Vereinsleben

Gründung in Zeiten des Chor-Sterbens: Wie der Hard(berg) Chor das erste Jahr erlebt hat

Eine Erfolgsgeschichte in schwierigen Zeiten: Zu den Proben des Hard(berg) Chors treffen sich über 50 Singfreudige. Wie die Ober-Abtsteinacher Chorgesang mit Band vereinen und junge Mitglieder gewinnen.

Ein Jahr nach der Gründung: Über 50 Sänger treffen sich immer wieder zur Probe des Hard(berg) Chors im Gude Drobbe. Foto: Fritz Kopetzky
Ein Jahr nach der Gründung: Über 50 Sänger treffen sich immer wieder zur Probe des Hard(berg) Chors im Gude Drobbe.

Ober-Abtsteinach. Der kleine Probenraum im Obergeschoss des Gude Drobbe platzt schon fast aus dem Fachwerk, trotzdem herrscht eine gemütliche, fast schon ausgelassene Stimmung, wenn der Hard(berg) Chor zusammenkommt. Dabei hat sich das Ensemble in Zeiten, in denen Gesangsvereine langsam aussterben, vor knapp einem Jahr erst gegründet. Inzwischen sind es über 50 Sängerinnen und Sänger, die sich im Zwei-Wochen-Takt treffen.

WNOZ WhatsApp-Kanal

Die Weinheimer Nachrichten und Odenwälder Zeitung auf WhatsApp! Aktuelle Nachrichten aus deiner Region. Die Top-Themen jeden Mittag frisch auf dem WhatsApp-Kanal.

Impressum

Mit dem Thema Chorsterben hatte eigentlich auch alles angefangen, erklären Peter Beckenbach und Stefan Arnold bei einem Besuch unserer Redaktion. „Wir haben uns bei der Prinzeneinholung im vergangenen Jahr darüber unterhalten“, erinnert sich Beckenbach. Es sei „traurig, dass deutsches Kulturgut so sang- und klanglos verschwindet.“ „Ich habe es selbst hier in Ober-Abtsteinach miterlebt“, fügt Arnold hinzu.

Ein Jahr Findungsphase

Irgendwie ist dann die Idee aufgekommen, einen Chor zu gründen – in einem neuen Format. Der Name – eine Anspielung auf das englische Wort „hardcore“ – ist mit einem Augenzwinkern zu verstehen und entstand durch eine Blödelei innerhalb der Gruppe entstanden. Gesungen wird vor allem „just for fun“ – aber nicht ohne die Ambition, ein richtig guter Chor zu werden, betont Beckenbach.

Der Hard(berg) Chor sehe sich auch nicht als Konkurrent zum GV Concordia aus Unter-Abtsteinach. Im Gegenteil: Das Interesse an einer Kooperation bei einem gemeinsamen Projekt oder Konzert besteht durchaus. „Wir haben hier auch ganz tolle Gesangvereine in der Umgebung, die sehr erfolgreich sind“, unterstreicht Beckenbach.

Der Anfang war allerdings etwas steinig: In den ersten Monaten fand sich lediglich eine Handvoll Singfreudiger zusammen. Eigentlich sei das ganze erste Jahr eine „Findungsphase“ gewesen, denn anfangs habe es auch noch kein richtiges Konzept gegeben – und erst recht keinen Dirigenten.

50 Jahre Altersspanne

Seitdem hat sich Beckenbach zum musikalischen Leiter (oder zum „Vorturner“, wie er es ausdrückt) entwickelt. „Er schafft es, uns zu motivieren“, lobt Arnold. Und der Chor ist auf 55 Menschen angewachsen – Tendenz steigend, am Tag unseres Besuchs kamen noch zu den bisher 45 weitere zehn dazu. Die Sänger kommen nicht nur aus Abtsteinach, sondern auch aus den umliegenden Orten, sogar aus Neckarsteinach. So langsam stoße man aber an die Grenze der räumlichen Kapazität im Gude Drobbe.

Das Vorhaben, durch Zwanglosigkeit und den zweiwöchigen Probentakt auch jüngere Menschen anzusprechen, scheint geglückt: Der Impuls zur Gründung sei unter anderem auch von einigen Soma-Fußballern des FCO gekommen, diese seien etwa Ende 30, schätzt Beckenbach. Der jüngste Sänger ist 21, die älteste 72 Jahre alt – eine Spanne von rund 50 Jahren.

Mit für den Erfolg verantwortlich: die gemütliche Atmosphäre im Probenraum über dem Gude Drobbe. Und die „Reflexionsstunde“ nach der Probe bei einem gemütlichen Umtrunk gehört mit dazu.

Ziel sind mehrstimmige Sätze

Das große Ziel für die kommenden Monate: Auch mehrstimmige Sätze singen. Gerade singen die Sänger nur „unisono“. An den Solisten sollte das nicht scheitern, denn bereits jetzt klappt das gut: „Die Leute melden sich freiwillig – und es ist auch immer gut“, erklärt Beckenbach. „Man muss sich einfach nur trauen.“

Bereits jetzt hat der Hard(berg) Chor ein buntes Repertoire von etwa acht bis zehn Liedern. Was gesungen wird, entscheiden die Sänger zusammen. Jeder kann einen Vorschlag machen, – von den Chart-Songs von Ed Sheeran, über „Griechischen Wein“ und den „Gefangenenchor“ aus „Nabucco“ hin zu klassischen Volksliedern.

Nach dem ersten Auftritt im Rahmen des Weihnachtskonzerts der KKM steht der nächste Termin bereits fest: Mit der KKM als Ausrichter ist der Chor unter einem besonderen Motto im Rahmen der Stoanischer Kerwe zu hören. Auch spielen die Sänger mit dem Gedanken, das „JeKaMi“ – jeder kann mitsingen – wieder aufleben zu lassen und zum Mitmachkonzert, einzuladen.