Anekdoten und alte Fotos

"Das Freibad war unsere Disco": Birkenauer erinnern sich an legendäre Sommer

Birkenauer erinnern sich an Geschichten rund um das Freibad – vom Sprungturm bis zur großen Liebe. Viele Leser folgten unserem Aufruf nach Fotos und Anekdoten und öffneten ihre Alben. Ein Blick in die Vergangenheit.

Schwimmabzeichen, Mutproben und endlose Ferientage: Für viele Birkenauer wurde das Freibad zu einem Ort, an dem die Kindheit lebendig bleibt. Foto: Archiv Walter Bechtold
Schwimmabzeichen, Mutproben und endlose Ferientage: Für viele Birkenauer wurde das Freibad zu einem Ort, an dem die Kindheit lebendig bleibt.

Birkenau. Ob Schwimmen gelernt, eine gute Zeit mit Freunden verbracht oder hautnah bei den Renovierungsarbeiten dabei gewesen: Die Erinnerungen unserer Leser an das Birkenauer Freibad sind vielfältig. Die Resonanz auf unseren Leseraufruf zu Erinnerungen rund um das Freibad zeigt, dass es ein ganzes Becken randvoll mit Erinnerungen gibt. Einige von ihnen haben ihren Weg aus den privaten Fotoalben in die Bildergalerie der Weinheimer Nachrichten und Odenwälder Zeitung (WNOZ) gefunden. Andere fanden sich im WNOZ-Archiv.

Auch zwei, die sich besonders mit der Geschichte Birkenaus und den Menschen der Gemeinde auskennen, haben die Redaktion bei der Suche nach historischen Aufnahmen unterstützt: Gemeindearchivar Günter Körner und Walter Bechtold, langjähriger Lehrer an der Langenbergschule, ermöglichen zusätzlich einen Einblick in vergangene, legendäre Freibadsommer.

Historische Aufnahme: „Das Bild von 1929 ist im alten Schwimmbad aufgenommen“, schreibt Wolfgang Kadel zu diesem Foto aus dem Familienarchiv. Vorne links winkend auf dem Startblock sitzend ist sein Großvater zu sehen. Foto: Wolfgang Kadel
Historische Aufnahme: „Das Bild von 1929 ist im alten Schwimmbad aufgenommen“, schreibt Wolfgang Kadel zu diesem Foto aus dem Familienarchiv. Vorne links winkend auf dem Startblock sitzend ist sein Großvater zu sehen.

Seit 1925 ein Freibad in Birkenau

Birkenau verfügt seit 1925 über ein Freibad, das vom damaligen Turnverein erbaut und unterhalten wurde. Die Gemeinde übernahm es und führte es als ältestes Schwimmbad des Weschnitztals bis 1955 weiter. Doch der Zahn der Zeit nagte an der Anlage. Die Gemeinde Birkenau entschloss sich seinerzeit zu einem Neubau, womit die damals 4.500 Einwohner große Gemeinde „das modernste Schwimmbad des Weschnitztals“ bekam, wie es auf einer Sonderseite der Odenwälder Zeitung anlässlich der Eröffnung im Jahr 1957 hieß. Am 1. Juni 1957 wurde das neue Freibad durch Bürgermeister Adam Weber nach zweijähriger Bauzeit mit einem Fest eingeweiht.

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Die komplette Bildergalerie mit zugesendeten Leserfotos:

