Bundesweite Protesttage in Arztpraxen
Auch Hausarztpraxen im Odenwald nehmen an den bundesweiten Protesttagen teil.
„Wir streiken. Wir sehen schwarz für die Zukunft der medizinischen Versorgung, deshalb protestieren wir.“ So lautet die Ansage auf dem Anrufbeantworter der Gemeinschaftspraxis der Dres. Rüdiger Leutgeb, Bettina Modl und Martin Pielsticker in Rimbach. Die Hausärzte beteiligen sich wie viele andere Kollegen in der Region auch an den bundesweiten Protesttagen vom 27. bis 29. Dezember.
„Die ambulante medizinische Versorgung muss stabilisiert und gefördert werden, andernfalls droht insbesondere die hausärztliche und kinderärztliche Versorgung komplett wegzubrechen“, warnt Christian Sommerbrodt, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Hessen, in einer Pressemitteilung zu der Aktion. Mit Blick darauf schließen sich der Hausärzteverband und der hessische Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte den bundesweiten Protesttagen an.
Bedingungen verbessern
Um für die Patienten langfristig eine flächendeckende ambulante ärztliche Versorgung zu sichern, hat der hessische Hausärzteverband in einer Resolution folgende Forderungen gestellt. Demnach sollen die Bedingungen für die niedergelassenen Ärzte wieder so attraktiv gestaltet werden, dass die nachwachsende junge Ärztegeneration gerne eine Hausarztpraxis übernimmt. „Dabei muss eine Befreiung von überflüssiger Bürokratie, eine nach ärztlicher Einschätzung sinnvolle – und funktionierende – Digitalisierung sowie eine angemessene Vergütung ärztlicher Leistungen im Vordergrund stehen. Medikamenten- und Heilmittelregresse müssen abgeschafft werden“, heißt es in der Pressemitteilung.
Außerdem müssten die Studienkapazitäten im Fach Humanmedizin an den hessischen Universitäten erweitert werden, um eine medizinische Versorgung der älter werdenden Bevölkerung für die Zukunft zu sichern. Dabei sei eine Erweiterung der Hausarztquote eine langfristig sinnvolle Maßnahme. Zudem bedürfe das Medizinstudium einer dringend notwendigen Reform. Darüber hinaus mache der Umbau der Krankenhäuser eine Stärkung der ambulanten Ausbildung nötig.
Trotz der Differenzen über einen möglichen Kostenausgleich verlangt der Verband von Bund und Ländern, das Verfahren zur Novellierung der Ärztlichen Approbationsordnung unverzüglich fortzusetzen und schnellstmöglich zum Abschluss zu bringen. Die Zukunft der ambulanten Versorgung liege in kooperativen Versorgungsmodellen. Deshalb sollte das „Hausärztliche Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung Interprofessionell“ (HÄPPI) vorangetrieben werden. Dabei handele es sich um ein innovatives Versorgungskonzept, dass der Landesverband Baden-Württemberg in Kooperation mit der Universität Heidelberg entwickelt habe. Neu sei aber, dass die Mitarbeiter je nach Fachkenntnis und unter Aufsicht der Hausärzte stärker in die Versorgung der Patienten integriert werden. Dadurch hätten Ärzte wieder mehr Zeit für diejenigen, die ihre ärztliche Expertise dringend benötigen.
Gegen Finanzinvestoren
Zudem wehrt sich der Verband gegen Finanzinvestoren in der Gesundheitsversorgung. „Medizin ist kein Gewerbe, sondern Daseinsfürsorge. Es gibt den fatalen Trend, dass zumeist fachfremde Finanzinvestoren Medizinische Versorgungszentren und Arztpraxen aufkaufen, um sie anschließend mit maximalem Gewinn zu betreiben. Die Gesundheitspolitik muss diese Profitgier im medizinischen Bereich unterbinden“, unterstreicht Sommerbrodt.
Letzter Punkt ist eine Reform der Notfallversorgung. Die Notaufnahmen der Krankenhäuser würden zunehmend mit Bagatell-Fällen geflutet. Und das, obwohl tagsüber die Praxen geöffnet hätten und nachts der Ärztliche Bereitschaftsdienst zur Verfügung stehe.
Der Ärztliche Bereitschaftsdienst (Telefon 116117) ist bis 29. Dezember ganztags besetzt.