
Ein Plan wird geschmiedet
Als die Polizistin Conny auftaucht und ihre vorherige Aussage revidiert, denn der Patient soll einen orangefarbenen Pulli tragen, fassen die Fahrgäste einen Plan. Victoria kleidet sich in der Farbe Orange und sie, Sieglinde und Hubert hoffen durch diesen Trick mit der Polizei nach Mannheim zu kommen. Victoria entwendet aus dem Koffer von Thea einen orangefarbenen Schal und spielt Conny die „Verrückte“ vor. Doch jetzt erscheint Jürgen – der Patient – mit einer orangenen Jacke, spricht von außerirdischer Bedrohung und versteckt sich unter einer Einkaufstasche. Jürgen wird vor der Polizistin versteckt. Alle Täuschungsversuche von Victoria – auch das Zerreißen des Protokolls –haben nicht die gewünschte Wirkung. Conny erkennt ihren Patienten, den sie alleine nach Mannheim zur Behandlung bringen soll. Sie verfolgt ihn, und die anderen müssen wohl oder übel in Aschbach bleiben und verpassen ihre Termine.
Die Wendung kommt
Plötzlich haben alle wieder Handyempfang und Sieglinde und Victoria erhalten Anrufe – der Workshop und der Geschäftstermin fallen aus. Victoria kündigt ihre Stellung und will Reiseführerin werden, und Hubert kann doch seinen Vortrag halten – denn die Regionalbahn fährt doch noch. Alle können ihre Reise fortsetzen und Uschi hat wieder ihre Ruhe. Die letzte Ansage der Deutschen Bahn lautet: „Die RB 23 hat eine Störung und endet in Stallenkandel ...“
Mit lang anhaltendem Beifall und stehenden Ovationen zeigte das Publikum seine Begeisterung. Auch in diesem Jahr sollen die Einnahmen der Veranstaltungen wieder gespendet werden und so rief Sabrina Fischer die Besucher auf, Vorschläge für den Spendenempfänger zu machen.