Eine Schwarz-Weiß-Aufnahme aus Birkenau: Seit Ende der 1950er-Jahre gibt es das Birkenauer Freibad.
Foto: WNOZ-Archiv
„Modernstes Schwimmbad im Weschnitztal“ ist auf der Postkarte von 1957 zu lesen.
Foto: Gemeinde Birkenau
Eine weitere Aufnahme des Birkenauer Freibads im Einweihungsjahr 1957.
Foto: Gemeinde Birkenau
Auf dieser Postkarte von 1957 ist auch das noch wenig bebaute Umland zu erkennen.
Foto: Gemeinde Birkenau
Am 1. Juni 1957 wurde das neue Freibad durch Bürgermeister Adam Weber nach zweijähriger Bauzeit mit einem Fest eingeweiht. Diese Aufnahme entstand bei der Einweihungsfeier, wie Birkenaus Gemeindearchivar Günter Körner erklärt.
Foto: Gemeinde Birkenau
In Bademode ging es während der Einweihungsfeier 1957 in Richtung Schwimmbecken.
Foto: Gemeinde Birkenau
Diese Aufnahme zeigt das Durchschreitebecken zum Sprungturm im Jahr 1957.
Foto: Gemeinde Birkenau
Eine weitere Aufnahme im Rahmen der Einweihungsfeier im Jahr 1957.
Foto: Gemeinde Birkenau
Die Einweihungsfeier war der Höhepunkt für die Gemeinde Birkenau im Jahr 1957.
Foto: Gemeinde Birkenau
Eine weitere Aufnahme zeigt die Einweihung des Birkenauer Freibads im Jahr 1957 aus einer anderen Perspektive.
Foto: Archiv Walter Bechtold
Diese Postkarte zeigt die Ansicht des Birkenauer Freibads in den 1960er-Jahren. Im Vordergrund die Rutsche, im Hintergrund der Sprungturm.
Foto: Gemeinde Birkenau
Diese drei Bilder zeigen den Birkenauer Pit Braun beim Spring ins kühle Nass des Birkenauer Freibads in den 1960er-Jahren. Er nimmt Anlauf ...
Foto: Archiv Walter Bechtold
... fokussiert das Ziel ...
Foto: Archiv Walter Bechtold
... und hebt ab.
Foto: Archiv Walter Bechtold
Dieses Foto, das den Birkenauer Pit Braun beim Sprung vom Sprungturm in das Freibadbecken zeigt, stammt aus Walter Bechtolds Archiv. Die Aufnahme ist in den 1970er-Jahren entstanden.
Foto: Archiv Walter Bechtold
Diese Aufnahme aus dem Archiv von Walter Bechtold zeigt wieder den Birkenauer Pit Braun in Aktion.
Foto: Archiv Walter Bechtold
Dieses Foto zeigt den Sprungturm des Birkenauer Freibads noch im Original im Jahr 1964.
Foto: Archiv Walter Bechtold
Diese Aufnahme aus dem Archiv von Walter Bechtold zeigt die Schwimmabteilung des TSV Birkenau im Jahr 1964. Links in der weißen Hose ist der erste Bademeister des neuen Freibads, Paul Hoffmann, zu sehen.
Foto: Archiv Walter Bechtold
Sommer für Sommer sorgt das Birkenauer Freibad für Abkühlung. Unser Archivbild entstand im August 1987.
Foto: WNOZ-Archiv
Ein Blick von der Rutsche aus dem Jahr 1987 ...
Foto: WNOZ-Archiv
... und ein Blick vom Turm aus dem Jahr 1987.
Foto: WNOZ-Archiv
Diese Aufnahme entstand im Jahr 2000.
Foto: WN/OZ-Archiv
Wie auf unserem Archivbild aus dem Sommer 2014 zu sehen, durfte das Sprungbrett nicht betreten werden. 2026 weitet sich das Verbot auf das ganze Schwimmbecken aus.
Foto: Thorsten Gutschalk
Unser Bild zeigt das Schwimmbecken im Jahr 2015.
Foto: Fritz Kopetzky
Im Jahr 2017 wurde das Birkenauer Freibad 60 Jahre alt. Die Gemeindeverwaltung hatte in einem Aufruf nach Anekdoten rund ums Freibad gesucht - im Rahmen des Freibadfests gab es viel zu erzählen und zu entdecken.
Foto: Fritz Kopetzky
Auch ein Seniorennachmittag gehörte zum Freibadfest im Jahr 2017.
Foto: Fritz Kopetzky
"Freibad ist aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen" war im Juni 2020 am Schwimmbadeingang zu lesen.
Foto: Fritz Kopetzky
