Die Hemsbacher Post ist künftig ohne Pöstges
Der beliebte Filialleiter geht ins Angestelltenverhältnis bei einer Firma in Heppenheim. Ein Nachfolger ist bereits gefunden. Was Daniel Pöstges bewogen hat, nach 25 Jahren seine Selbstständigkeit an den Nagel zu hängen.
Eine Kundin hat sogar geweint, als sie davon erfuhr, dass Daniel Pöstges die Postfiliale abgibt. Man glaubt es gerne, wenn man den 47-Jährigen dabei beobachtet, wie er mit seinen Kunden umgeht. Eine Frau, die einen Brief frankiert haben möchte, fragt er standardmäßig, ob dieser „einfach oder mit Nachweis“ verschickt werden soll. Als diese einen kurzen Moment auf dem Schlauch steht und nicht antwortet, versteht er auch so, klebt eine normale 85-Cent-Marke auf den Briefumschlag – und erntet ein Lachen seiner Kundin.
Pöstges ist gewissermaßen eine Institution in Hemsbach, er kennt viele Familiengeschichten und hat immer auch Zeit für ein persönliches Wort. Und doch ist seine Zeit als Inhaber der Postfiliale bald vorbei: Am 30. Juni wird er um halb eins am Mittag das letzte Mal die Tür an der Grabenstraße abschließen. Am 1. Juli beginnt er ein Angestelltenverhältnis bei einer Firma in Heppenheim.
Es spricht für ihn, dass er für einen geordneten Übergang gesorgt hat. Der Unternehmer Suat Ugurlu, der nach Angaben von Pöstges bereits 15 Postfilialen in der Region unterhält, wird auch die Hemsbacher übernehmen. Für das praktische Geschäft vor Ort wird der neue Filialleiter Serdar Acik zuständig sein. Die Post an der Grabenstraße bleibt also bestehen, und zwar übergangslos.
Künftig Angestellter
Mit der Geschäftsübergabe genau zur Jahresmitte endet auch eine fast 25-jährige Selbstständigkeit von Daniel Pöstges in Hemsbach. Viele Jahre betrieb er den Schreibwarenladen in der Bachgasse. Vor neun Jahren übernahm er die Postfiliale. Schon einige Zeit hat er darüber nachgedacht, ins Angestelltenverhältnis zu wechseln. Nach zwei Bandscheibenvorfällen und einem Hörsturz, den er im Oktober erlitt und der ihm immer noch zu schaffen macht, hat er die Notbremse gezogen. „Die Corona-Zeit hat zusätzlich viel Kraft gekostet“, sagt er. Als Selbstständiger war er in den letzten Jahren immer für seine Kunden da. Mit seiner jüngsten Tochter Matilda, die sieben Jahre alt ist, war er erst einmal zusammen im Urlaub, wie Pöstges sagt. Der gelernte Bürokaufmann ist gewissermaßen familiär vorbelastet. Auch seine Eltern betrieben viele Jahre ein Schreibwarengeschäft in Birkenau. Wenige Zeit, nachdem sich diese zur Ruhe gesetzt hatten, verstarb sein Vater. „Ich möchte nicht so enden wie er.“
Die berufliche Belastung sei auch der Grund gewesen, warum er 2022 nach acht Jahren Engagement in der Fraktion der Freien Wähler den Gemeinderat auf eigenen Wunsch wieder verlassen hat. Das Entscheidungsgremium verlor seinerzeit seinen unangefochten Stimmenkönig. Bekanntlich hatte Pöstges 2019 auch als Bürgermeister kandidiert, gegenüber Amtsinhaber Jürgen Kirchner im zweiten Wahlgang dann zwar verloren, aber immerhin ein respektables Ergebnis erzielt.
Pöstges bleibt Hemsbach als Bürger erhalten und will zusammen mit seiner Frau Katarina und seinen drei Kindern Ronja (15 Jahre), Moritz (13) und Matilda (7) im Eigenheim an der Goethestraße wohnen bleiben. Seine neue Wirkungsstätte Heppenheim ist ja auch nicht allzu weit entfernt.
Wechsel in neues Fachgebiet
Der 47-Jährige wechselt dabei komplett das Fach. Er wird künftig im Büro des Unternehmens „Carpbaits“ in Heppenheim arbeiten, das Karpfenfutter, sogenannte „Boilies“, selbst herstellt und zusammen mit über 2000 Angelprodukten über das Internet vermarktet. Pöstges ist für das Büro und Lager zuständig und soll sich insbesondere auch um die Zollangelegenheiten kümmern. Das ist Neuland für ihn, räumt er ein, andererseits hat er eine solide kaufmännische Ausbildung und in diesem Bereich sehr viel Erfahrung. Was ihm sicherlich fehlen wird, ist der direkte Kundenkontakt. „Ich habe hier viele tolle Erfahrungen gemacht“, sagt Pöstges und ist voll des Dankes für seine Kunden, die ihm viele Jahre die Treue gehalten haben und unter denen er wirkliche Freunde gefunden hat.
Keine Pause
Eine Pause will sich Pöstges nicht gönnen. Am 30. Juni hört er in der Postfiliale in Hemsbach auf, am 1. Juli beginnt seine neue Tätigkeit. An Urlaub ist da nicht zu denken. Erst einmal. Pöstges, der in jungen Jahren viel unterwegs war, träumt allerdings davon, mit seiner Familie einmal eine Kreuzfahrt zu machen. Vielleicht klappt das ja 2024.