Birkenauer Bäckerei Kadel droht Insolvenz
Insolvenzverwalterin Sylvia Rhein geht nicht davon aus, dass der Birkenauer Betrieb weitergeführt werden kann. 35 Mitarbeiter sind betroffen.
Zuerst war von einer Krankheit als Grund für eine „vorübergehende Schließung“ der Birkenauer Bäckerei Kadel die Rede. Dann aber machte immer häufiger das Gerücht von einer Insolvenz des Betriebs die Runde, ein Gerücht, das sich vor einigen Tagen als Wahrheit erwies. In seinen Insolvenzbekanntmachungen machte das Amtsgericht Darmstadt öffentlich, dass gegen die Bäckerei Kadel die „vorläufige Verwaltung“ angeordnet wurde.
Zur vorläufigen Insolvenzverwalterin wurde Sylvia Rhein von der Kanzlei Rhein Rechtsanwälte in Bensheim bestellt. Sie konnte am Montag im Gespräch mit unserer Redaktion nur wenig Hoffnung auf einen Fortbestand der Birkenauer Bäckerei machen: „Ich gehe davon aus, dass der Betrieb nicht mehr weitergeführt wird“, ein Umstand, den die Anwältin selbst bedauert: „Ich bin auch traurig“, bekannte Sylvia Rhein, denn: „Es ist immer super, wenn wir sagen können, dass wir es geschafft haben und ein Unternehmen gerettet werden kann.“
Verfahren ergebnisoffen
Generell sei ein Insolvenzverfahren ergebnisoffen. Zunächst mache sich der Insolvenzverwalter ein umfassendes Bild vom Vermögen des Antragstellers. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass es uns gelingt, den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten. Aber es gibt natürlich auch Fälle, in denen der Betrieb schon zum Erliegen gekommen ist.“
Nach dem aktuellen Stand der Dinge sei also davon auszugehen, dass die Bäckerei mit ihren Filialen in Rimbach, Mörlenbach-Weiher und Weinheim dauerhaft geschlossen sein wird. Betroffen seien insgesamt 35 Mitarbeiter, von denen 20 in einem geringfügigen Beschäftigungsverhältnis gestanden hätten.
Über die Gründe, warum der Birkenauer Betrieb den Insolvenzantrag gestellt habe, dürfe sie keine Angaben machen, sagte die Anwältin weiter. „Das Insolvenzverfahren ist nicht öffentlich.“ Entsprechende Informationen könne daher nur Inhaber Marco Kadel selbst geben. Der ist aber trotz mehrfacher Versuche telefonisch bisher nicht zu erreichen gewesen.
„Immer sehr gute Produkte“
Die Nachricht von der Schließung der Bäckerei ist seitens der Bevölkerung mit großem Bedauern aufgenommen worden. Auch der Vorsitzende des Birkenauer Gewerbevereins, Joachim Mitzel, äußerte sich betroffen. „Die Bäckerei Kadel hatte immer sehr gute Produkte. Die Kunden kamen teilweise auch von außerhalb, um Brot oder Brötchen zu kaufen.“ Mitzel, Inhaber der Rathaus-Apotheke, sieht mit Sorge, wie in Birkenau immer mehr Geschäfte schließen. „Der Trend geht dazu, sich schnell an den Computer zu setzen und das gewünschte Produkt im Internet zu bestellen. Das spüren auch wir Apotheker.“
Auch bei Facebook äußern zahlreiche User ihr Bedauern über die wohl dauerhafte Schließung des Betriebs. „Oh Mann! Und wieder hat es eine Familientraditionsbäckerei erwischt. Das ist so ein Jammer, die Backwaren waren qualitativ so hochwertig und delikat. Da hat man auch gern mal ein bisschen mehr bezahlt“, schreibt eine Userin. Sehr einfühlsam äußert sich eine weitere Dame auf Facebook: „Ein Insolvenzantrag ist immer die Ultima Ratio. Sicher wird solch eine Entscheidung weder über Nacht noch aus Lust und Dollerei gefällt. Es tut mir sehr leid, denn einhergehen auch Verlustängste und meist sehr viel Herzleid, denn es handelt sich ja schließlich auch um geplatzte Träume.“
„Oh nein, wie traurig“, fasst eine andere Kundin ihre Gedanken auf Facebook zusammen. So hochwertige Backwaren finde man nur ganz selten. „Superschade und ein echt großer Verlust.“