"Im Birkenauer Freibad habe ich im Alter von 9 und 10 Jahren Anfang der 70er-Jahre meine Schwimmabzeichen gemacht. In den Sommerferien war ich fast täglich im Schwimmbad - und die Wasserrutsche hat auf meinem damaligen Badeanzug sichtlich Spuren hinterlassen. Meine größte persönliche Mutprobe (leider ohne Videobeweis) allerdings war ein Köpper vom 5-Meter-Turm. Das würde ich mich heut nicht mehr trauen ...", schreibt unsere Leserin Birgit Schäfer. Sie hofft, dass "das Birkenauer Schwimmbad größtmögliche Unterstützung erfährt und der Badebetrieb auf lange Zeit hinaus gesichert wird".
Foto: Birgit Schäfer
Eine historische Aufnahme: "Das Bild von 1929 ist im alten Schwimmbad aufgenommen", schreibt unser Leser Wolfgang Kadel zu diesem Foto aus seinem persönlichen Archiv. Der Fotograf dieser Aufnahme ist unbekannt. Birkenau verfügt seit 1925 über ein Freibad, das vom damaligen Turnverein erbaut und unterhalten wurde. Die Gemeinde übernahm es und führte es als ältestes Schwimmbad des Weschnitztals bis 1955 weiter. Das neue Freibad wurde im Juni 1967 eingeweiht.
Foto: Wolfgang Kadel
Dieses Bild vom Birkenauer Freibad wurde uns von unserem Leser Wolfgang Kadel zugeschickt. Es zeigt das Freibad noch mit dem Fünf-Meter-Turm - "das war in der letzten Saison, bevor der Turm abgerissen wurde", schreibt Kadel zu diesem Foto.
Foto: Wolfgang Kadel
Dieses Foto des Birkenauer Freibads aus Wolfgang Kadels Fotoalbum zeigt das Abschwimmen der TSV-Schwimmabteilung im September etwa um das Jahr 1970. "Das Foto hat mein Vater Werner Kadel aufgenommen", erinnert sich der Birkenauer.
Foto: Wolfgang Kadel
Wolfgang Kadel hielt mit seiner Fotokamera auch das Auffüllen der 3,80-Meter-Grube im Birkenauer Freibadbecken fest, nachdem der Sprungturm abmontiert wurde. Die Bilder entstanden in den Jahren 1976 bis 1977.
Foto: Wolfgang Kadel
Ein weiterer Einblick in die Arbeiten am Birkenauer Freibad in den Jahren 1976 bis 1977. Wolfgang Kadel hielt mit seiner Fotokamera auch das Auffüllen der 3,80-Meter-Grube im Birkenauer Freibadbecken fest.
Foto: Wolfgang Kadel
Ein weiterer Einblick in das Auffüllen der 3,80-Meter-Grube im Birkenauer Freibadbecken Mitte der 1970er-Jahre.
Foto: Wolfgang Kadel
Diese Aufnahme von 1953 zeigt das junge Paar Dagmar und Karl Fändrich auf der Freibadwiese. „Wir haben dort viele schöne Stunden verbracht“, erinnert sie sich.
Foto: Dagmar Fändrich
Eine Schwarz-Weiß-Aufnahme aus Birkenau: Seit Ende der 1950er-Jahre gibt es das Birkenauer Freibad.
„Modernstes Schwimmbad im Weschnitztal“ ist auf der Postkarte von 1957 zu lesen.
Eine weitere Aufnahme des Birkenauer Freibads im Einweihungsjahr 1957.
Auf dieser Postkarte von 1957 ist auch das noch wenig bebaute Umland zu erkennen.
Am 1. Juni 1957 wurde das neue Freibad durch Bürgermeister Adam Weber nach zweijähriger Bauzeit mit einem Fest eingeweiht. Diese Aufnahme entstand bei der Einweihungsfeier, wie Birkenaus Gemeindearchivar Günter Körner erklärt.
In Bademode ging es während der Einweihungsfeier 1957 in Richtung Schwimmbecken.
Diese Aufnahme zeigt das Durchschreitebecken zum Sprungturm im Jahr 1957.
Eine weitere Aufnahme im Rahmen der Einweihungsfeier im Jahr 1957.
Die Einweihungsfeier war der Höhepunkt für die Gemeinde Birkenau im Jahr 1957.
Eine weitere Aufnahme zeigt die Einweihung des Birkenauer Freibads im Jahr 1957 aus einer anderen Perspektive.
Diese Postkarte zeigt die Ansicht des Birkenauer Freibads in den 1960er-Jahren. Im Vordergrund die Rutsche, im Hintergrund der Sprungturm.
Diese drei Bilder zeigen den Birkenauer Pit Braun beim Spring ins kühle Nass des Birkenauer Freibads in den 1960er-Jahren. Er nimmt Anlauf ...
... fokussiert das Ziel ...
... und hebt ab.
