Jubiläum

50 Jahre FDP in Wald-Michelbach: Warum es beim Jubiläum auch ernste Töne gibt

Sekt, Glückwünsche und prominente Gäste: Die FDP feiert ihren 50. Geburtstag. Doch zwischen Rückblick und guten Wünschen werden auch klare Forderungen laut.

Die FDP Wald-Michelbach hat kürzlich ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert. Foto: Fritz Kopetzky
Die FDP Wald-Michelbach hat kürzlich ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert.

Wald-Michelbach. Grund zum Feiern für den FDP-Ortsverband Wald-Michelbach: Zum 50-jährigen Bestehen fanden sich am vergangenen Wochenende viele Gratulanten im „Birkenhof“ zusammen. Vorsitzender Matthias Vercrüsse ließ bei dieser Gelegenheit die wechselvolle Geschichte der Liberalen in der Überwald-Gemeinde Revue passieren. Zahlreiche Gäste waren erschienen und gratulierten zum Jubiläum.

Bürgermeister Dr. Sascha Weber, Vertreter verschiedener Fraktionen aus der Gemeindevertretung sowie aus den Ortsverbänden Rimbach und Birkenau und einige interessierte Besucher führten schon vor Beginn bei einem Glas Sekt angenehme und aufschlussreiche Diskussionen. Nach der Rede von Vercrüsse wurden in gemütlicher Runde die zuvor begonnenen Gespräche fortgeführt.

Unter den Ehrengästen waren der Vizepräsident des Hessischen Landtags, René Rock, und der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Landtagsfraktion, Moritz Promny. Der Vorsitzende des Bergsträßer Kreistags, Joachim Kunkel, der Vorsitzende der FDP im Kreis Bergstraße, Christopher Hörst, und der Ehrenvorsitzende der FDP Bergstraße, Roland von Hunnius, waren ebenso unter den Gratulanten.

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Unter anderem blickte der Ortsverband auf die Wahlergebnisse zurück. Foto: Fritz Kopetzky
Unter anderem blickte der Ortsverband auf die Wahlergebnisse zurück.

Es gab von ihnen sowohl einen kleinen Rückblick als auch eine Betrachtung der aktuellen politischen Situation zu hören. Alle Redner stellten fest, dass die FDP in Wald-Michelbach trotz der turbulenten Zeiten in den letzten Jahren sehr gute Arbeit geleistet habe. Dies sehe man auch an den gewonnenen Sitzen in der Gemeindevertretung.

Entwicklungen in den vergangenen Jahrzehnten

Der Ortsverbandsvorsitzende ging auf die Entwicklung Wald-Michelbachs seit der Jahrtausendwende ein. So war von 2003 bis 2013 ein Rückgang der Einwohnerzahlen von 11.619 auf 10.425 (10,2 Prozent) zu verzeichnen. Auch wenn sie seither wieder auf 10.865 stiegen, sind es immer noch weniger.

Schon vor zehn Jahren wurden dafür verschiedene Gründe aufgeführt: Bevölkerungsschwund bei zunehmender Überalterung (das Durchschnittsalter steigt laut Prognose von 41,3 Jahren im Jahr 2000 auf 49,1 Jahre im Jahr 2040), Rückgang des Arbeitsplatzangebots bei hoher Auspendlerquote, zunehmende Verschlechterung der ärztlichen Versorgung, besonders im fachärztlichen Bereich und bei akuten Notfällen, sagte er. Die Entwicklung der Altersstruktur wird die Gesellschaft „über Jahre und Jahrzehnte beschäftigen“, betonte Vercrüsse.

Seit mehr als zehn Jahren steht das Thema ärztliche Versorgung wie ein roter Faden auf der Agenda der FDP, so Vercrüsse. Zentrale Punkte des Programms von 2021 habe man umsetzen können. So wurde die Einführung wiederkehrender Straßenbeiträge verhindert und der Bau des neuen Drogeriemarktes realisiert. Auch die Weiterführung des Michelbusses wurde gesichert, erklärte Vercrüsse.

Noch offene Baustellen

Nicht weitergekommen sei man beim Aufbau eines Fernwärmenetzes in der Kerngemeinde und bei der Umsetzung des bestehenden Radverkehrskonzeptes. Zwecks Weiterführung der Solardraisine müsse man die Machbarkeitsstudie genau analysieren. Die schulische Ausbildung im Bereich Altenpflege und die Reaktivierung des Schwimmbads in der Adam-Karrillon-Schule stehen ebenfalls noch auf der To-do-Liste. In der aktuellen Wahlperiode sei man noch mit zwei Gemeindevertretern präsent. Es sei wichtig, aus den Erfahrungen der letzten fünf Jahre zu lernen und nunmehr die kommenden mit voller Kraft anzugehen, betonte er.

Durch den Wegfall einer weiteren Hausarztstelle habe sich die Versorgung der Bevölkerung rasant verschlechtert, wies er auf das Dauerthema der Liberalen seit vielen Jahren hin. Gegen den Ärztemangel im Überwald wird ein Fünf-Punkte-Plan gefordert. Dieser sieht vor, Ärzten die Niederlassung durch eine zentrale Anlaufstelle zu erleichtern. Zudem sollen Praxen von bürokratischen Aufgaben entlastet werden, damit mehr Zeit für Patienten bleibt. Moderne Praxisräume sollen die medizinische Versorgung verbessern. Durch eine engere Zusammenarbeit der Ärzte und Reformen in der Versorgung sollen sich die Wege zu Fachärzten verkürzen. Ein vierteljährlicher Bericht zur medizinischen Versorgung soll außerdem helfen, Engpässe frühzeitig zu erkennen.

Auch in Zukunft viel vor

Die Unterstützung bei der Fortsetzung des Michelbusses auch über das Gemeindegebiet hinaus steht ebenfalls auf der Agenda. Die Einbindung von Grasellenbach und Abtsteinach wird angestrebt. Fußgängerschutz und Barrierefreiheit sollen vor Ort verbessert werden, wünschte sich der Vorsitzende. Hierzu könnten auch verkehrsberuhigte und verkehrsfreie Innenstadtbereiche beitragen. Um den Radverkehr als echte Alternative im innerörtlichen Verkehr zu fördern und seine Attraktivität zu erhöhen, bedürfe es praxistauglicher, sicherer und in Teilen elektrifizierter Abstellmöglichkeiten, die den Wechsel zwischen den unterschiedlichen Verkehrsmitteln bequem und sicher ermöglichen. Dazu zählen auch Radwegbeschilderungen.

Die Freien Demokraten fordern außerdem, dass alle Schulen im Gemeindegebiet über eine arbeitsfähige digitale Infrastruktur, zumindest einen Glasfaseranschluss, verfügen und mit WLAN versorgt sind. Schnell und unbürokratisch sollten digitale Endgeräte den Schülern zur Verfügung stehen. Die Erhaltung und Verbesserung eines gemischten und vielseitigen Einzelhandels und der Gewerbestruktur nannte er als zentrale Aufgaben.

Haus- und Geschäftsinhaber, vordringlich in der Ludwigstraße, forderte Vercrüsse auf, sich im Zusammenwirken mit der Gemeinde, dem WVÜ und dem ZKÜ in einem Abstimmungsprozess gegen eine drohende Verödung der Ortsmitte einzusetzen. Dazu gehöre, das Gewerbe zu fördern, vor Ort einzukaufen und während der Erneuerung der Ludwigstraße die Beeinträchtigung der Anlieger so gering wie möglich zu halten.