Ein bisschen Weinheim schwingt bei Frank Röth immer mit
Er ist der erfolgreichste Synchronsprecher Deutschlands, dazu Schauspieler und Autor. Doch die Bühnenkarriere begann in der Region: mit der Band "Young Eight".
Die Vögel zwitschern im Hintergrund, Frank Röth sitzt auf seiner Terrasse in einem Berliner Vorort und telefoniert. Wenn er in lupenreinem Hochdeutsch von seinen neuen Filmprojekten erzählt, dann käme man als Zuhörer nicht gleich auf die Idee, dass dieser Mann ein waschechter Kurpfälzer ist – Dialekt inklusive.
Aufgewachsen ist Röth in Weinheim, und wie schwätzt so einer, der mit dem Fahrrad die Gegend um die Friedrichstraße unsicher machte? Kurpfälzisch, genau. „Es hat Jahre gedauert, bis ich mir, gemeinsam mit einer Sprecherzieherin, den Kurpfälzer Dialekt abtrainiert hatte. Das war fast so, als würde ich eine neue Sprache lernen.“ Doch das Training hatte Erfolg, Röth ist einer der erfolgreichsten Synchronsprecher Deutschlands. Er lieh Professor Lupin in der deutschen Fassung der Harry-Potter-Filme seine Stimme und 2012 synchronisierte er in dem französischen Welterfolg „Ziemlich beste Freunde“ den Schauspieler Francois Cluzet alias Philippe Pozzo di Borgo.
Trotz aller Professionalität: Wenn man Röth gemeinsam mit seiner Schauspiel-Kollegin Esther Schweins – sie stammt aus Viernheim – ans Studiomikrofon lässt, müssen Regisseure und Tontechniker ganz tapfer sein. „Dann gehen die Kurpfälzer mit uns durch.“ Ein bisschen Weinheim schwingt also immer noch mit im Leben von Frank Röth, obwohl er die Rhein-Neckar-Region schon Ende der 70-er Jahre verlassen hat und inzwischen mit seiner Familie bei Berlin lebt. „Der Umzug hierher war ein wichtiger Schritt, denn Berlin ist inzwischen die deutsche Filmstadt“, sagt Röth. Jung sei die Stadt und offen – anders als München.
In München begann Röths Karriere
In der Isarmetropole begann Röths Karriere, dort lernte er seine Frau kennen und dort hat er immerhin 30 Jahre gelebt. Berlin sei anders, freundlicher. „Sogar meine Frau als gebürtige Münchnerin war überrascht, wie nett ihr die Menschen hier in Berlin begegnet sind“, sagt Röth. Der Abschied aus der bayerischen Landeshauptstadt sei ihm nicht schwergefallen.
Und der Weggang aus Weinheim? Immerhin scheint in der Zweiburgenstadt der Grundstein für seine Bühnenkarriere gelegt worden zu sein, so ein ganz kleines bisschen. Denn der Apotheker-Sohn – seinem Vater gehörte die Stadtapotheke in der mittleren Hauptstraße – ist schon als Teenager gerne auf der Bühne. Mit den legendären „Tilmann Brothers“ spielt er Orgel und Klavier in einer Band. „Young Eight“ heißt die Gruppe, sie machen schwarze Musik und treten erfolgreich auf Bällen, Galas und großen Festen in der Umgebung auf. Seine Eltern haben ein Abo für die Stadthalle – Röth schnuppert Theaterluft. „Dort gastierten damals viele Tourneetheater. Da waren tolle Stücke dabei mit Schauspielern, die man aus dem Fernsehen kannte und natürlich auch Provinztheater“, sagt er.
Abitur in Bensheim
Nach dem Abitur in Bensheim geht Röth zum Bund, leistet in Mittenwald den Grundwehrdienst ab. Zunächst beginnt er in München ein Tiermedizin-Studium. Aber: „Viele beruflichen Pläne haben sich damals relativiert, und es wurde etwas in mir geweckt“, sagt Röth.
Nachkriegsdrama aus dem Odenwald
Zum Durchbruch verhilft dem jungen Künstler aber erneut seine Heimat. Inspiriert von einer wahren Begebenheit aus dem Odenwald, schreibt Röth das Nachkriegsdrama „Kolp – Schwarzmarkt, Swing und große Träume“. Röth liefert das Drehbuch, steht als Hauptdarsteller vor der Kamera und produziert den Streifen, der 1984 in die Kinos kommt, „unter abenteuerlichen Umständen“.
„Ein Großteil des Films sollte in der Umgebung von Wald-Michelbach spielen. Doch dann hat der Bürgermeister alle Drehgenehmigungen zurückgezogen. Die Stadt Weinheim ist fulminant in die Bresche gesprungen und hat wirklich alles getan, um unseren Film zu ermöglichen“, sagt Röth. Der Film wird ein Riesen-Erfolg, schafft es 1985 sogar ins offizielle Programm der Filmfestspiele im französischen Cannes. Das ist eine Riesenehre – auch für Weinheim, dem Röth verbunden bleibt. Seine Schwester Jeanette Rosen, ebenfalls Schauspielerin, lebt hier immer noch, erst vor Kurzem fand ein Familientreffen im nahen Odenwald statt. Wenn er bei diesen Besuchen auch durch Weinheim fährt, dann sei er „gespalten“, gibt er zu.
„Der Marktplatz ist wunderschön und es freut mich, dass er ein lebendiges Stadtzentrum geworden ist.“ Was er hier vermisst: eine moderne Stadtarchitektur, die auch die Industriedenkmäler mit einbezieht – Berlin, seine neue Heimat, macht das vor.
Dieser Text erschien am 11.08.2015 im Rahmen unserer Serie "Goodbye Woinem" in den Weinheimer Nachrichten.