Warum Daniel Döbele auf seiner Weltreise eine Zwangspause einlegt
Vor zwei Jahren brach Daniel Döbele mit dem Fahrrad auf eine Weltreise auf. Jetzt kam es zu einer unerwarteten Zwangspause. Die WNOZ hat sich mit ihm zum virtuellen Gespräch getroffen und hakt nach.
Wir "treffen" uns mit Daniel an einem Freitagnachmittag zum Telefoninterview. Bei uns in Weinheim ist das Wetter nass und mit nur 10 Grad auch nicht wirklich warm. Auf La Palma hingegen sitzt Daniel in Shorts und T-Shirt bei angenehmen 27 Grad auf seiner Terrasse und hat das Meer im Blick. In der nächsten Stunde wird uns der Mörlenbacher die Geschichte seines Lebens erzählen und einen Hauch kanarischen Flair nach Weinheim schicken …
Lieber Daniel, als wir das letzte Mal mit dir gesprochen haben, warst du auf Kreta, kurz vor der Überfahrt in die Karibik. Hat alles wie geplant geklappt?
Daniel: Nicht so wirklich. Anfang November habe ich etwa zwei Wochen an einem bekannten Hitch-Hiker-Strand* auf Gran Canaria gezeltet und nach einem Boot für die Überfahrt gesucht. Mit der Zeit wurde mein Gefühl immer stärker, dass der Moment für die Überfahrt noch nicht der richtige war. Irgendetwas hielt mich noch auf den Kanaren fest – warum, wusste ich damals aber noch nicht. Kurz vor Weihnachten habe ich mich dann endgültig dagegen entschieden, in die Karibik zu segeln.
Was hast du stattdessen unternommen?
Daniel: Zuerst bin ich mit dem Fahrrad in die Berge gefahren, zu einem berühmten Höhlen-Hostel. Eines Abends, kurz vorm Einschlafen, habe ich mich gefragt: Was will ich jetzt eigentlich? Irgendwann war mir klar: Es zieht mich nach La Palma. Auch da habe ich meiner Intuition vertraut.
Warst du auf La Palma ebenfalls mit dem Fahrrad unterwegs?
Daniel: Natürlich! La Palma gilt als die steilste Insel der Welt – da hatte ich schon etwas Respekt davor. Glücklicherweise gibt es auf der Insel überall Serpentinen, sodass es gar nicht so steil war, wie ich befürchtet hatte.
Wie bist du während dieser Zeit an Schlafplätze gekommen?
Daniel: Ich habe mich bei Workaway angemeldet – einer Plattform, auf der Menschen einen Schlafplatz und oft auch eine Mahlzeit anbieten, wenn man dafür drei bis vier Stunden am Tag mithilft. Ich habe auf ein paar Anzeigen geantwortet, aber nur eine einzige Person hat zurückgeschrieben. Ich habe mich richtig über die Nachricht gefreut und bin dann zu der Adresse gefahren. Dass es sich bei der Adresse um das Haus meiner jetzigen Partnerin handelt, hätte ich niemals gedacht – und heute sind wir eine Familie.
Deine jetzige Freundin hat sich also bei dir über Workaway gemeldet? Das klingt wie aus einem Roman.
Daniel: Absolut! Hätte mir vorher jemand gesagt, dass mir so etwas passiert, hätte ich denjenigen ausgelacht. Es ist eine total kitschige Liebesgeschichte. Alles ging irgendwie ganz schnell – und jetzt haben wir ein Baby.
Herzlichen Glückwunsch! Wann und wie habt ihr von der Schwangerschaft erfahren?
Daniel: Mitte Februar haben wir erfahren, dass sie schwanger ist. Aber wir hatten beide schon vorher so ein Bauchgefühl, dass es so sein könnte. Jetzt, neun Monate später, ist unsere Tochter auf der Welt.
Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?
