Laudenbach

Benjamin Köpfle kandidiert für den Kreistag

Trotz finanzieller Herausforderungen hat Laudenbachs Bürgermeister Benjamin Köpfle ehrgeizige Pläne für das Jahr 2024. Im Jahresgespräch geht er darauf ein.

Ausblick auf ein spannendes Jahr: Laudenbachs Bürgermeister Benjamin Köpfle nennt im Jahresgespräch die Großprojekte seiner Kommune. Er selbst möchte die Stimme Laudenbachs im Kreistag werden und kandidiert am 9. Juni. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Ausblick auf ein spannendes Jahr: Laudenbachs Bürgermeister Benjamin Köpfle nennt im Jahresgespräch die Großprojekte seiner Kommune. Er selbst möchte die Stimme Laudenbachs im Kreistag werden und kandidiert am 9. Juni.

Trotz angespannter Haushaltslage will Laudenbachs Bürgermeister Benjamin Köpfle im Jahr 2024 wieder viel bewegen. Welche Projekte dies sind, erläuterte er im Jahresgespräch mit den WN.

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Herr Köpfle, die Nachrichten vom Bund aus Berlin verheißen nichts Gutes. Überall ist die Rede von Einsparungen. Speziell beim Klimaschutz. Gibt es bereits Projekte, die Sie verschieben müssen, weil es die Förderung nicht gibt?

Benjamin Köpfle: Das Problem ist doch, dass der Bund es selbst nicht weiß. Ich nenne mal als Beispiel für die Auswirkungen für Laudenbach die Bergstraßenhalle. Wir haben im Rahmen des Förderprogramms Sportstättenbau unser Interesse bekundet. Sollten wir keine Förderung erhalten, müssen wir kleinere Brötchen backen. Die Komplettsanierung wird ein Millionenprojekt. Dies geht nur mit einer massiven Förderung. Zugleich steht außer Frage, dass etwas bei der Halle gemacht werden muss. Beispielsweise sind erste Stellen am Dach undicht. Es muss sich aber keiner Sorgen machen, dass eine Schließung der Halle droht. Wir gehen nun die dringlichsten Arbeiten an.

Wie steht es um die Umstellung auf LED, die die Kommune in Eigenregie umsetzen will?

Köpfle: Auch bei der Umstellung unserer Straßenbeleuchtung auf LED-Technik ist die Förderung völlig offen. Die von uns beauftragte Firma bereitet gerade den Förderantrag vor. Bis der jedoch fertig ist, haben wir bestimmt eine Aussage vom Bund. Es gibt also keine Veranlassung, das Projekt nun grundsätzlich in Frage zu stellen. Allerdings finde ich das Verhalten des Bundes nicht gut: Wenn man es mit dem Klimaschutz ernst meint, darf man hier nicht Fördermittel kürzen.

Laudenbach hat für eine kleine Kommune viel in Sachen Klimaschutz bewegt. Was soll im Jahr 2024 umgesetzt werden?

Köpfle: Sie haben recht. Ich finde ebenfalls, dass es vorbildlich ist, was wir da in den vergangenen Jahren mit Maßnahmen, Aktionen und Veranstaltungen auf die Beine gestellt haben. Da gebührt vor allem dem Bauamt und der Klimaschutzmanagerin ein dickes Lob. Eine der Maßnahmen soll die oben erwähnte Umrüstung auf die LED-Technik sein. Die Maßnahme ist auf zwei Jahre verteilt. 450 000 Euro sind insgesamt veranschlagt. Eine weitere Klimaschutzmaßnahme ist die Photovoltaikanlage auf dem Dach der Kita Kunterbunt und der Sonnberg-Schule. Hier sind 250 000 Euro an Investition vorgesehen. Wir schauen generell drauf, dass wir durch unsere Klimaschutzmaßnahmen bei den kommunalen Liegenschaften die Energiekosten senken können. Auf Dauer rentiert sich das alles. Im Falle der Schule und der Kindertagesstätte würde sich die Investition nach acht Jahren amortisieren.

Ein weiteres Umweltschutzprojekt ist die PV-Anlage an der Autobahn. Wie geht es weiter?

