Geradewegs ins Feuer - Übung in Weinheim unter Extrembedingungen
In dem Brandcontainer ist es so heiß wie in einem Backofen. Bei Temperaturen von über 250 Grad Celsius übten die Einsatzkräfte, wie man ein Menschenleben rettet.
Der Geruch von verbranntem Holz liegt in der Luft. Dicke Rauchwolken quellen schon von Weitem sichtbar in den Himmel. Selbst aus einigen Metern spürt man die Wärme, die aus der nachgebauten Wohnung strahlt, auf der Haut. Von außen ist das Feuer nicht zu sehen. Lediglich das Knacken des feuchten Holzes ist zu hören. Rechts und links liegen Feuerwehrschläuche auf dem Boden. Mehrere Einsatzkräfte stehen in voller Montur bereit. Die Anspannung ist fast greifbar. Und das, obwohl es sich bei dem Container, in dessen Herzen die Flammen lodern, um eine Übungsumgebung handelt.
Wofür wird trainiert?
„Wir möchten, so gut es geht, den Ernstfall üben“, erklärt Sören Erbeldinger, stellvertretender Stabstellenleiter der Weinheimer Feuerwehr. Immerhin kommt es laut Statistik jährlich zu rund 200 000 Bränden in Deutschland – 22 in der Stunde. Und weil diese Situation zum täglichen Brot der Feuerwehr gehört, haben sich die Weinheimer an diesem Tag Container vor ihrer Wache aufbauen lassen. Auf einer Fläche von 60 Quadratmetern wird in ihnen eine echte Wohnung nachgebildet – samt Küche, Wohnzimmer und Schlafzimmer.
Alles ist aus Metall, damit Trainings wie dieses auch in kurzen Abständen hintereinander durchgeführt werden können. Ziel der heutigen Übung ist, die taktische Menschenrettung zu trainieren. Und das ohne die technischen Möglichkeiten, über die die Feuerwehren heutzutage verfügen. Denn: „So eine Wärmebildkamera kann im schlimmsten Fall auch mal ausfallen“, erläutert Koordinator und Ausbilder Matthias Schumacher-Rüber von „FEUERCON“.
Tipps zur Brandvermeidung Zuhause
Rauchmelder anbringen: In allen Zimmern und im Flur Rauchmelder installieren und regelmäßig testen.
Elektrische Geräte kontrollieren: Kabel und Geräte auf Schäden prüfen und defekte Geräte austauschen.
Beim Kochen aufpassen: Den Herd nie unbeaufsichtigt lassen und brennbare Dinge fernhalten.
Kerzen sicher verwenden: Kerzen in festen Haltern aufstellen und vor dem Verlassen des Raumes löschen.
Feuerlöscher bereithalten: Einen Feuerlöscher griffbereit haben und wissen, wie er funktioniert.
Gefährliche Stoffe sicher lagern: Brennbare Flüssigkeiten richtig aufbewahren und von Wärmequellen fernhalten.
Müll sicher entsorgen: Asche und Zigarettenreste erst abkühlen lassen, bevor sie in den Müll kommen.
„Wir wollen zurück zum Handwerk“, so der Ausbilder des Unternehmens aus Erkrath (Nordrhein-Westfalen), das sich auf die Feuerwehr- und Realbrandausbildung spezialisiert hat. Diese Expertise soll nun Feuerwehrleuten aus dem Rhein-Neckar-Kreis, darunter Hemsbach, Hirschberg, Laudenbach und natürlich Weinheim, zugute kommen.
Im Inneren des Containers
Die Türen des Containers öffnen sich. In Gang, Speisekammer und den Zimmern lodern noch die Flammen. Überall ist Ruß. Das Feuer ist die einzige Lichtquelle hinter einem dichten Vorhang von Rauch. Trotzdem wird dem Attrappen-Appartement vor dem nächsten Durchgang noch einmal richtig eingeheizt. „Auf Türklinkenhöhe sammeln sich schon Temperaturen von 250 Grad Celsius“, so Matthias Schuhmacher-Rüber. Es ist so heiß wie in einem Backofen.
