Streit um Essensbestellung in Fürther Kindergarten
Ein Vater beklagt, dass Zu- und Abbestellungen von Mahlzeiten künftig einen längeren Vorlauf haben sollen: „Nicht durchdacht.“ Caterer erklärt die Gründe.
„Anpassung der Zu- und Abbestellzeiten“ lautet die Betreffzeile. Kürzlich informierte die Speisegaststätte „Zum Hannes“ aus Linnenbach die Kunden der Mittagsverpflegung über eine Änderung, die bei einigen Eltern in der Kindertagesstätte „Regenbogen“ nicht gut ankam.
„Das ist nämlich nicht ganz durchdacht“, moniert Pietro Minardi, dessen Kinder die Einrichtung besuchen. Konkret geht es darum, dass es künftig nicht mehr möglich sein soll, Essen am selben Tag dazu- oder abzubestellen. Ab 1. August sollen diese Umbestellungen nur bis zum Vortag um neun Uhr morgens möglich sein.
Entscheidung schon am Vortag
„Das bedeutet, dass wir Eltern am Vortag entscheiden müssen, ob das Kind morgen da ist oder nicht“, erklärt Minardi und gibt zu bedenken: „Was, wenn die Kinder übers Wochenende krank werden? Wenn sie dann am Dienstag wieder in den Kindergarten gehen sollen, haben sie kein Essen.“ Es sei so geregelt, dass sich die Kleinen mit Wäscheklammern selbst sozusagen vormerken könnten: „Das ist positiv, denn das können schon Kinder, die noch nicht lesen können.“ Es gebe einige Elternpaare, die es so sehen wie er, betont der Vater: „Man versucht halt, alles auf das schwächste Glied der Kette abzuwälzen.“
In dem Schreiben wird die Entscheidung mit drei Argumenten begründet: „Ressourcen schonen – verantwortungsvoller, nachhaltiger Umgang mit Lebensmitteln“, heißt eins, ein anderes „Mitarbeiter entlasten, Arbeitsabläufe optimieren“ ein anderes und „Zukunftsorientierung“ das dritte. Dazu schreiben Küchenleitung, Küchenmeister und Metzgermeister: „Die angekündigte Maßnahme trägt dazu bei, die Arbeitsabläufe und Wareneinsätze in unserem Betrieb zu verbessern und eine zuverlässige Versorgung zu gewährleisten.“ So könnte den Kindern „auch zukünftig ein ausgewogenes, frisches und leckeres Mittagessen mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln“ geliefert werden.
„Ich bin auch nicht für Lebensmittelverschwendung“, bemerkt Minardi: „Aber es ist nicht wirklich nachhaltig, wenn Mahlzeiten zu viel zubereitet werden.“ Etwa, wenn man sie nicht mehr rechtzeitig abbestellen kann.
Massive Stornierungen: bis zu 100 Portionen am Tag
Die Caterer wiederum sprechen von „massiven Stornierungen“, 80 bis 100 Portionen am Tag. Küchenmeister Stefan Steinmann geht im OZ-Gespräch auf die Gründe für seinen Schritt ein und erklärt: „Wir haben in der Küche ja nicht nur ein Kühlfach wie beispielsweise im Supermarkt.“ Zum Teil würden bestimmte Waren eine Woche im Voraus bestellt werden, Salat, Joghurt und Fleisch, müssten schnell verarbeitet werden. Das wiederum bedeutet, selbst wenn rechtzeitig storniert wird, bleibt die Küche auf Lebensmitteln „sitzen“, wenn Kinder zum Beispiel drei Tage lang fehlen. Er erklärt: „Wir haben es uns nicht einfach gemacht.“
Nie in Rechnung gestellt
Das Unternehmen liefert täglich 1700 Mahlzeiten aus, versorgt Schulen und Kindergärten und bietet einen Mittagstisch für Senioren an. Um 7.30 Uhr beginnt die Arbeit, gegen 15 Uhr ist sie getan. Hinter dem Betrieb liegen schwere Zeiten; in den Corona-Jahren, berichtet Steinmann, konnte es passieren, „dass wir morgens um viertel nach acht angerufen wurden und man uns mitgeteilt hat, dass eine ganze Einrichtung ausfällt.“ Mit der Folge, dass viele bereits vorbestellte Lebensmittel weggeworfen werden mussten: „Wir haben das nie in Rechnung gestellt.“ Auch nicht, wenn Kindergärten geschlossen bleiben, beispielsweise bei Starkregen oder heftigen Schneefällen: „Da sind wir schon mal auf 50 Prozent sitzen geblieben.“ Dazu kommt, dass der Betrieb auch auf Allergien und Unverträglichkeiten eingestellt ist und spezielle Portionen für Personen mit Gluten- oder Laktoseintoleranz, aber auch Zöliakie zubereitet: „Solche Lebensmittel sind oft teurer als andere, aber auch das berechnen wir nicht.“ Wenn storniert werde, lande auch das im Müll.
Gutes Arbeitsumfeld
Deshalb wurde mit dieser Neuregelung jetzt beschlossen, „eine Linie hineinzubringen“, nicht zuletzt, um die Abläufe auch für die Mitarbeiter planbarer zu machen. „Wir haben Corona überlebt und uns neu aufgestellt“, erklärt der Küchenmeister, „und wir sind froh, dass wir genug Mitarbeiter haben. Für sie müssen wir auch ein gutes Arbeitsumfeld schaffen.“
Er habe sich verschiedene Alternativen überlegt und sich bei anderen Caterern umgehört. Da gibt es manche, bei denen man am Freitag für die ganze kommende Woche vorbestellt, andere, die über eine Pauschale abrechnen, selbst wenn Ferien sind, und wieder andere, die den Aufwand einer Einzelabrechnung auf sich nehmen. Deshalb ist die gefundene Regelung für ihn gangbar, und er betont nicht ohne Stolz: „Es gab noch nie einen Tag, an dem wir nicht geliefert haben. Und unsere Preise sind fair.“