Dieses Foto, das den Birkenauer Pit Braun beim Sprung vom Sprungturm in das Freibadbecken zeigt, stammt aus Walter Bechtolds Archiv. Die Aufnahme ist in den 1970er-Jahren entstanden.
Diese Aufnahme aus dem Archiv von Walter Bechtold zeigt wieder den Birkenauer Pit Braun in Aktion.
Dieses Foto zeigt den Sprungturm des Birkenauer Freibads noch im Original im Jahr 1964.
Diese Aufnahme aus dem Archiv von Walter Bechtold zeigt die Schwimmabteilung des TSV Birkenau im Jahr 1964. Links in der weißen Hose ist der erste Bademeister des neuen Freibads, Paul Hoffmann, zu sehen.
Sommer für Sommer sorgt das Birkenauer Freibad für Abkühlung. Unser Archivbild entstand im August 1987.
Ein Blick von der Rutsche aus dem Jahr 1987 ...
... und ein Blick vom Turm aus dem Jahr 1987.
Diese Aufnahme entstand im Jahr 2000.
Wie auf unserem Archivbild aus dem Sommer 2014 zu sehen, durfte das Sprungbrett nicht betreten werden. 2026 weitet sich das Verbot auf das ganze Schwimmbecken aus.
Unser Bild zeigt das Schwimmbecken im Jahr 2015.
Im Jahr 2017 wurde das Birkenauer Freibad 60 Jahre alt. Die Gemeindeverwaltung hatte in einem Aufruf nach Anekdoten rund ums Freibad gesucht - im Rahmen des Freibadfests gab es viel zu erzählen und zu entdecken.
Auch ein Seniorennachmittag gehörte zum Freibadfest im Jahr 2017.
"Freibad ist aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen" war im Juni 2020 am Schwimmbadeingang zu lesen.
"Im Birkenauer Freibad habe ich im Alter von 9 und 10 Jahren Anfang der 70er-Jahre meine Schwimmabzeichen gemacht. In den Sommerferien war ich fast täglich im Schwimmbad - und die Wasserrutsche hat auf meinem damaligen Badeanzug sichtlich Spuren hinterlassen. Meine größte persönliche Mutprobe (leider ohne Videobeweis) allerdings war ein Köpper vom 5-Meter-Turm. Das würde ich mich heut nicht mehr trauen ...", schreibt unsere Leserin Birgit Schäfer. Sie hofft, dass "das Birkenauer Schwimmbad größtmögliche Unterstützung erfährt und der Badebetrieb auf lange Zeit hinaus gesichert wird".
Eine historische Aufnahme: "Das Bild von 1929 ist im alten Schwimmbad aufgenommen", schreibt unser Leser Wolfgang Kadel zu diesem Foto aus seinem persönlichen Archiv. Der Fotograf dieser Aufnahme ist unbekannt. Birkenau verfügt seit 1925 über ein Freibad, das vom damaligen Turnverein erbaut und unterhalten wurde. Die Gemeinde übernahm es und führte es als ältestes Schwimmbad des Weschnitztals bis 1955 weiter. Das neue Freibad wurde im Juni 1967 eingeweiht.
Dieses Bild vom Birkenauer Freibad wurde uns von unserem Leser Wolfgang Kadel zugeschickt. Es zeigt das Freibad noch mit dem Fünf-Meter-Turm - "das war in der letzten Saison, bevor der Turm abgerissen wurde", schreibt Kadel zu diesem Foto.
Dieses Foto des Birkenauer Freibads aus Wolfgang Kadels Fotoalbum zeigt das Abschwimmen der TSV-Schwimmabteilung im September etwa um das Jahr 1970. "Das Foto hat mein Vater Werner Kadel aufgenommen", erinnert sich der Birkenauer.
Wolfgang Kadel hielt mit seiner Fotokamera auch das Auffüllen der 3,80-Meter-Grube im Birkenauer Freibadbecken fest, nachdem der Sprungturm abmontiert wurde. Die Bilder entstanden in den Jahren 1976 bis 1977.
Ein weiterer Einblick in die Arbeiten am Birkenauer Freibad in den Jahren 1976 bis 1977. Wolfgang Kadel hielt mit seiner Fotokamera auch das Auffüllen der 3,80-Meter-Grube im Birkenauer Freibadbecken fest.
Ein weiterer Einblick in das Auffüllen der 3,80-Meter-Grube im Birkenauer Freibadbecken Mitte der 1970er-Jahre.
Diese Aufnahme von 1953 zeigt das junge Paar Dagmar und Karl Fändrich auf der Freibadwiese. „Wir haben dort viele schöne Stunden verbracht“, erinnert sie sich.

