Kreis Bergstraße

„Corona spielt keine große Rolle mehr“

In den Odenwälder Hausarztpraxen ist nach der überwundenen Pandemie wieder der Alltag eingekehrt, im Kreiskrankenhaus gibt es aber immer noch Covid-19-Patienten.

Auch wenn alle Corona-Regelungen inzwischen aufgehoben wurden, gilt in den Arztpraxen für erkältete Patienten, dass sie eine Maske tragen müssen. Foto: Marco Schilling
Auch wenn alle Corona-Regelungen inzwischen aufgehoben wurden, gilt in den Arztpraxen für erkältete Patienten, dass sie eine Maske tragen müssen.

Maskenpflicht, Infektionen, Sieben-Tage-Inzidenz – Begriffe, die die Menschen in Deutschland und weltweit in den vergangenen Jahren in Atem hielten, treten immer mehr in den Hintergrund. Corona ist nach überwundener Pandemie weitgehend aus dem alltäglichen Leben verschwunden. Alle Beschränkungen sind längst aufgehoben, nur noch an manchen Stellen erinnern Hinweisschilder an Vorgaben wie Abstand halten oder Nies-Etikette.

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Verschwunden ist das Virus natürlich nicht, ab und an hört man im Bekanntenkreis schon noch, dass jemand „Corona“ hat. Doch dank des Schutzes, den die Bevölkerung durch Impfungen und Infektionen aufgebaut hat, hat Covid-19 seinen Schrecken verloren. So zeigen sich zwar schon noch Symptome der Erkrankung, aber letztlich verläuft diese inzwischen in der Regel wie andere virusbedingte Erkältungen.

Erkältungswelle hat sich beruhigt

So ist auch in den Arztpraxen mittlerweile wieder der vor der Pandemie herrschende Alltag zurückgekehrt. „Corona spielt aktuell keine große Rolle mehr im Praxisablauf“, berichtet beispielsweise Dr. Andrea Schindlmayer, die zusammen mit ihren Kollegen Dr. Runa Siméon und Dr. Jens-Uwe Zimpel eine Allgemeinmedizinische Gemeinschaftspraxis in Ober-Abtsteinach betreibt. Sie erinnert auf Anfrage unserer Redaktion daran, dass es nach dem Wegfall der Maskenpflicht zu einer Infektwelle diverser Erreger – grippale und andere Erkältungsviren, daneben auch immer mal wieder Corona – gekommen war, was „sich aber inzwischen wieder beruhigt hat“, wie sie erklärt.

So ähnelt der Praxisalltag nun eher wieder dem Stand vor der Pandemie, wobei die Krankheitsbilder in der Allgemeinmedizin bunt gemischt sind. „Je nach Jahreszeit sind hier auch mehr oder weniger Infekte dabei. Corona hat hier, zumindest nach aktueller Lage, aus unserer Sicht keinen Sonderstatus mehr neben anderen Krankheitserregern“, erklärt die Ärztin. In Bezug auf die Impfungen gibt es derzeit dann auch kaum noch eine Nachfrage. „Vereinzelt wurden noch vierte oder zum Teil fünfte Impfungen durchgeführt, wobei diese vorwiegend in Seniorenheimen vorgenommen wurden. Wir nehmen auch an, dass zukünftige Auffrischimpfungen gegen Corona, wo sie indiziert erscheinen, parallel zu den Grippe-Schutzimpfungen laufen können, was den Ablauf in den Praxen wieder einfacher macht“, heißt es aus der Abtsteinacher Gemeinschaftspraxis.

Beschränkungen aufgehoben

Auch im Bergsträßer Kreiskrankenhaus spiegelt sich der deutschlandweite Trend der geringen Inzidenzen wider, berichtet Anna Lumpp von der Unternehmenskommunikation der Heppenheimer Klinik. „Deshalb haben wir auch in den vergangenen Wochen und Monaten immer mehr Beschränkungen gelockert und aufgehoben. So sind Besuche, bis auf die Intensivstation, wieder ohne Kontrollen und Masken möglich – ein großer Schritt Richtung Normalität, für unsere Mitarbeiter sowie für Besucher und Patienten“, beschreibt sie die aktuelle Situation.

Dennoch werden nach wie vor Corona-Infektionen unter den Patienten verzeichnet, die vorwiegend als Neben- und nicht als Hauptdiagnose auftreten. „Wenn es sich um Risikopatienten mit Vorerkrankungen handelt oder um ältere, gebrechliche Menschen, kann eine Corona-Infektion die Gesundheit nach wie vor schwer beeinträchtigen. Diese Fälle sind dabei meist in der Unterzahl. Corona-positive Patienten werden nach wie vor isoliert auf den Stationen versorgt, jedoch nicht mehr auf einer extra eingerichteten Corona-Station.“

„Beherrschbares Risiko“

Nach der Aufhebung der Corona-Maßnahmen hat das Hessische Sozialministerium nun auch die Veröffentlichung des Corona-Bulletins eingestellt, ebenso wie das Robert-Koch-Institut den täglichen Situationsbericht zu Covid-19.

„Seit dem Wegfall der Testpflichten und kostenlosen Bürgertestungen spiegelten die amtlichen Inzidenzen nicht mehr das aktuelle Infektionsgeschehen wider. Deshalb verzichten wir künftig auf die detaillierte Darstellung der nicht mehr belastbaren Infektionszahlen“, erklärt Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) in einer Pressemitteilung aus Wiesbaden dazu.

„Sars-CoV-2 wird uns weiter begleiten, stellt aber ein beherrschbares Risiko dar“, so der Minister. Demnach werden die gemeldeten Daten der hessischen Krankenhäuser weiterhin beobachtet, um das Infektionsgeschehen, seine Auswirkungen und die Krankheitsschwere zu erfassen.

Bei der letzten Veröffentlichung des Corona-Bulletins am 16. Mai wurde übrigens für die Sieben-Tage-Inzidenz im Kreis Bergstraße ein Wert von 3,0 angegeben, zwei neue Infektionen waren in der Woche zuvor gemeldet worden.

Wer sich über aktuelle Zahlen informieren möchte, kann weiterhin das RKI-Pandemieradar unter www.rki.de nutzen. Online ist auch noch das sogenannte Dashboard des Instituts, das aber am 2. Juni letztmalig aktualisiert und in der folgenden Woche eingestellt wird.