Asiatische Hornisse: Riesiges Nest in Weinheimer Garten
In der Birnenstraße hängt ein filigraner Kokon, der die Aufmerksamkeit der Familie Eberhardt und der Behörden auf sich zieht. Es handelt sich um ein Nest der invasiven Wespenart, die sich in Deutschland immer weiter ausbreitet und eine Bedrohung für Bienen darstellt. Fred Eberhardt und die Schädlingsbekämpfer stehen vor einer Herausforderung: Wie entfernt man ein Hornissennest in zehn Metern Höhe?
Noch summt und brummt es um das Hornissennest im alten Kirschbaum der Familie Eberhardt in der Weinheimer Birnenstraße. Wie ein riesiger, filigraner Kokon hängt es in einer Höhe von rund zehn Metern. „Faszinierend“, findet Fred Eberhardt und blickt hinauf. Doch bei aller Bewunderung für die Schaffenskraft der Natur, es hilft nichts: Das Nest muss weg, oder zumindest die rund 1000 Insekten, die darin leben.
Ziel: Verbreitung eindämmen
Es handelt sich um die Asiatische Hornisse, die sich auch hierzulande immer weiter ausbreitet (invasiv) und mittlerweile einer Meldepflicht unterliegt. Ziel ist es, die Verbreitung einzudämmen. Denn die Asiatische Hornisse hat es besonders auf Bienen abgesehen. Imker fürchten um ihre Völker. Zwar jagt auch die heimische Hornisse Honigbienen, aber bei der „Vespa velutina“ machen Bienen einen Großteil der Nahrung aus. Zudem sind die Völker mit bis zu 2000 Tieren viel größer als bei der heimischen Art.
Das Hornissennest im Weststädter Garten hat enorme Ausmaße: Geschätzte 70 Zentimeter ist es hoch, mit einem Durchmesser von 45 Zentimetern. „Eigentlich hätte es uns schon viel früher auffallen müssen“, sagt Fred Eberhardt, dessen Eltern in der Birnenstraße wohnen, „aber erst vor einer Woche, als die Blätter gefallen sind, wurden wir darauf aufmerksam.“
Zehn Stiche auf einmal
Dabei hatte es bereits vor einigen Wochen alarmierende Anzeichen gegeben. Beim Unkrautzupfen im Vorgarten wurde der 88-jährige Karl-Heinz Eberhardt gestochen – ganze zehnmal. Er kam wohl dem zweiten Nest zu nah, das sich im Kirschlorbeer des Nachbarn versteckt hatte.
Der Stachel ist länger
Ganz schön heftig. „Mein Mann hat es aber gut verkraftet“, erklärt Hilde Eberhardt. Der Stich der Asiatischen Hornisse ist zwar vergleichbar mit dem Stich einer heimischen Hornisse, nur schmerzt er mehr, weil der Stachel des Insektes länger ist.
Zwei Nester also in einem Garten. Da fing Fred Eberhardt an, zu recherchieren. Schnell war klar, um welches Insekt es sich handelt. Also holte er sich Rat beim Imkerverein Weinheim, der ihm empfahl, sich beim Regierungspräsidium Karlsruhe zu melden. Das schickte jetzt Schädlingsbekämpfer in die Weststadt.
Die Schädlingsbekämpfer kommen
Die Mitarbeiter des Lampertheimer Unternehmens BPS Kilian haben zurzeit viel tun. Einer davon ist Felix Arnold. Er klettert am Donnerstag im weißen Imkerschutzanzug die Leiter hoch, die am Kirschbaum lehnt. Doch die Sprossen reichen nicht zum Nest bis in die luftige Höhe. Und für den Hubsteiger ist der Garten hinter dem Haus nicht erreichbar. Also schnappt sich Arnold eine lange Teleskopstange. An deren Ende: eine Sprühpistole mit einem Kontakt-Insektizid – ein Nervengift. Das Todesurteil für die Tiere? „Ja schon, aber die würden ohnehin sterben, sobald es kälter wird“, erklärt Arnold. Den Schädlingsbekämpfern geht es vor allem darum, dass kein Nachwuchs schlüpft, der später – für den Fall, es handelt sich um Königinnen – wieder eigene Völker gründen könnten.
Und genau das soll vermieden werden. Arnold: „Eigentlich sind wir sogar angehalten, die Nester komplett zu entfernen, aber hier war das aufgrund der Höhe einfach nicht möglich.“
Bald ist Ruhe
Das zweite, kleinere Nest im Kirschlorbeer jedoch war schnell beseitigt. Im Wipfel des Kirschbaumes dagegen brummt es noch. „Doch bis in einer Woche müsste dort Ruhe einkehren“, vermutet Fred Eberhardt.