Köpfle: Wir wollen hier mit der GGEW Bensheim in den nächsten Wochen entscheidend vorankommen. Derzeit erfolgen noch die Abstimmungen mit den beteiligten Behörden. Das Ziel ist es, den Bauantrag im ersten Quartal 2024 einzureichen. Die Verhandlungen zum Projekt waren langwierig und nicht immer einfach. Wichtig war mir, dass der Gemeinderat genaue Vorgaben gemacht hatte. Es wurde ein klarer Rahmen gesteckt und man verständigte sich auf eine Fläche von sechs Hektar. Mit diesem Paket haben wir dann das Gespräch mit den Landwirten geführt und am Ende einen einstimmigen Beschluss des Gemeinderats erzielt.

In Ihrer Haushaltsrede haben Sie auf die angespannte Finanzsituation hingewiesen. Von einem Haushalt des Übergangs haben Sie gesprochen. 3,2 Millionen Euro werden investiert. Gibt es eigentlich eine Streichliste für 2024?

Köpfle: Na ja, wir haben beispielsweise die Sanierung der Bergstraßenhalle nicht mit einem größeren Betrag in den Haushalt aufgenommen. Lediglich kleinere Beträge für die dringlichsten Arbeiten. Andere Maßnahmen werden geschoben. So etwa der Kauf eines Feuerwehrautos. Im Friedhofsgebäude gehen wir nur den Sanitärbereich an und lassen andere Bereiche außen vor. Um es klar zu sagen: Alle Bereiche sind betroffen und manche Investitionen können jetzt eben nicht getätigt werden. Unser Schwerpunkt liegt generell bei der Instandhaltung unserer Liegenschaften.

Um mehr Geld einzunehmen, setzen viele Kommunen auf ein Neubaugebiet. Im Kisselfließ II soll es im Frühjahr losgehen. Wie steht es eigentlich um die kommunalen Grundstücke?

Köpfle: Es sieht aktuell so aus, dass wir in der ersten Vermarktungsrunde einen Großteil unserer zehn kommunalen Grundstücke verkaufen können. Die Nachfrage ist zwar da, aber es ist derzeit kein einfaches Geschäft. Gründe sind die gestiegenen Zinsen sowie die allgemeine, unsichere wirtschaftliche Lage. Ungeachtet dessen wollen wir im Frühjahr mit der Erschließung beginnen. Die MVV Regioplan hat die Maßnahme vergeben, die Baufirma steht in den Startlöchern.

Letztes Jahr war es der Anton-Praetorius-Platz, dieses Jahr wird das Bahnhofsumfeld mit rund einer Million Euro das größte Projekt. Wann starten die Arbeiten?

Köpfle: Das Ziel ist es, im ersten Quartal zu beginnen, Februar oder März, hoffe ich. Zum Jahresende soll das Bahnhofsumfeld dann neu gestaltet sein. Ich freue mich schon drauf.

Sie bezeichnen die Umgestaltung ebenfalls als Klimaschutzprojekt. Warum?

Köpfle: Es entstehen dort E-Ladesäulen sowie eine große Radabstellanlage, um den Umstieg auf ÖPNV zu fördern. Für den Bereich der Radabstellanlage haben wir einen Antrag für das Förderprogramm „Bike-and-Ride“ clevererweise direkt nach dem Baubeschluss gestellt. Es geht hier um einen Bundeszuschuss von 300 000 bis 400 000 Euro, der an klimafreundliche Mobilität gekoppelt ist.

Die Umkleide am Sportzentrum ist schon lange ein Thema in Laudenbach. Oder?

Köpfle: In der Tat. Hier möchte ich im Sinne der betroffenen Vereine endlich einen Knopf dranmachen und plädiere für eine Gesamtlösung, statt sich in kleineren Arbeiten zu verlieren und dann in wenigen Jahren nochmal anfangen zu müssen, was uns am Ende mehr Geld kosten könnte. Im Jahr 2024 sind 500 000 Euro im Haushalt vorgesehen, 2025 sind es dann 1,5 Millionen Euro. Über Einsparmöglichkeiten wird derzeit noch mit den beauftragten Planern sondiert. Auch hier könnten wir noch 2024 beginnen – wenn denn der Bund als Fördergeber mitspielt.