Immer drei Brandschützer gehen zusammen mit einem Ausbilder in die Gefahrensituation, um eine Puppe aus dem Container zu retten. Außerhalb steht das nächste Team schon bereit, welches im Ernstfall helfen und einschreiten kann. Jetzt sind Julian Brenner, Jessie Arnold und Carsten Dübler von der Feuerwehr Lützelsachsen an der Reihe.
Vorarbeiten bis zur Feuerquelle
Um den Brandherd zu lokalisieren, kriechen sie langsam auf den Knien und tasten sich sowohl mit den Händen als auch den Füßen durch die nebulöse Umgebung, bis sie schließlich zu ihrem Ziel, der Puppe, gelangen. Durch die sogenannte „Nullsicht“ ist diese Vorgehensweise das Mittel der Wahl. Ganz vorsichtig tragen sie den aus Schläuchen nachgebastelten Menschen aus dem Container. Ganz so, als könnte er wirklich Schaden nehmen.
Und das tut er durch die Dauerbelastung ja auch. Deshalb wird die Puppe aus Schläuchen gebastelt. Zwar gibt es extra Übungspuppen für Heißausbildungen, die eine gewisse Feuerresistenz haben. Aber auch sie gehen nach einer Weile kaputt – und sind bei einem handelsüblichen Preis von über 1000 Euro zudem ganz schön kostspielig.
Wer darf mitmachen?
Nicht jeder darf an der brandheißen Übung teilnehmen: „Es gibt Bedingungen, die man dafür erfüllen muss. Man muss mindestens 18 Jahre alt sein, Belastungsübungen durchgeführt und die regulären Untersuchungen als Atemschutzträger durchlaufen haben“, so der Ausbilder. Und selbst wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind: Wem das Ganze zu heiß wird, für den ist es ebenfalls okay, die Realbrandübung abzubrechen. „Man ist nicht an jedem Tag gleich fit und kann die gleichen Leistungen bringen. Das hier ist auch keine Prüfung“, sagt Sören Erbeldinger.
Erfahrungsbericht der drei Feuerwehrleute
Trotzdem: Julian Brenner, Jessie Arnold und Carsten Dübler haben bestanden. Das Trio kommt erfolgreich aus dem Container. Das Strahlen ihrer Augen leuchtet durch den Sichtschutz der Atemschutzmaske hindurch. Wie sie die Übung fanden? Arnold zeigt direkt einen Daumen hoch. Nachdem alle ihre verräucherte Brandschutzkleidung ausgezogen haben, sind sie gesprächiger.
„Anstrengend“, so Jessie. „Aber geil“, fügt Carsten hinzu. „Klar, es war ziemlich heiß. Man hat nichts gesehen und die ganze Zeit auf den Knien zu kriechen, war anstrengend“, so Julian. „Aber es war eine sehr lehrreiche Erfahrung.“ Insgesamt finden alle drei, dass sich die Übung sehr gelohnt hat, und sie würden sie jederzeit wiederholen.
Stresssituationen stärken den Teamgeist
Verschwitzt, aber glücklich, sind die drei. Und man erkennt: Die Erfahrung hat sie noch enger zusammengeschweißt. Die Teambildung ist ein weiterer gewünschter Aspekt der Heißübung. Denn um sie zu meistern, muss jeder auf jeden achten. Das Team kommt und geht gemeinsam. Selbst die Brandschutzkleidung wird zusammen an- und ausgezogen. Vereint geht es in die Gefahr - und nur zusammen wieder raus.
Fest steht: Die Feuerwehrleute nehmen an diesem Tag viel mit nach Hause. Nicht nur den Geruch des verbrannten Holzes, der sich so hartnäckig in Haaren und Kleidung hält. Viel nachhaltiger ist der Teamgeist. Und die Kenntnis, zu wissen, was zu tun ist, wenn der Ernstfall eintritt.