Kurz vor dem diesjährigen Saisonstart stand fest: Die Schäden am Freibad, das im nächsten Jahr 70 Jahre alt wird, sind zu massiv, und das Becken ist zu marode, um zu öffnen. Doch die Erinnerungen der Birkenauer an ihre „alte Lady“ bleiben.

Diese Aufnahme von 1953 zeigt das junge Paar Dagmar und Karl Fändrich auf der Freibadwiese. „Wir haben dort viele schöne Stunden verbracht“, erinnert sie sich. Foto: Dagmar Fändrich
Diese Aufnahme von 1953 zeigt das junge Paar Dagmar und Karl Fändrich auf der Freibadwiese. „Wir haben dort viele schöne Stunden verbracht“, erinnert sie sich.

„Freibad war die Disco für uns“

Es sind die Geschichten wie die von Dagmar Fändrich, die zeigen, dass das Freibad eng mit den eigenen Familiengeschichten der Birkenauer verknüpft ist. So ist die heute 91-jährige Birkenauerin auf einer Aufnahme aus dem privaten Fotoalbum als 18-Jährige mit ihrem damaligen Freund und späteren Ehemann Karl auf der Freibadwiese zu sehen. „Wir haben dort viele schöne Stunden verbracht. Das Freibad war so etwas wie die Disco für uns“, erinnert sie sich.

Viele kleine Fotoalben liegen vor ihr ausgebreitet auf dem Wohnzimmertisch. Zu diesen Erinnerungsstücken zählt auch ein Zeitungsartikel aus dem Eröffnungsjahr 1957. Eine junge Frau mit Badekappe steigt gerade aus dem frisch eröffneten Becken des neuen Birkenauer Freibads: Es ist Dagmar Fändrich. „Ich erinnere mich, dass das Wasser sehr kalt war“, sagt sie mit einem Lächeln.

Eine Momentaufnahme in Schwarz-Weiß: „Modernstes Schwimmbad im Weschnitztal“ ist auf der Postkarte von 1957 zu lesen, die Birkenaus Gemeindearchivar Günter Körner der Redaktion zur Verfügung gestellt hat. Foto: Gemeinde Birkenau
Eine Momentaufnahme in Schwarz-Weiß: „Modernstes Schwimmbad im Weschnitztal“ ist auf der Postkarte von 1957 zu lesen, die Birkenaus Gemeindearchivar Günter Körner der Redaktion zur Verfügung gestellt hat.

Erinnerungen an die Kindheit

An das ursprüngliche Birkenauer Freibad hat auch Irene Bickel noch zahlreiche Erinnerungen. „In Birkenau habe ich das Schwimmen gelernt“, erzählt die heute 88-Jährige bei ihrem Anruf in der Redaktion. Angefangen im Nichtschwimmerbecken, später traute sie sich dann in das tiefere Becken. Davon gibt es auch Schwarz-Weiß-Aufnahmen, auf denen aber leider nicht viel zu erkennen ist, erklärt sie.

„Im Sommer sprangen wir in allen Variationen vom Sprungturm“ (Walter Bechtold)

Aufgewachsen in der Hornbacher Straße, verbrachte sie Sommer für Sommer viel Zeit auf dem Gelände direkt an der Weschnitz. „Wenn ich an das Freibad denke, dann werden Kindheitserinnerungen wach“, sagt Bickel, die seit den 1960er-Jahren in Weinheim lebt. Mit ihren eigenen Kindern verbrachte sie ebenfalls etliche Sommer in Birkenau.

„Hier habe ich Anfang der 70er-Jahre meine Schwimmabzeichen gemacht“, schreibt Birgit Schäfer. Foto: Birgit Schäfer
„Hier habe ich Anfang der 70er-Jahre meine Schwimmabzeichen gemacht“, schreibt Birgit Schäfer.

