Mahnung für heutige Generationen

Ruhestätte russischer Zwangsarbeiter in Gras-Ellenbach

Welches große Unrecht Menschen im nationalsozialistischen Deutschland widerfahren ist, davon zeugt noch heute ein Gemeinschaftsgrab russischer Zwangsarbeiter auf dem Gemeindefriedhof in Gras-Ellenbach. Heimatforscher Hans Günter Morr hat eine unfassbare Begebenheit aufgeschrieben.

Junge Flugschüler am Dachsberghang bei Gras-Ellenbach um das Jahr 1942/43. Foto: Slg. Morr
Junge Flugschüler am Dachsberghang bei Gras-Ellenbach um das Jahr 1942/43.

Um das Jahr 1938 hatten Darmstädter Flugschüler erkannt, dass es am Abhang des Dachsbergs am Ende des Ulfenbachtals bei Grasellenbach günstige Aufwinde gibt, die zum Segelflug geeignet wären. Samstags und sonntags kamen sie deshalb hierher, um ihren Segelflugsport zu betreiben. Dazu brachten sie ein bis zwei Segelgleiter auf einem LKW mit, wie Heimatforscher Hans Günther Morr schreibt.

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Paramilitärische Ausbildung

Was als reines Freizeitvergnügen begonnen hatte, wurde seit Kriegsbeginn von den NS-Machthabern zur paramilitärischen Ausbildung für junge Flugschüler genutzt. Aus der gesamten Umgebung kamen begeisterte Jugendliche nach Gras-Ellenbach, um sich beim Segelflug zu üben. Schnell war die Zahl der jungen Flugschüler auf über 100 angewachsen. So viele junge Leute mussten versorgt und untergebracht werden.

Von staatlicher Seite wurde am östlichen Waldrand gegenüber der Ortschaft eine kasernenartige Barackenanlage errichtet. Vom Dorf aus musste dahin die nötige Infrastruktur, wie elektrischer Strom, Trinkwasserversorgung, Telefon usw. verlegt werden. Für die Erdarbeiten standen kriegsbedingt keine deutschen Arbeitskräfte zur Verfügung. Wie damals üblich wurden für solche Arbeiten Kriegsgefangene eingesetzt. Dies waren für die harten Erdarbeiten vor Ort gefangene ehemalige Armeemitglieder aus Russland. Zur Überwachung der Zwangsarbeiter waren ältere ortsfremde bewaffnete deutsche Wachleute zuständig, so Morr.

Wie der Grasellenbacher Malermeister Helmut Walter als Zeitzeuge berichtete, waren die Wachmänner äußerst brutal und schikanös gegenüber den Strafgefangenen. Es soll sogar zu körperlichen Tätlichkeiten gekommen sein. Diese Schikanen konnten und wollten die russischen Strafarbeiter nicht länger ertragen. Sie starteten einen Fluchtversuch, dabei wurden einige eiskalt erschossen. Helmut Walter, zur damaligen Zeit noch Jugendlicher, hat die tragischen Ereignisse nur aus der Distanz erlebt. Er konnte nicht sagen, ob bei der Tat alle fünf Kriegsgefangenen ums Leben kamen, oder ob diese zu einem späteren Zeitpunkt, etwa durch Mangelernährung, ihr Leben lassen mussten.

Noch heute ist das Grab der getöteten russischen Zwangsarbeiter auf dem Friedhof in Gras-Ellenbach zu finden. Foto: Slg Morr
Noch heute ist das Grab der getöteten russischen Zwangsarbeiter auf dem Friedhof in Gras-Ellenbach zu finden.

Letzte Ruhe im Überwald

Ihre letzte Ruhe fanden sie auf dem örtlichen Gemeindefriedhof in Gras-Ellenbach. Das Gemeinschaftsgrab der russischen Getöteten existiert noch heute und wird von der Gemeinde gepflegt. Es macht das große Unrecht sichtbar, das den Menschen angetan worden ist und soll auch heutigen Generationen als Mahnung dienen, derartiges niemals wieder geschehen zu lassen.