Die „geheime“ Kiwi-Plantage in Hirschberg
Ein üppiger Kiwi-Garten in Großsachsen, gepflegt von Friedrich Kreis, ist ein unerwartetes Paradies für Liebhaber dieser exotischen Frucht.
Wer den Hof des Schlossermeisters Friedrich Kreis durchschreitet und den Garten erreicht, dem eröffnet sich plötzlich ein Schlaraffenland: drei Bäume, voll mit braunen Kiwis, wachsen unmittelbar vor seinem Wohnhaus. „Kommen Sie hoch auf den Balkon, da sehen Sie es noch besser“, empfängt der 84-Jährige die WN an diesem Morgen. Oben angelangt, kommt die volle Pracht erst richtig zum Vorschein. Es wirkt wie in einem Dschungel. Mittendrin steht der Großsachsener, drumherum ranken sich die Äste mit der braunen Frucht, die ursprünglich aus dem ostasiatischen Raum stammt.
Sein kompletter Balkon ist mit Ästen „überdacht“. „Im Sommer ist es schön schattig hier“, weiß Kreis den dichten Bewuchs zu schätzen. Summende Bienen oder herumschwirrende Wespen – nein, die stören ihn nicht. Daran hat er sich gewöhnt. Er liebt die Natur.
Die Ernte beginnt
Mehr und mehr erzählt der einstige Unternehmer über sein Hobby, welches er gemeinsam mit seiner Frau Margarethe jahrzehntelang pflegte. Kreis wird zwischendrin melancholisch, denn seine Frau ist gestorben. Er „kümmert“ sich jetzt alleine um seine Früchte – das Hobby wird somit fortgeführt. Ganz im Sinne seiner lieben Frau. Der Großsachsener wirkt ein bisschen aufgeregt, steht doch die Kiwi-Ernte an. „Letztes Mal haben wir fünf Zentner geerntet. Jetzt werden es bestimmt sechs bis sieben Zentner“, gibt er sich sehr zuversichtlich und ist ziemlich stolz. Seine Kinder und Enkel unterstützen ihn beim Einsammeln. Am Ende gibt es ein großes Fest.
Der Großsachsener schildert den Ursprung der Leidenschaft. „Wir bekamen einst von einem Haustürlieferanten eine Kristallschale mit den braunen Früchten. Später haben wir ihn im pfälzischen Maikammer besucht. Das hat uns sehr beeindruckt.“ Was war geschehen? Normalerweise und typisch für die Pfalz führte der Geschäftskollege die zwei Bergsträßer durch die Weinberge. Ja, es gab viele Weinreben mit Trauben zu sehen, aber auch eine Reihe mit Ästen und Kiwis.
„Das machen wir auch!“, schauten sich die Großsachsener tief in die Augen. Zuhause kauften sie drei Kiwibäume, weibliche und männliche, denn die sind für die Zucht und für viele Früchte erforderlich. Dies alles liegt mittlerweile über 40 Jahre zurück. Genauer gesagt im Jahr 1982. Seine Frau sei die treibende Kraft gewesen, verrät Kreis. Er hatte schließlich als Unternehmer noch allerhand zu tun. Der gelernte Schlossermeister übernahm im Jahr 1963 von seinem Vater Philipp das Geschäft in der Breitgasse, welches sich zunächst auf Metall- und später auf Alutüren spezialisierte. Im Jahr 2004 übernahm Sohn und Metallbaumeister Matthias den Familienbetrieb, der drei Jahre zuvor nach Heddesheim verlagert wurde.
Friedrichs Opa und Vater waren Schmied. Er lernte daher, wie ein Pferd beschlagen wurde. Mit 17 Jahren fuhr der junge Friedrich für seinen Vater den Mähdrescher. „Und mit 15 Jahren habe ich die erste Gummirolle für Ackerzüge selbst gefertigt“, verkündet der Großsachsener ganz stolz.
Sein handwerkliches Geschick kommt ihm noch heute bei seinem Hobby zugute. Kreis steht plötzlich auf und zieht ein Buch aus dem Regal. Da steht alles drin über die kleine fruchtige „Vitamin-C-Bombe“. Etwa auch, dass er weibliche und männliche Bäume benötigt. Kreis hat zwei weibliche und einen männlichen vor dem Haus stehen. Da der männliche Baum noch zu jung ist, muss Kreis beim Bestäuben „etwas nachhelfen“. Er setzt dabei eine Wasserflasche ein und besprüht die weiblichen Bäume.
Eine Frucht pro Tag
Kreis kommt ins Fachsimpeln. Die Äste dürfen nicht einfach so weggeschnitten werden, weiß er zu berichten. Es sei wichtig, so zu schneiden, dass die jungen Äste dranbleiben. Das habe er alles aus den Büchern gelernt und seit Jahrzehnten umgesetzt. Jetzt besitzt er die nötige Erfahrung und das glückliche Händchen bei der Zucht, wie auch die große Erntemenge beweist. Und wann sind die Kiwis reif? „Wenn sie sich drücken lassen“, lautet prompt seine Antwort.
Der Großsachsener gönnt sich jeden Tag ein bis zwei Kiwis. Das ganze Jahr über. Mus liebt er besonders. Von seiner Ernte profitieren Familie, Freunde und ehemalige Geschäftspartner. Er verschenkt gerne einen Teil, um den Menschen Freude zu bereiten. Den anderen Teil verkauft er und stellt dazu einen Tisch auf der Breitgasse auf.
Genau so wie er sein Unternehmen führte und die Kiwi-Zucht angeht, lebt er sein Leben. Sein Motto lautet: aktiv bleiben. Dies trifft auch auf die vielen Vereine zu, in denen er sich engagierte oder noch aktiv ist. So etwa bei der Feuerwehr, dem MGV Sängerbund, dem Reitverein oder dem TVG. Beim MGV-Männerchor singt er die Bass-Stimme. Beim Odenwaldklub ist er zudem noch Zweiter Vorsitzender. Den Posten will er aber abgeben: „Wir brauchen junge Leute!“, begründet er seinen Rückzug. Ob er dadurch künftig weniger zu tun hat, bleibt zu bezweifeln. Der „Kiwi-Bauer“ hat ja seine Früchte.
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