Daniel: Wir haben das Haus meiner Freundin entrümpelt und renoviert. Vorher war es ziemlich heruntergekommen. Jetzt kümmern wir uns um den Garten – wir wollen unsere eigenen Lebensmittel anbauen und müssen dafür einiges freischneiden. Meine Freundin stammt ursprünglich aus La Palma, reist aber ebenfalls sehr gerne. Sie könnte sich vorstellen, mit dem Fahrrad auf Weltreise zu gehen, aber das ist mit einem Baby etwas schwierig. Deshalb wollen wir uns bald einen Camper anschaffen, um als Familie weiterzureisen. La Palma ist jetzt einfach eine längere Pause, bevor es dann wirklich weitergeht.
Kannst du dir vorstellen, nach Deutschland zurückzukehren?
Daniel: Ich möchte irgendwann irgendwo auf der Welt wohnen – aber in Deutschland zurzeit auf keinen Fall! Die Kanaren wären da eine Option. Wir sind beide offen für jeden Ort, solange das Meer in der Nähe ist. Im Moment leben wir auf über 500 Metern Höhe, da ist ein Sprung ins Meer nicht einfach möglich. Natürlich ist das ein Luxusproblem, aber wir wünschen uns einen Ort, an dem das Meer direkt vor der Haustür liegt.
Habt ihr schon eine konkrete Route für eure geplante Camperreise?
Daniel: Mein großer Wunsch ist es, einmal die Panamericana zu bereisen – von Alaska bis runter nach Feuerland. Ich möchte nach wie vor die ganze Welt sehen. Jetzt ist es sogar noch schöner, weil ich das Abenteuer mit meiner Partnerin und unserem Kind teilen kann.
Wenn du auf deine bisherige Reise zurückblickst – was waren deine Highlights, abgesehen von deinem Familienglück?
Daniel: Der Jakobsweg hat mir unglaublich viel Spaß gemacht. Ich habe so viele tolle Menschen kennengelernt, und wir sind zu einer engen Gruppe zusammengewachsen. Ein weiterer großer Wunsch von mir war es, mit dem Fahrrad auf den höchsten Berg Spaniens, den Teide, zu fahren. Da war ich dann auf über 2400 Meter Höhe. Auch den Roque de los Muchachos, den höchsten Berg auf La Palma, bin ich mit dem Fahrradhoch geradelt. Am meisten Spaß hat mir also tatsächlich das Bergeerklimmen gemacht – und das, obwohl ich zu Beginn der Reise davor den größten Respekt hatte!
Gab es Momente, in denen du gezweifelt hast?
Daniel: Ja, vor allem am Strand auf Gran Canaria, als ich mit den Hitch-Hikern gezeltet habe. Ich hatte so lange geplant, die Überfahrt in die Karibik zu machen, und dann zu erkennen, dass es doch nicht das Richtige ist … das war ein schwerer Schritt. Ich hatte allen erzählt, dass ich die Überfahrt mache, und dann plötzlich doch nicht zu fahren, war nicht einfach. Aber ich war mir sicher, dass es irgendwie weitergeht. Zurück nach Deutschland zu fliegen oder das Projekt abzubrechen, war für mich nie eine Option.
Wie hat dich diese Reise verändert?
Daniel: Ich bin insgesamt freier, entspannter und lockerer geworden. Das verdanke ich vor allem der Zeit auf den Kanaren und meiner Freundin. Die Mentalität und das Zwischenmenschliche hier ist so anders als in Deutschland – viel herzlicher und gelassener. Rückblickend glaube ich, dass in Deutschland oft aus Angst und aus einem großen Sicherheitsbedürfnis heraus gelebt und gehandelt wird. Dabei ist im Leben nichts wirklich sicher. Das meiste ist nur eine vorgetäuschte Sicherheit. Diese Reise hat mir geholfen, mich von diesem Sicherheitsbedürfnis zu befreien. Jetzt gehe ich Herausforderungen mit mehr Gelassenheit an.
Daniel und seine Freundin suchen einen Camper für die weitere Weltreise. Falls jemand einen Camper abzugeben hat oder jemanden kennt, der jemanden kennt, würde er sich sehr über eine kurze Nachricht auf Instagram freuen.
*Hitch-Hiker sind Menschen, die ohne eigenes Transportmittel, überwiegend per Anhalter reisen.