Gabriel Schwab zur Schülerdemo an der DBS: "Tiefe Gräben offengelegt"
Bei der Schülerdemo am Mittwoch ging es um mehr, als nur die Versetzung eines Lehrers, findet Redakteur Gabriel Schwab. Sie hat offenbart, dass es an der DBS tiefgreifendere Probleme gibt.
Die Angelegenheit des Herzenslehrers, dem die Versetzung droht, erhitzt die Gemüter. Dennoch könnte genau sie den Wendepunkt im zuletzt angespannten Schulleben an der DBS darstellen. Denn die Personalie des Pädagogen legt die viel tiefgreifenderen Gräben offen, die sich an der Schule aufgetan haben. Um sie wieder zuzuschütten, bedarf es der Gesprächs- und Kompromissbereitschaft aller Seiten: Schülern, Eltern, Lehrern – und natürlich der Schulleiterin.
Seit einem Jahr ist die 54-Jährige Chefin an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule. Jener ehemaligen Multschule, auf die so mancher Weinheimer Gymnasiast herunterschaute, weil sie ja „nur“ eine Gesamtschule war. Heutzutage brauchen sich die DBS und ihr Gymnasium wahrlich nicht zu verstecken: Erst kürzlich gab es wieder einen Preis für den digitalisierten Unterricht, den sie neben anderen Auszeichnungen schon dreimal einheimste.
Nun bröckelt der Ruf aber wieder: Schüler und Eltern sparen nicht an Kritik, wenn es um ihre „neue“ Schulleiterin geht. Die Lehrer wagen sich offiziell zwar nicht aus der Deckung. Vermutlich auch, weil sie befürchten, dass ihnen ein ähnliches Schicksal wie ihrem Kollegen blühen könnte. Viele freuen sich aber hinter vorgehaltener Hand, dass der Chefin endlich einmal jemand öffentlich die Meinung sagt: Den Schülerprotest vor ihrem Büro begleiten sie nicht, ebnen ihm jedoch gerne den Weg. Dass sie der Demonstration und nicht der Schulleiterin den Rücken stärken, spricht Bände. Vor allem darüber, wie viel in diesem einen Jahr falsch gelaufen sein muss an der DBS. Dass es so nicht weitergeht, das ist wohl die eine Sache, in der sich alle Beteiligten einig sein dürften. Genau jetzt gilt es, vom harten Konfrontationskurs abzurücken.
Um die verhärteten Fronten aufzuweichen, wäre es ein guter erster Schritt, die Versetzung zu beerdigen. Danach braucht es gute Vermittler. Hier hat sich mit Oberbürgermeister Manuel Just bereits ein hochrangiger Schlichter angeboten. Vertreter des Regierungspräsidiums sind in gleicher Mission an der DBS unterwegs. Vielleicht gelingt es gemeinsam: Die Gräben, die sich im vergangenen Jahr aufgetan haben, müssen unbedingt wieder zugeschüttet werden.