Stolz auf Schwimmabzeichen

Es ist „wirklich sehr schade, dass die Birkenauer Freibadsaison 2026 im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fällt. Hier habe ich im Alter von neun und zehn Jahren Anfang der 70er-Jahre meine Schwimmabzeichen gemacht“, erinnert sich Birgit Schäfer und hat ein Foto von ihrem Badeanzug geschickt, auf dem die Schwimmabzeichen aufgenäht sind.

„Wenn ich dieses Foto sehe, werden viele Erinnerungen geweckt“ (Otmar Holz)

„In den Sommerferien war ich fast täglich im Schwimmbad – und die Wasserrutsche hat auf meinem damaligen Badeanzug sichtlich Spuren hinterlassen.“ Und auch so manche Mutprobe wurde nicht ausgelassen: „Meine größte persönliche Mutprobe – leider ohne Videobeweis – war ein Köpper vom Fünf-Meter-Turm. Das würde ich mich heute nicht mehr trauen“, schreibt sie. Schäfer hofft, dass das Freibad größtmögliche Unterstützung erfährt und der Badebetrieb auf lange Zeit hinaus gesichert wird.

Die Aufnahme aus dem Archiv von Walter Bechtold zeigt die ehemalige Schwimmabteilung des TSV Birkenau im Jahr 1964. Otmar Holz hat sich und viele Freunde erkannt: Er ist der Zweite von rechts (stehend) neben Schwimmtrainer Fritz Klink (rechts). Links neben ihm steht Walter Bechtold. Foto: Archiv Walter Bechtold
Die Aufnahme aus dem Archiv von Walter Bechtold zeigt die ehemalige Schwimmabteilung des TSV Birkenau im Jahr 1964. Otmar Holz hat sich und viele Freunde erkannt: Er ist der Zweite von rechts (stehend) neben Schwimmtrainer Fritz Klink (rechts). Links neben ihm steht Walter Bechtold.

Ein Foto als kleiner Schatz

Der 79-jährige Otmar Holz aus Hemsbach denkt ebenfalls gerne an seine Zeit im Freibad zurück. Schließlich ist er nicht nur in Birkenau aufgewachsen und hat noch im alten Freibad das Schwimmen gelernt, sondern er hat auch etliche Sommer mit seinen Freunden auf dem Freibadgelände verbracht. Er zählt sich zu den „Lausbuben“, die im Freibad jede Menge Spaß hatten. Holz war Teil der ehemaligen Schwimmabteilung des TSV Birkenau und erinnert sich an etliche Sommer.

„Meine größte persönliche Mutprobe – leider ohne Videobeweis – war ein Köpper vom Fünf-Meter-Turm. Das würde ich mich heute nicht mehr trauen“ (Birgit Schäfer)

Das Foto, das Anfang der 1960er-Jahre entstanden ist und das Walter Bechtold der Redaktion zur Verfügung gestellt hat, besitzt auch Holz und er bewahrt es auf wie einen kleinen Schatz. „Ich bin in der mittleren Reihe stehend der Zweite von rechts, zwischen Schwimmtrainer Fritz Klink und Walter Bechtold. Ich war damals 14 Jahre alt“, erklärt Holz. Ganz links auf dem Foto ist der erste Bademeister des neuen Bads, Paul Hoffmann, zu sehen, der ebenfalls trainiert hat. „Wenn ich dieses Foto sehe, werden viele Erinnerungen geweckt.“

Nach der Eröffnung des Weinheimer Hallenbads wechselte er zur TSG Weinheim. Seine Begeisterung für das Schwimmen ist all die Jahre geblieben. „Ich schwimme noch heute 20 bis 30 Bahnen täglich, sobald es möglich ist“, erklärt er und fügt mit einem Lächeln hinzu: „Man muss ja fit bleiben.“ Erinnerungen hat er vor allem auch an den Sprungturm und an die Birkenauer Lausbuben, die beim Absprung besonders viel Phantasie bewiesen. Einige wollten möglichst hoch und weit springen – Armbrüche inklusive.

Dieses weitere Foto aus dem Archiv von Walter Bechtold zeigt den Birkenauer Pit Braun in Aktion: Es ist eine Momentaufnahme von legendären Augenblicken auf dem Sprungturm, um den sich dann regelmäßig viele Beobachter am Beckenrand versammelten. Foto: Archiv Walter Bechtold
Dieses weitere Foto aus dem Archiv von Walter Bechtold zeigt den Birkenauer Pit Braun in Aktion: Es ist eine Momentaufnahme von legendären Augenblicken auf dem Sprungturm, um den sich dann regelmäßig viele Beobachter am Beckenrand versammelten.

