Betrugsversuch

Erneuter Schockanruf in Weinheim

Die perfide Masche der Kriminellen ist immer die gleiche. Ein Betroffener berichtet.

Senioren werden immer öfter Opfer von Schockanrufen, wie dieses Symbolbild zeigt. Foto: www.polizei-beratung.de
Senioren werden immer öfter Opfer von Schockanrufen, wie dieses Symbolbild zeigt.

Nachdem erst Mitte Juli zahlreiche Schockanrufe beim Polizeirevier Weinheim gemeldet worden waren, versuchten Kriminelle am Dienstag erneut, mit der gleichen Masche Geld zu erbeuten. Gottfried Junker aus der Weinheimer Weststadt sitzt der Schock noch in den Knochen, als er unserer Redaktion von dem Telefonat berichtet, das ihn am frühen Morgen erreichte.

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„Ich war völlig neben mir“

Der 94-Jährige glaubte tatsächlich, seinen Sohn am Apparat zu haben. „Er sagte mir mit weinerlicher Stimme, dass er eine rote Ampel überfahren und dabei einen Fahrradfahrer getötet hat“, erzählt der Rentner. Um nach seiner Festnahme durch die Polizei wieder auf freien Fuß gesetzt werden zu könne, müsse Kaution bezahlt werden. Bevor Junker tiefer mit seinem angeblichen Sohn ins Gespräch einsteigen konnte, sei der Hörer weitergegeben worden – erst an einen „Polizisten“, dann an einen „Staatsanwalt“. Der habe von einer Summe von 20 000 und später 100 000 Euro gesprochen, die die Junkers beim Gericht in Mannheim abliefern sollten. „Ich war völlig neben mir und habe zunächst geglaubt, was mir da erzählt wurde“, berichtet der Weststädter, der schon von solchen Schockanrufen gehört hatte. „Ich konnte mir aber nicht vorstellen, jemals darauf hereinzufallen.“

Zu der perfiden Masche der Kriminellen gehört auch, dass die älteren Herrschaften davon abgehalten werden, ihre Angehörigen „in Not“ anzurufen, um die Situation zu klären. So auch im Fall Junker. Man habe ihm geraten, in ein ruhiges Zimmer zu gehen, um ungestört telefonieren zu können – mit dem Handy. Mehr Geistesgegenwart bewies Gottfried Junkers Frau, die unbeirrt zu recherchieren begann. Ihr erster Anruf galt der Polizei, die von einem tödlichen Unfall nichts wusste. Dann erreichte sie ihren Sohn – wohlbehalten. „Gott sei Dank hat er gleich abgenommen“, ist Junker erleichtert.

Regelrecht traumatisiert

Den Schock hat er noch nicht überwunden. „Mir machen die Ereignisse noch immer zu schaffen“, gesteht er. „Ich bin regelrecht traumatisiert.“ So geht es vielen Opfern, die wie Junker berichten, dass die Anrufer alle Register der Manipulation ziehen und die Liebe zu den Angehörigen bewusst ausnutzen. Junker: „Es war einfach so gut gemacht, dass ich es geglaubt habe.“ Dem Senior ist es wichtig, die Menschen vor Trickbetrügern zu warnen.

Die Polizei gibt Tipps

  • Kommt Ihnen ein Anruf verdächtig vor, informieren Sie unverzüglich die Polizei unter der Nummer 110.
  • Übergeben Sie keine Geldbeträge an fremde Menschen oder hinterlegen Sie Geld an vereinbarten Orten
  • Lassen Sie sich nicht drängen und unter Druck setzen.
  • Kontaktieren Sie ihre Familie oder Personen unter den Ihnen bekannten Rufnummern.