Turmfalke auf dem Gehweg: Birkenauer retten Wildtier in Not
In Birkenau finden Anwohner einen kleinen Turmfalken am Straßenrand. Schnell stellt sich die Frage, wer bei solch einem Fund benachrichtigt wird. Polizei und NABU geben Antworten.
Birkenau. Ein unerwarteter Fund versetzt die Bewohner der Erlenbachstraße in Birkenau gleichermaßen in Entzücken und Ratlosigkeit. Am frühen Abend entdecken Anwohner einen kleinen Turmfalken. „Er saß völlig regungslos auf dem Bürgersteig“, erzählt Bewohner Willi Grothe dieser Redaktion im Gespräch.
Sein Nachbar ist es, der Grothe auf den Falken aufmerksam macht. Laut dem Birkenauer kommt neben dem großen Entzücken über das kleine Vogelküken auch schnell die Ratlosigkeit. Wie verfährt man mit einem gefundenen Wildtier? Sollte die Polizei hinzugezogen oder besser der Tierschutz angerufen werden?
Ziemlich schnell sind sich die Birkenauer einig: Der Vogel ist wohl aus dem Nest gefallen und schafft es nun nicht mehr eigenständig zurück. Scheu vor Menschen zeigt der kleine Turmfalke laut Grothe nicht. „Viele standen um ihn herum, das hat ihn gar nicht interessiert.“ Scheinbar erschöpft von seinem unbeabsichtigten Abenteuer legt der kleine Vogel laut Grothe immer wieder den Kopf in die Federn und schließt die Augen.
"Im schlimmsten Fall hätte ihn ein Auto erwischt"
Nachdem auch mehrere Telefonate keine Lösung für das Vogelbaby bringen, besorgt ein Nachbar einen großen Korb mit Luftlöchern. Mit einem Handtuch bewaffnet, setzen die Bewohner das Tier vorsichtig in den Behälter. „Wir wussten, wir können ihn hier an der Straße nicht einfach sitzen lassen. Im schlimmsten Fall hätte ihn ein Auto erwischt“, erklärt Grothe.
Der Falke wird schließlich auf einer abgelegenen Wiese wieder ausgesetzt, in der Hoffnung, dass seine Mutter ihn findet und zurück ins Nest holt. Und die Birkenauer? Die sind sich immer noch nicht sicher, welche Stelle im Falle eines Wildtierfundes benachrichtigt wird.
Auffangstationen für Wildtiere
Ehrenamtliche Wildvogelhilfe: Ansprechpartner: Gaby Weiß, Lampertheim, Telefon 0176/43267758, Internet www.ehrenamtliche-wildvogelhilfe.de
Mauerseglerhilfe Apus: Ansprechpartner: Jeanette Mayer, Gorxheimertal, Telefon 0157/58248219, E-Mail info@mauerseglerhilfe-apus.de, Internet: www.mauerseglerhilfe-apus.de
Igel: Ansprechpartner: Nicole Wanderlingh, Mörlenbach, Telefon 0163/9047634
Greifvogelpflegestation Südhessen: Ansprechpartner: Ron Kilian, Lampertheim, Telefon 0172/6228048
Eine Nachfrage beim Polizeipräsidium Südhessen ergibt: Die Polizei helfe grundsätzlich erst einmal in allen Situationen, auch bei einem Wildtierfund.„Die Kollegen würden aber in aller Regel auf den NABU oder den BUND im Kreis Bergstraße weiterverweisen“, erklärt Polizeihauptkommissar Bernd Hochstädter.
„Dort gibt es Kontakte zu Vogelschutzvereinen oder -initiativen“, merkt er an. Ein Blick auf die Internetseite des NABU Kreis Bergstraße bringt ein wenig Licht ins Dunkel. Neben den von Hochstädter angesprochenen Tierschutzorganisationen werden dort auch die wichtigsten Regeln im Umgang mit gefundenen Tieren erklärt.
Gefundene Jungvögel nicht eigenständig aufziehen
Zunächst geht es darum, das Tier in einem ausbruchssicheren Karton mit ausreichender Luftzufuhr zu sichern. Der NABU weist ausdrücklich darauf hin, dass den Findlingen weder Nahrung noch Flüssigkeit angeboten werden sollte. Bei falscher Ernährung kann die Rettung im schlimmsten Fall tödlich enden.
Gefundene Jungvögel sollten zudem moderat gewärmt werden – „handwarm“ sei hier die richtige Temperatur. Der NABU bittet alle Finder, von dem Gedanken abzusehen, das Tier eigenständig großziehen zu wollen. Wildtier-Auffangstationen seien in solchen Fällen die bessere Anlaufstelle.
„Wir wussten, wir können ihn hier an der Straße nicht einfach sitzen lassen.“ - Anwohner Willi Grothe
Zurück in die Erlenbachstraße und zum kleinen Turmfalken: Grothe weiß nicht, warum die geführten Telefonate seiner Nachbarn keine Lösung brachten: „Ich habe nicht selbst telefoniert und deshalb nicht mitbekommen, wo überall angerufen wurde.“
Vereint mit der Familie
Eine erfreuliche Nachricht gibt es aber: Die Bewohner sind sich sicher, dass der kleine Falke zurück zu seiner Familie gefunden hat. „Ich sehe ihn immer auf dem Nachbarszaun und im Garten sitzen und fröhlich fiepen“, erzählt Grothes Frau am Telefon. Sie hat den Vogel ins Herz geschlossen und behält ihn auf dem Weg durch die Gärten der Nachbarschaft im Auge.
Die Vermutung liegt nahe, dass sich das Nest der Turmfalken auf dem Nachbardach der Grothes befindet. „Wir sind froh, dass es ihm augenscheinlich gut geht.“ Ob der Turmfalke nun wirklich aus dem Nest gefallen ist oder nur ein kurzes Päuschen am Straßenrand machen wollte, werden die Birkenauer wahrscheinlich nie erfahren.