Große Talente am Sprungturm

Auch Walter Bechtold erinnert sich gerne an seine Schwimmbadbande, wie er bereits in einem Artikel im Jahr 2020 im Zuge der Freibadsperrung während der Corona-Pandemie berichtete. Der 78-Jährige denkt an endlose Schwimmbadtage auf der Wiese mit Songs von den Beatles aus den Kofferradios zurück – „bei schönem Wetter waren manchmal am Wochenende über 5.000 Badegäste hier. Man sah dann fast keinen Rasen mehr wegen der vielen Decken“, schreibt er. An diese reihen sich auch zahlreiche weitere Erinnerungen an die Zeit im Wasser, im Training – „wir schwammen damals schon um die 1.000 Meter an einem Trainingsabend“ – wie auch einfach nur zum Spaß. Denn auch Lausbubenstreiche durften nicht fehlen. So wurde an der Kerwe beispielsweise die Kleidung von nächtlichen Nacktbadern versteckt.

„Fotos und das Entwickeln von Filmen werden immer im Nachhinein interessant“ (Wolfgang Kadel)

„Im Sommer sprangen wir in allen Variationen vom Sprungturm“, schreibt er. Und auch die guten Turmspringer präsentierten sonntags eine „Sprungschau“ mit viel Publikum am Beckenrand: „Wir zeigten schöne Sprünge mit vielen witzigen Einlagen. Manche hatten Kleider an oder Hüte auf. Einige sprangen mit Regenschirmen. Die Attraktion waren aber die Sprünge von der Fünf-Meter-Plattform auf das Drei-Meter-Brett und dann durch das Brett im hohen Bogen geschleudert ins Wasser.“ Ein Turmspringer, der auch zu eben dieser Freibadclique gehörte, ist Pit Braun, von dem Bechtold einige spektakuläre Aufnahmen in seinem persönlichen Archiv hat.

Den „letzten Sommer mit Fünf-Meter-Sprungturm“ hielt Wolfgang Kadel in einem Foto fest. Foto: Wolfgang Kadel
Den „letzten Sommer mit Fünf-Meter-Sprungturm“ hielt Wolfgang Kadel in einem Foto fest.

Einblick in das Familienalbum

Einblick in sein privates Fotoarchiv gewährt auch der Birkenauer Wolfgang Kadel. Seiner bereits frühen Leidenschaft für das Fotografieren ist es wohl zu verdanken, dass es ein paar Schnappschüsse aus dem Freibad gibt, die man so noch nie gesehen hat. Als der Fünf-Meter-Sprungturm abgerissen wurde und in der Folge Mitte der 1970er-Jahre die Grube aufgefüllt wurde, probierte er seine neue Fotokamera aus – und war zufällig vor Ort, als die Bagger mitten im Freibadbecken rollten. Er selbst hatte sich zuvor wenige Male getraut, vom Turm zu springen, erinnert er sich, und blieb dem Freibad bis zuletzt treu.

Eine besondere Aufnahme von Baggerarbeiten im Becken: Mitte der 1970er-Jahre wurde die 3,80-Meter-Grube im Freibadbecken aufgefüllt, nachdem der Sprungturm abmontiert wurde. Wolfgang Kadel war dabei. Foto: Wolfgang Kadel
Eine besondere Aufnahme von Baggerarbeiten im Becken: Mitte der 1970er-Jahre wurde die 3,80-Meter-Grube im Freibadbecken aufgefüllt, nachdem der Sprungturm abmontiert wurde. Wolfgang Kadel war dabei.

„Eine Jahreskarte gehörte für uns eigentlich immer zum Sommer dazu.“ Den Umbau aus den 1970er-Jahren hat er also zufällig im Album verewigt. Und auch eine ganz alte Aufnahme befindet sich darin. „Das Bild von 1929 ist im alten Schwimmbad aufgenommen“, erklärt er. Vorne links winkend auf dem Startblock sitzend ist sein Großvater zu sehen. „Fotos und das Entwickeln von Filmen werden immer im Nachhinein interessant“, erklärt er.

Fünf Fakten zum Birkenauer Freibad, die man so bisher nicht kannte, gibt es übrigens hier.