Für den Schillerplatz haben sich erfreulicherweise viele Architekten gemeldet. Passiert da 2024 noch etwas, wenn ja was?

Köpfle: Das wird ein spannender Prozess. Acht Architekturbüros dürfen ihre Arbeiten bis Ende Februar einreichen. Ende März tagt das Preisgericht. Anschließend sind die kommunalen Gremien an der Reihe. Es gibt mehrere Lösungen für das Areal, gerne mit Gastronomie und ansprechender Freifläche. Wir werden hier auch parallel mit Investoren sprechen. Ende 2024 sollte die Planung stehen. Erwähnen möchte ich noch die große Beteiligung, bei der über 200 Bürger mitmachten. Hier wurde der Wunsch nach einem Treffpunkt für Jung und Alt genannt. Also ein Ortsmittelpunkt. Die Idee, den Platz so zu belassen, wie er aktuell interimsweise ist, halte ich daher für nicht zu Ende gedacht.

Eine weitere Herausforderung ist sicherlich der Flüchtlingsstrom. Wie ist Laudenbach darauf vorbereitet? Mit wie vielen Personen rechnen Sie? Wo werden Sie untergebracht?

Köpfle: Das wird wohl eher eine unlösbare Herausforderung. Wir müssen 2024 fast 90 Personen aufnehmen. Bislang lautet unser Ansatz, die Menschen dezentral unterzubringen und auf Container oder Massenunterkünfte zu verzichten. Allerdings gibt der Wohnungsmarkt nichts mehr her. Die Möglichkeiten sind aufgebraucht. Wenn sich nichts Grundsätzliches ändert, müssen wir die Frage stellen, ob wir an unserem Ansatz festhalten können.

2023 war quasi Ihre Halbzeit. Wo sehen Sie die Herausforderungen in den nächsten Jahren?

Köpfle: Es gibt noch und nöcher Projekte und täglich kommen neue Herausforderungen hinzu. Die Arbeit wird mir daher sicher nicht ausgehen. Ich nenne als Beispiel nur die Sanierungen von Gebäuden, das Großprojekt Bildungszentrum oder die Gestaltung des Schillerplatzes.

Wie fällt eigentlich Ihre Halbzeitbilanz aus?

Köpfle: Meine Halbzeitbilanz fällt sehr positiv aus. Auch wenn sechs Wochen nach meinem Amtsantritt die Coronakrise begann und gefühlt seitdem immer eine Form von Krisenmanagement gefragt ist. Vor diesem Hintergrund finde ich es umso erstaunlicher, was wir in den vier Jahren bewegt haben. Die Zusammenarbeit im Rathaus und auch im Gemeinderat ist sehr gut. Wir haben in Laudenbach allgemein ein gutes Miteinander, auch in der Bevölkerung. Das freut mich sehr, denn das ist in der heutigen Zeit nicht selbstverständlich. Auch ich selbst bin gut angekommen und werde gut angenommen.

Im Juni finden die Kommunalwahlen statt. Unter den Bürgermeistern gibt es wohl eine Absprache, für den Kreistag zu kandidieren. Was halten Sie von der Idee? Ist dies auch etwas für Sie?

Köpfle: Natürlich sprechen wir auch im Kollegenkreis darüber, aber Absprachen gibt es keine. Bei mir haben sich viele Bürger und Mitglieder aller in der Gemeinde vertretenen Parteien gemeldet, die es richtig finden, wenn der Bürgermeister im Kreistag sitzt. Auch mein Amtsvorgänger Hermann Lenz war lange im Kreistag. Zumal uns die Kreisthemen, allen voran die deutlich gestiegene Kreisumlage, sehr betreffen. Sie können daher mit meiner Kandidatur rechnen.

Apropos Wahlen. Ihre Wahl zum Bürgermeister steht erst 2027 an. Hängen Sie eine weitere Periode dran?

Köpfle: Ich fühle mich im Ort sehr wohl und sehr gut aufgenommen. Im Wahlkampf habe ich die Zusicherung abgegeben, dass Laudenbach keine Zwischenstation wird, sondern etwas Dauerhaftes. Ich bin ein großer Fan davon, dass man in der Politik nur das verspricht, was man auch halten kann – oder kurz: Ja, ich möchte mich in vier Jahren um eine Wiederwahl bewerben.