Ein neues Umspannwerk für Weinheim
Warum an der Autobahn gerade gebaut wird und was die Transnet BW in Heddesheim auf keinen Fall realisieren will.
Weinheim/Heddesheim. Der geplante Bau des Umspannwerks Mannheim-Ost erhitzt in Heddesheim aktuell die Gemüter. Es ist allerdings nur eines von vielen, die gerade entstehen oder geplant werden. Schon seit 2022 entsteht ein weiteres Umspannwerk in Weinheim, auf dem Gelände eines bereits vorhandenen an der Autobahn A 5.
Auf der Baustelle erhält der Redakteur näheren Einblick. Allerdings unter strengen Regeln. Helm, Schutzweste und Sicherheitsschuhe sind Pflicht. Im Baubüro werden alle Namen mit Datum und Uhrzeit ein- und später wieder ausgetragen. Im Notfall lässt sich so jederzeit überprüfen, wie viele Menschen sich auf dem Gelände befinden. Bei einer Sicherheitsunterweisung gibt es weitere Hinweise. So darf man etwa – selbstredend – Absperrungen nicht übertreten, aber zum Beispiel auch keine Zäune anfassen. Sie könnten unter Strom stehen.
Netz von Weinheim bis Karlsruhe
Projektleiter Felix Brater erläutert an Plänen im Büro Einzelheiten des Projektes. Hintergrund ist das Stromnetz-Ausbauvorhaben Nr. 19 Süd, die 380-kV-Netzverstärkung Weinheim–Karlsruhe. Im Zuge dieses Vorhabens soll die bestehende, aus Hessen kommende 220-kV-Leitung auf 380 kV umgestellt werden. Das bedeutet, dass auch alle Umspannwerke entsprechend auf 380 kV umgebaut werden müssen, so eben das in Weinheim. Hier errichtet das Unternehmen eine Gasisolierte Schaltanlage (GIS).
Weniger Grundflächenverbrauch
Beim Gang über die Baustelle gibt es weitere interessante Details. Auf dem Geländestreifen entlang der Autobahn befindet sich das alte, nach wie vor laufende Umspannwerk. Um das neue zu bauen, wäre eine deutlich größere Fläche notwendig. Weil die auf dem Gelände nicht vorhanden ist und auch nicht anderswo zu finden war, wählte TransNet BW hier das Modell GIS. Dabei wird die Anlage komplett in einem Gebäude untergebracht. Hier, in einem Industriegebiet am Stadtrand, fällt das 14 Meter hohe und 50 Meter lange Bauwerk kaum auf. In der freien Landschaft würde man das aber nicht bauen.
Das ist indes nicht der einzige Grund, warum dieses Modell für Mannheim-Ost nicht infrage kommt, wie Markus Golde von TransNet BW erklärt. Zum einen ist so eine Anlage etwa doppelt so teuer wie eine im Freien. Zum anderen wird das darin verwendete Gas in absehbarer Zeit verboten, womöglich vor der Fertigstellung von Mannheim-Ost. Hier in Weinheim steht das Gebäude, im Innern wird an der Installation gearbeitet. Deshalb ist das Betreten für Externe verboten. Jeder Schmutzeintrag könnte die Sicherheit der Anlage gefährden.
Die hochspannungsführenden 380-kV-Leiter innerhalb der GIS sind von einer Metallröhre umgeben, wie Brater erklärt. Der Durchmesser dieser Röhre beträgt etwa 50 bis 60 Zentimeter. Innerhalb dieser Röhre befindet sich das Isoliergas Schwefelhexafluorid (SF6). Dieses Gas ist ungiftig für den Menschen und nicht brennbar. Gelangt es jedoch in die Umwelt, ist es äußerst schädlich für das Klima. Um das 25-Tausendfache wie CO2, wie Brater verdeutlicht. Obwohl das Risiko, dass das Gas in die Atmosphäre entweicht, äußerst gering ist, wird es ab 2028 für neue Anlagen verboten.
Ein Teppich aus Fundamenten
Schon jetzt sind an dem Bau die Nischen zu erkennen, aus denen später die Leitungen aus der Anlage nach draußen geführt werden. Daneben befindet sich ein Teppich aus rechteckigen Fundamenten. Darauf sollen dann die Masten und Portale ruhen. Wie ein solches Podest entsteht, ist ganz vorne in einer Baugrube zu erkennen. Dort ragen ein Dutzend Eisen aus dem Wasser. Sie werden später mit Beton zu Stützen, auf denen die Last ruht. Denn das gesamte Gelände ist im Untergrund lehmhaltig und muss deshalb mit solchen Pfählen zur Gründung versehen werden. Insgesamt gibt es an den neuen Bauteilen samt Halle rund 1.700 davon.
Auf der anderen Seite des neuen Gebäudes steht ein mächtiger Klotz aus Metall, grün lackiert und mit dem Schriftzug von Siemens Energy. Ein Transformator. Angeliefert wurde er schon vor Monaten, und zwar fast komplett per Bahn. Sogar auf dem Gelände liegen Gleise, um ihn in ein paar Jahrzehnten wieder demontieren und durch einen neuen ersetzen zu können.
Erhebliche Veränderungen?
Die Netzbauer denken in eigenen zeitlichen Dimensionen. Der Netzentwicklungsplan erstreckt sich bis zu den Jahren 2037 und 2045. Er geht unter anderem davon aus, dass bis 2035 mehr als 20 Millionen Fahrzeuge mit Strom betrieben werden, bis 2045 sogar 35 Millionen.
Für den Gesamtstromverbrauch gibt es verschiedene Szenarien. Danach könnte der Stromverbrauch in Deutschland bis 2045 um 80 oder sogar bis zu 150 Prozent ansteigen. Die privaten Haushalte haben daran den geringsten Anteil, trotz eines starken Wachstums von Wärmepumpen. Der Stromverbrauch aus dem Verkehr könnte bis 2045 jenen in Haushalten übersteigen, heute macht er zwölf Prozent davon aus.