Fahrräder aus Rimbach für zwei Waisenkinder
Seit dem 14. November ist wieder ein Hilfstransport aus Rimbach unterwegs in der Ukraine. Die Helfer haben seit Kurzem mit Winterstürmen zu kämpfen.
Immer wieder hält Ukraine-Helfer Grant Carmine die Rimbacher mit kurzen Texten, Filmen und Bildern auf dem Laufenden, wenn er mit seinem Transporter unterwegs ist. Seit Mitte November sind der gebürtige Neuseeländer und sein Mitstreiter Stephan Kotthaus wieder in der Ukraine, bringen den Bewohnern von Altenheimen, Kranken- und Waisenhäusern dringend gebrauchte Sachen, kümmern sich aber auch um Armee- und Pioniereinheiten. Der Transporter, mit dem sie fahren, war zu Beginn der Reise bis obenhin vollgepackt, unter anderem mit Medikamenten, Verbandszeug, aber auch Lebensmitteln, Geräten wie Stromerzeugern und Trennschleifern und vielem mehr. Derzeit sind sie in der Gegend von Saporischschja und schicken Bilder von Winterstürmen und tief verschneiten Landschaften.
Aus Schneeverwehungen gezogen
Denn seit einigen Tagen schneit es in dem Kriegsgebiet, nachdem die Straßen zuvor zum Teil unpassierbar waren, da die Räder immer wieder im tiefen Schlamm stecken blieben. Jetzt zeigen die Filme dramatische Stürme, in denen etwa ein Feuerwehrfahrzeug einen Rettungswagen mit dem Seil auf die Straße zieht.
Carmine schreibt: „Meine Fahrt von 280 Kilometern, die normalerweise drei bis vier Stunden dauert, hat fast zwölf Stunden gedauert.“ Unterwegs schleppten die beiden mit ihrem Transporter drei Fahrzeuge aus Schneeverwehungen ab, und man merkt seinen Schilderungen eine gewisse Fassungslosigkeit an: „Ich habe immer wieder festgestellt, dass ukrainische Autofahrer grundsätzlich keine Abschleppseile und Starterkabel dabei haben; ich weiß nicht, warum.“
Er filmt Schneestürme und einen Autobahnabschnitt, auf dem ein Laster liegen geblieben ist, der mit einem Panzertransporter aus seiner misslichen Lage befreit wird. Andere Eindrücke der Rundfahrt haben der gebürtige Neuseeländer und sein Mitstreiter noch vor den Schneefällen festgehalten. Sie haben Kinder fotografiert, denen sie gerade Fahrräder geschenkt haben und die schüchtern lächeln.
Yevgenia ist vier Jahre alt und Serhiy zehn. Beide sind Kriegswaisen und leben mittlerweile bei Pflege- beziehungsweise Adoptiveltern. Die Kleine lerne gerade Radfahren, der Junge beherrsche es bereits, fährt der Helfer fort: „Er hat aber nie ein eigenes Fahrrad gehabt.“ Die Spenden stammen aus der Rimbacher Fahrradwerkstatt in der Begegnungsstätte. Apropos Rimbach: Einige Tage zuvor traf Carmine auf einer Straße in Konotop zufällig eine Mutter mit einem kleinen Mädchen an der Hand, die ihn auf Deutsch ansprach.
Bekannte aus Rimbach
Er stutzte kurz und erkannte dann die beiden Flüchtlinge, die in der Gemeinde untergekommen waren: „Ich habe ihr früher geholfen, Möbel für ihre Wohnung zu finden.“ Die Frau sei erst vor wenigen Wochen in die Ukraine zurückgekehrt, weil ihr Mann im Krieg gefallen sei.
Carmine musste das Gespräch unterbrechen, kurz darauf waren Mutter und Kind gegangen: Weder habe er ihren Namen noch ihren Aufenthaltsort erfahren können. Nun treiben ihn Sorgen um: „Es war eine sehr ärmliche Vorortgegend von Konotop, und jetzt mache ich mir Gedanken, was für eine Zukunft so ein kleines Mädchen ohne seinen Papa in Konotop hat.“
- Spenden kann man hier: Gemeinde Rimbach, IBAN: DE80 5095 1469 0004 0015 31, Verwendungszweck "Ukraine-Hilfe".