Bundestagswahl im Odenwald - Hohe Wahlbeteiligung zeichnet sich in der Region ab
Reger Betrieb herrschte am Sonntagmorgen in Wahllokalen in Fürth und im übrigen Weschnitztal. Welche Themen den Menschen wichtig sind und warum sie wählen gehen.
Weschnitztal/Fürth. Deutschland wählt am heutigen Sonntag einen neuen Bundestag. Seit den Morgenstunden sind die Wahllokale auch in der Region geöffnet - wir haben uns in Fürth und im übrigen Weschnitztal umgehört, wo schon am Sonntagmorgen reger Betrieb herrschte.
Als die Wahlhelfer kurz vor der Eröffnung um 8 Uhr in die Alte Schule im Fürther Ortsteil Lörzenbach kamen, standen dort schon die ersten Bürger Schlange. Gegen 11.30 Uhr hatte bereits über die Hälfte der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Und die Stimmung war gut, was zum einen gewiss am schönen Wetter lag, zum anderen aber auch an den gut aufgelegten Wahlhelfern, wie Ortsvorsteher Klaus Dörsam mit einem Lachen erwähnte.
Wie genau die Bürger den Wahlvorgang nahmen, zeigte sich an einer Familie aus dem Ort. Als das kleine Enkelkind mit in die Wahlkabine wollte, wurde es von der Oma zurückgewiesen, damit ihre Stimmabgabe geheim und damit wahlrechtsmäßig korrekt erfolgen konnte. Ein Lörzenbacher wollte seine Kreuze nicht mit dem Bleistift setzen und verlangte einen Kugelschreiber. „Man will ja nichts unterstellen“, habe er gesagt, wie Dörsam berichtete. Das sei aber ein Einzelfall gewesen.
Seine Stimme gab auch Karl-Heinz Kneißl ab, Inhaber einer Baufirma in Lörzenbach. „Als Unternehmer erwarte ich von der neuen Bundesregierung, dass das Ganze in wirtschaftlicher Hinsicht wieder auf gesunde Füße gestellt wird, das ist mir ganz wichtig. Und bei der Frage der Asylbewerber muss eine klare Linie gefahren werden. Ich bin nicht rechts eingestellt, aber es ist momentan zu viel und es bereitet unserem Land auch zu viele Kosten. Da hoffe ich doch auf die neue Regierung, egal, wie es ausgeht. Was ich nicht möchte, ist, dass die AfD so viele Stimmen bekommt, dass sie vielleicht in vier Jahren alleine regieren kann.“
Wahllokale melden wesentlich mehr Wähler
Wären die Wahllokale des Weschnitztals repräsentativ, dann gäbe es bei der heutigen Bundestagswahl eine hohe Beteiligung: Von Fürth bis Birkenau meldeten die Wahllokale wesentlich mehr Wähler als noch vor drei Jahren. „Es läuft wirklich gut“, sagt zum Beispiel Tobias Schote, der das Wahllokal 1 in der Alten Schule im Fürther Zentrum leitet. Auffallend ist, dass sich unter den Wahlhelfern auch eine ganze Reihe junger Gesichter finden.
Aber auch in den Wahlkabinen selbst sind viele Erst- und Jungwähler dabei, ihre beiden Kreuzchen zu machen. Warum? „Der Krieg in der Ukraine und was sonst noch alles so abgeht, zum Beispiel das Erstarken der AfD – das ist alles nicht gut“, sagt zum Beispiel eine 21-jährige Fürtherin. Und fügt hinzu: „Ich möchte schließlich noch eine ganze Weile in diesem Land leben. Ältere Leute sagen mir, dass es schon einmal so angefangen hat.“ Ein Erstwähler ganz besonderer Art ist Dejan Budimir, der gebürtiger Kroate ist, aber schon 20 Jahre in Deutschland lebt. „Ich wähle heute zum ersten Mal“, sagt er, die doppelte Staatsbürgerschaft habe ihm das ermöglicht. „Es ist definitiv wichtig, wählen zu gehen. Die heutige Wahl ist eine der wichtigsten überhaupt.“ Seine Frau Diana sieht das auch so, befürchtet aber ein starkes Abschneiden der AfD. „Ich fürchte, das wird nicht gut ausgehen“, sagt sie, aber: „Wer nicht wählen geht, kann auch nicht gegenlenken.“
In Birkenau treffen wir auf das Brüderpaar Alessandro (22) und Noel Vitar (18). „Ich war bei meiner Wahlentscheidung ganz aufgeregt“, sagt Alessandro, „denn diese Wahl ist sehr wichtig.“ Deutschland sei in einer schwierigen Situation. „Vor drei Jahren habe ich mich darüber gefreut, wählen zu dürfen, diesmal habe ich das Gefühl, mit meinen Stimmen etwas bewirken zu können.“ Auch Bruder Noel gesteht, dass er als Erstwähler aufgeregt gewesen sei. „Ich habe mich informiert und viel gelesen, aber ich habe mir nicht vorgestellt, wie schwer es ist, eine Entscheidung zu treffen. Es könnte sein, dass das die wichtigste Bundestagswahl überhaupt ist.“ Daran sollten sich gerade auch junge Menschen beteiligen, damit es mit Deutschland wieder bergauf geht.